Umgang mit Lebensmittelresten Essen - effektiv produzieren, konsumieren, entsorgen

Vermont macht jetzt Klarschiff: Der US-Bundestaat hat sich vor Jahren einen anderen Umgang mit Abfall verordnet und will ab 01. Juli 2020 dafür sorgen, dass weder Lebensmittel, noch Lebensmittelreste im Müll landen. Lebensmittelverbot für die Restmülltonne - gute Idee. Noch besser ist es aber, gar nicht erst zu verschwenden.

Frau kratzt Essensreste in den Mülleimer.
Übungssache: Portionen so bemessen, dass keine Reste bleiben. Bildrechte: imago images/ingimage

Vermont macht Klarschiff in Sachen Lebenmittelverschwendung, aber man braucht einen langen Atem für so ein Projekt. 2012 hat der Bundesstaat sich eine Null verordnet, wenn es um Lebensmittelreste im Müll geht. Bislang landeten in Vermont jährlich ca. 100.000 Tonnen Lebensmittel, Laub- und Gartenabfälle sowie andere organische Material auf Deponien. 60.000 Tonnen davon waren Lebensmittelabfälle.

Groߟküche einer Kantine
Auch in Großküchen fallen Reste an Bildrechte: imago/Olaf Döring

Das ist ab 1. Juli 2020 vorbei. Unternehmen und Institutionen, Supermärkte, Mensen und Restaurants, sowie Privathaushalte müssen ihre Nahrungsmittelreste entweder kompostieren oder Energiefarmen zukommen lassen. Die Infrastruktur dafür ist über Jahre aufgebaut worden, aber auch das Bewusstsein in der Bevölkerung und Institutionen für den Umgang mit und die Wertschätzung von Lebensmitteln. Dafür, dass Essbares verteilt werden kann, bzw. Reste, die nicht mehr gegessen, kompostiert werden können, oder in speziellen Farmen in Energie umgewandelt. Schulen und Institutionen zu Beispiel trennen ihren Abfall, wodurch nicht mehr nutzbare Lebensmittel in spezielle Komposter wandern.

Wo und wann Lebensmittel in den Müll wandern

Fleischauslage
Verführt viele, mehr zu kaufen als eigentlich gebraucht wird: der Überfluss an der Fleischtheke. Bildrechte: imago images / Westend61

Sinn macht all das in jedem Fall, angesichts der Massen an Essen, die im Müll landen: 1,3 Milliarden Tonnen weltweit. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten hergestellten Nahrung. In Deutschland sind es jährlich 18 Millionen Tonnen, die weggeworfen werden. Dabei muss man unterscheiden in zwei "Verlustmomente" - entweder die in frühen Produktionsstadien bei der Ernte, der Lagerung oder beim Transport. Oder die späteren Stadien, in denen die Kundschaft ins Spiel kommt, im Geschäft oder Zuhause.

Schäden in Produktions- und Lieferketten

Das Dilemma fängt bei der Produktion an: Zum Beispiel wenn Farmer zum Beispiel wetterbedingte Verluste mit einplanen, und dann bei unerwarteten optimalen Wetterbedingungen Überproduktionen erzielen. Wenn Obst oder Gemüse nicht den optischen Standardwerten entsprechen und gar nicht erst in den Verkauf gegeben werden. Fatal, wenn man sich beispielsweise den ökologischen Fußabdrucks eines Apfels vor Augen führt, bei dem statistisch gesehen 125 Liter Wasser pro Stück anfallen.

In Niedriglohnländern gehen Obst und Gemüse durch mangelhafte Erntetechnik oder Lagerung verloren, oder auch auf dem Weg zum Verbraucher. Zum Beispiel wenn druckempfindliches Obst oder Gemüse per Fahrrad über holprige Wege transportiert werden oder temperaturempfindliche Waren wie Milch und Fisch unterwegs verderben, oder bei mangelhaften Lagerbedingungen im Verkauf.

Lebensmittelverlust im Supermarkt und beim Verbraucher

XXL-Packungen in Supermarkt-Regalen, Bäcker-Sonderangebote nach dem Motto "Nehmen Sie zehn Brötchen, das ist billiger als acht", All-you-can-eat oder All-Inclusive-Buffets im Urlaub: In Industrienationen suggeriert die Angebotspalette ständig Überfluss. Der verführt dazu, mehr zu essen oder einzukaufen als wir tatsächlich nötig haben.

Koch und Gäste an Buffet
Buffets: Schön angerichtet, selten leergegessen. Bildrechte: imago images / Danita Delimont

Das sind nur einige wenige Gründe dafür, warum so viel Essen vergeudet wird. Unser Kauf- und Konsumverhalten werden auch noch beeinflusst von Ablaufdatum, Einkaufswagen, die leichter rollen, je voller sie sind, Werbekampagnen, bedufteten Verkaufsräumen... Trotzdem kein Grund zum Verzweifeln. Es gibt auch viele Methoden, wie man privat Lebensmittel-Verschwendung verhindern - oder wenigstens verringern - kann:

17 Tipps, die Essen vor der Tonne bewahren

Ein gut gefüllter Kühlschrank
Einkaufen beginnt beim Kühlschrank-Check: Was ist da, was fehlt? Bildrechte: imago/imagebroker
Ein gut gefüllter Kühlschrank
Einkaufen beginnt beim Kühlschrank-Check: Was ist da, was fehlt? Bildrechte: imago/imagebroker
Äpfel und Bananen in einem Obstkorb.
Obstkorb-Check: Für viele ist er ein Deko-Accessoir. Aber mal realistisch - welcher Zweipersonenhaushalt verbraucht so viel Obst? Und wenn es dann doch passiert ist. Dunkle Bananen lassen sich im Kuchen verbacken, oder in Jogurt oder Michshake verrühren. Manchmal freuen sich auch kinderreiche Nachbarn über frische Milchshake-Zusätze. Bildrechte: imago/Dean Pictures
Äpfel der Sorte Cox Orange
Und warum nicht mal beim Landwirt in der Region vor Ort angebaute Äpfel einkaufen? Bildrechte: imago/blickwinkel
Fischfilet - Käse-Tatar - Wurzelgemüse
Realistisch kochen - nur so viel, wie nötig. Oder gleich für zwei Tage einplanen. Bildrechte: MDR/Jens Trocha
Frau am Kühlschrank
Gemüse und Obst richtig lagern - was braucht wirklich die Kühlung, wem bekommt die Lagerung draußen besser. Bildrechte: imago images / Westend61
Lebensmittel liegen in einem Mülleimer.
Auch wenn das Ablaufdatum überschritten ist: Man kann ruhig seinen Sinnen vertrauen, Geschmack und Geruch prüfen. Bildrechte: imago images / photothek
Frau schreibt eine Einkaufsliste vom Rezept ab
Wenn man einkaufen geht, am besten satt und gezielt: Ausgerüstet mit einer Liste. Bildrechte: imago/Westend61
Eine Frau schreibt auf einen Notizblock.
Aber auch hilfreich: Aufschreiben, was an Lebensmitteln im Müll gelandet ist, am besten mit dem Kaufpreis. Bildrechte: imago/Westend61
Rhabarberkompott im Weckglas
Wenn der Garten "explodiert ist", Stichwort Überproduktion: Gemüse oder Obst - lässt sich einkochen - notfalls aber auch verschenken. Bildrechte: IMAGO
Ein Smartphonenbildschirm mit den Symbolern verschiedener Apps.
Technik nutzen: Apps listen aktuelle Foodsharing-Angebote aus Restaurants oder Bäckereien auf. Bildrechte: MDR/Gerald Perschke
Auswahl an verschiedenen Käse-Produkten
Wer Käsereste hat von der Wochenend-Party: Man kann sie in Suppen oder Soßen rühren, Brotscheiben zum Abendessen überbacken ... Bildrechte: imago images / United Archives
Käse tropft von einem Stück Baguette
... oder zum Fondue schmelzen, zusammen mit dem altbackenen Brot oder Baguette von gestern. Bildrechte: MDR/Martin Klammt
Pappschachtel zur Mitnahme nicht gegessener Speisen.
Die Portion im Restaurant war größer als der Magen? Viele Häuser bieten inzwischen an, die Reste einzupacken. Bildrechte: imago/Reporters
Menschen vor Kühlschränken einer FoodSharingStation in Hamburg
Oder man nutzt öffentliche Food-Sharing-Boxen: Um das, was daheim nicht verzehrt wird zu verteilen - oder um vorhandenes mitzunehmen, statt im Supermarkt zu kaufen. Bildrechte: IMAGO
Kompostbehälter
Beim Kompostieren von Küchenabfällen entsteht weniger Methan, als wenn die Essensreste auf Mülldeponien enden. Manchmal wachsen aus gut gepflegten Komposthaufen auch Kartoffeln oder Kürbisse. Bildrechte: Colourbox.de
Indisches Basilikum: Pflanze in einem Blumentopf
"Was das Verhältnis zu Lebenmitteln generell verändert: Selbst anbauen!" sagt Jonathan Bloom, der die "Wasted-Food-Initiative" angeschoben hat. Bildrechte: Daniela Dufft
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Quelle: lfw

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