Evolutionspsychologie Das erste Lachen erschallte vor 13 Millionen Jahren

Heute schon gelacht? Bestimmt, denn jeder von uns lacht zirka 20 Mal am Tag. Kinder schaffen es hunderte Male innerhalb von 24 Stunden. Lachen soll gesund sein und zeugt von guter Laune. Wenn wir lachen, machen wir uns aber keine Gedanken, warum wir lachen und wozu Lachen gut ist. An der Uni Portsmouth ist man der Sache auf den Grund gegangen. Die Reise geht 13 Millionen Jahre zurück.

Lachender Orang-Utan
Ein lachender Orang-Utan: Vor 13 Millionen Jahren "erfanden" seine und unserer gemeinsamen Vorfahren das Lachen. Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Wissenschaftler sind sich sicher, dass der erste Lacher vor mindestens 13 Millionen Jahren aus einem Affen herausgluckerte. Damals lebte der letzte gemeinsame Vorfahre von Orang-Utans und den anderen Menschenaffen, bevor sich die Linie der Orangs von der der anderen Menschenaffen-Arten trennte.

"Das erste Lachen war nicht ein Haha-Hehe-Lachen. Das war ganz simpel, mehr so ein emotionaler Ausbruch. Also vor 13 Millionen Jahren hat es sich wahrscheinlich so ähnlich angehört wie das Lachen von den Orang-Utans", vermutet Marina Ross von der Porthmouth Universität in England. Sie erforscht an Menschenaffen die Evolution des Lachens.

Erster Lacher war ein Grunzer

Lachender Orang-Utan
Lachen ist bei Menschenaffen immer Teil des Spiels mit anderen Individuen. Bildrechte: imago/Pacific Press Agency

Vermutlich lief vor 13 Millionen Jahren also kein schallendes Gelächter durch den Urwald, sondern eher ein zufriedenes Grunzen. Mit dem Lachen, so wie wir es kennen, hat das nichts zu tun. Woher weiß Marina Ross dann aber, dass Orang-Utans so lachen, dass dieses Grunzen nicht etwas anderes bedeutet? Ganz einfach, die Evolutionspsychologin hat Menschaffen durchgekitzelt: "Also wenn die Menschaffen gekitzelt werden, dann produzieren sie Rufe. Und wir wollten rausfinden, ob es sich bei diesen Rufen tatsächlich um das Lachen handelt."

Durchgekitzelte Menschenaffen

Dieses Rufen wurde mit den Lauten verglichen, die weiterentwickelte Menschenaffen wie Bonobos, Schimpansen und Gorillas aber auch Kleinkinder machen, wenn sie durchgekitzelt werden. Nach einer komplizierten wissenschaftlichen Analyse dieser Töne ist sich Ross sicher, dass sie damit Lachen von anderen Lauten unterscheiden kann. Bei Bonobos beispielsweise hört sich das Lachen schon etwas mehr nach Lachen an. Es ist schon nicht mehr ganz so dumpf.

Affen lachen seltener

Affen lachen nicht so häufig wie wir. Sie lachen fast nur, wenn sie miteinander spielen, erklärt Marina Ross: "Ich hab mir das genauer angeschaut seit den letzten 14/15 Jahren und da habe ich nur ganz, ganz selten mal Lachen gehört oder auch die Lachgesichter außerhalb des Spielkontexts gesehen. Das war eine Handvoll Events, wo das passiert ist."

Und die Evolutionspsychologin hat auch herausgefunden, dass die Schimpansen sich mit ihrem Lachen auch anstecken können: "Wenn ein Schimpanse ein Lachen produziert, kann das den anderen Schimpansen, mit dem er spielt, beeinflussen, sodass der auch lacht."

Nur Mitspieler lachen

Lächelnder Orang-Utan
Zuschauer-Affen lachen nie mit. Allenfalls ein müdes Grinsen ist noch drin. Bildrechte: imago/Photocase

Logisch - Lachen ist ansteckend, weiß doch jeder! Bei den Affen ist das allerdings nicht unbedingt so. Auch da unterscheiden sie sich von uns Menschen. Gelacht wird nur von denen, die direkt beim Spiel beteiligt sind. Ein Dritter, der das Spiel nur beobachtet, der lacht nie, erklärt Ross: "Ja, wir haben das genauer untersucht und wir haben keinen Dritten gefunden, der da lachen würde."

Die Wissenschaftlerin vermutet deshalb, dass das Lachen beim Spielen entstanden sein könnte. Als ein Ausdruck von Emotion und Freude. Für die These, dass das Lachen als eine Form sozialer Kommunikation entstanden sein könnte - in der Art wie es bei uns funktioniert - dafür hat Marina Ross bei unseren engsten Verwandten bisher allerdings keine schlüssigen Hinweise gefunden.