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Universität Konstanz Chemiker stoppen multiresistenten Krankenhaus-Keim

Es ist eine bedenkliche Entwicklung: Im Jahr 2015 sind in der Europäischen Union mehr als 33.000 Menschen nach Infektionen mit antibiotika-resistenten Keimen gestorben – Tendenz steigend. Ein solcher Keim ist auch „Pseudomonas aeruginosa“. Forscher der Universität Konstanz haben nun offenbar einen Weg gefunden, den gefährlichen Keim, gegen den Antibiotika nicht mehr wirken, außer Gefecht zu setzen.

von Kristin Kielon

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Angefangen von chronischen Lungeninfektionen bis hin zur Sepsis kann das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verschiedenste Krankheiten auslösen. Infektionen mit ihm sind häufig lebensgefährlich, erklärt Thomas Böttcher – Chemiker an der Universität Konstanz. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihn gerade erst auf die Liste der high priority-Pathogene gesetzt, weil sie ihn als einen der gefährlichsten  Krankenhauserreger sieht, gegen den unmittelbarer Handlungsbedarf besteht.

Prof. Dr. Thomas Böttcher
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Er ist quasi einer der wichtigsten Erreger von Infektionen, der zugleich durch seine enorme Resistenzbildung eben zu Problemen führt und deswegen viele bestehende Antibiotika nicht mehr gegen ihn wirken.

Dr. Thomas Böttcher, Uni Konstanz

Viele von uns tragen den Erreger bereits im Körper, haben ihn sich irgendwann einmal irgendwo eingefangen. Und das ist eigentlich gar nicht schlimm, denn für einen gesunden Menschen ist er ungefährlich. Wenn unser Immunsystem aber zum Beispiel durch eine Krankheit geschwächt wird, dann vermehrt sich der Keim und die vielen neuen Bakterien in unserem Körper fangen daraufhin an miteinander zu kommunizieren. Dazu senden sie sogenannte Signalmoleküle aus, erklärt Böttcher.

Diese Signalmoleküle sind quasi so eine Art Mehrheitsabstimmung, wodurch die Bakterien feststellen können: Sind genügend von ihnen vorhanden? Und unsere Strategie war jetzt, diese Kommunikation zwischen den Bakterien… auszuschalten.

Dr. Thomas Böttcher, Uni Konstanz

Und somit den Ausbruch der Infektion von vorn herein zu verhindern, anstatt sie im Nachhinein mit Antibiotika zu behandeln. Denn diese speziellen Bakterien verhalten sich wie eine Art Untergrund-Armee: Erst, wenn sie groß genug ist, kann sie zum Angriff übergehen.

Die Signale bewirken dann, dass das Bakterium sein Verhalten umstellt und jetzt von einem harmlosen Mitbewohner zu einem eigentlichen Krankheitsauslöser wird.

Dr. Thomas Böttcher, Uni Konstanz

Deshalb haben die Forscher nach einem Wirkstoff gesucht, der die Produktion dieser Signale hemmt, so dass die Bakterien nicht mehr miteinander kommunizieren können und es so zu keinem Ausbruch der Infektion mehr kommen kann. Die Idee ist nicht ganz neu. Doch den Forschen ist es gelungen, die Wirkstoff-Suche deutlich zu verbessern: Sie haben eine neue Technik entwickelt, die es erlaubt, direkt in der lebenden Zelle zu messen, ob und wie gut ein Stoff die Signalmolekülproduktion hemmt.

Das ist insofern von Vorteil, dass wir das direkt in der Zelle machen können und nicht wie man es normalerweise immer macht, dass man diese Tests mit isolierten Proteinen oder Enzymen durchführt. Und damit lassen sich natürlich viel leichter wirksame und hocheffiziente Wirkstoffe finden.

Dr. Thomas Böttcher, Uni Konstanz

Bis aus dem Wirkstoff gegen den gefährlichen antibiotika-resistenten Keim aber ein Medikament wird, dauert es noch, ergänzt Böttcher. Das sei immer ein mehrjähriger Prozess. Doch das schreckt die Forscher nicht ab. Sie wollen mithilfe ihrer neuen Technik weiter nach Hemmstoffen suchen, die künftig Leben retten könnten.

Und was wir jetzt machen ist, wir hemmen diese Andockstelle, (…) wo diese Reaktionen stattfinden können und dadurch ist quasi das Enzym blockiert und ausgeschaltet und somit kann kein Signalstoff mehr hergestellt werden.

Dr. Thomas Böttcher, Uni Konstanz

Die Forschungsergebnisse wurden im Journal Of The American Chemical Society veröffentlicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 08. Januar 2018 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2018, 18:19 Uhr

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