Englische Polizisten stehen um ein Auto herum.
Bildrechte: IMAGO

"Fall Skripal" Was ist das Nervengift Nowitschok?

Nein, wir waren es nicht. So hat es ein Sprecher der russischen Regierung noch einmal formuliert. Es geht um den Giftgasanschlag auf den ehemaligen russischen Agenten Sergej Skripal und seine Tochter in Großbritannien. Viel ist in dem Fall noch offen, fest steht aber seit kurzem: Das verwendete Nervengift heißt Nowitschok.

Englische Polizisten stehen um ein Auto herum.
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Was genau ist Nowitschok?

Nowitschok – das steht für Anfänger oder Neuling – ist ein extrem starkes Nervengift. Von dem Kampfstoff existieren hunderte chemische Varianten. Alle um ein Vielfaches toxischer als etwa Sarin, das in Syrien eingesetzt worden ist. Wie giftig Nowitschok sein kann, erläuterte einer seiner Entdecker in einer britischen Zeitung. Zwei Gramm reichen demnach, um bis zu 500 Menschen zu töten.

Das Nervengift kann als Flüssigkeit, Gas oder feines Pulver zum Einsatz kommen. Wie genau der Ex-Agent Skripal und dessen Tochter mit Nowitschok vergiftet wurden, ist bislang nicht bekannt. Nur in einem Punkt sind die Ermittler sicher: Es handelt sich um eben jenes Nervengift.

Wie wirkt Nowitschok?

Das Gift greift das zentrale Nervensystem an. Normalerweise kommunizieren Nervenzellen mit anderen Zellen, indem sie Botenstoffe übertragen. Und gewöhnlich werden diese Botenstoffe dann auch wieder abgebaut. Aber Nowitschok verhindert den Abbau. Dadurch geraten die Nervenzellen in eine Art Dauerfeuer oder Dauererregung. Die Folge sind Krämpfe und Muskelzuckungen. Die Atem- und Herzmuskulatur werden gelähmt. Inwiefern das Gegengift Atropin wie bei anderen Nervengiften helfen kann, ist unklar. Bislang existieren kaum Erfahrungen mit Nowitschok-Vergiftungen.

Wo wurde Nowitschok entwickelt?

Sowjetische Forscher entwickelten den Nervenkampfstoff zu Zeiten des Kalten Krieges. Wichtig war ihnen vor allem, dass Nowitschok als chemischer Kampfstoff möglichst schwer nachweisbar sein sollte. Außerdem konnte die Sowjetunion so bestehende Chemiewaffen-Konventionen unterlaufen. Denn die Ausgangs-Chemikalien für Nowitschok gelten als vergleichsweise harmlos. Sie stehen nicht auf der offiziellen Liste der international geächteten Kampfmittel.

Die Entwicklung des Nervengifts verlief streng geheim. Deswegen kennen nur wenige Fachleute die Einzelheiten zu Nowitschok. Das meiste, was öffentlich zu dem Kampfstoff bekannt ist, stammt aus einer Quelle: Ein Chemiker, der den Stoff zu Sowjetzeiten mit entwickelte und in den 1990er-Jahren in die USA auswanderte.

Großbritannien wirft Russland vor, das bei dem Anschlag verwendete Nowitschok stamme aus Russland. Nach Darstellung Moskaus wurden jedoch alle Chemiewaffen bis 2017 vernichtet. Ein ehemaliger Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB brachte zuletzt eine andere mögliche Quelle ins Spiel: Ihm zufolge wurde Nowitschok in vielen ehemaligen Sowjetstaaten gelagert. Nicht nur in Russland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 14. März 2018 | 15:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2018, 16:34 Uhr