Frau wärmt ihren Bauch mit einer Wärmflasche
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Magen-Darm-Infektion Schnell und heftig: Noroviren lösen Brechdurchfall aus

Betroffene leiden unter Durchfall und müssen sich heftig erbrechen: Jeden Winter kommt es örtlich massenhaft zu Magen-Darm-Infektionen, die von Noroviren ausgelöst werden. MDR Aktuell Recherchen zeigen, dass Mitteldeutschland gerade besonders stark betroffen ist. Woher kommen die Viren und wie kann man sich schützen?

Frau wärmt ihren Bauch mit einer Wärmflasche
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Eine Ansteckung mit Noroviren trifft Menschen meist überraschend schnell und heftig. Eben fühlte man sich noch kerngesund, kurze Zeit später kann man die Toilette kaum noch verlassen, weil man abwechselnd von starkem Durchfall und Erbrechen gequält wird. Sechs Stunden bis maximal drei Tage vergehen zwischen der Infektion und dem Ausbruch des kurzen aber intensiven Magen-Darm-Infekts, den die Erreger hervorrufen. Jetzt im Winter erreichen die Viren wie jedes Jahr ihre größte Verbreitung. Erst am Freitag warnte die Stadtverwaltung München vor einer Ausbruchswelle. Auch im Norden und Osten Deutschlands werden wieder steigende Fallzahlen registriert.

Wie und wo kommt es zur Ansteckung?

Noroviren sind hochinfektiös. Laut Robert-Koch-Institut reichen bereits 10 bis 100 Partikel für eine Ansteckung aus. Betroffene leiden an Bauchschmerzen, bekommen heftigen Durchfall und müssen sich schwallartig übergeben. Dadurch scheiden sie neue Erreger aus. Bleiben kleinste Rückstände der Mikroorganismen an den Händen zurück, verteilen Erkrankte die Keime rasch auf Oberflächen wie Türklinken oder Armaturen. Von dort gelangen die Viren auf die Hände anderer, neuer Wirte. Daher kommt es häufig zu Ausbruchswellen, wo Menschen gemeinsam Toiletten oder Küchen nutzen: In Kindergärten, Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern, aber auch in der Gastronomie. Ähnlich wie bei Erkältungen oder Grippe sind die Wintermonate Oktober bis März der Hauptzeitraum für Noroviren.

Wie verläuft eine Infektion?

Erbrechen und Durchfall werden von grippeartigen Symptomen wie Muskel- und Gliederschmerzen und Fieber begleitet. Erkrankte verlieren rasch Flüssigkeit, was wiederum zu Schwindel und Schwächegefühlen führt. Betroffene sollten daher viel trinken und genügend Salz aufnehmen. Bereits nach ein bis zwei Tagen klingen die Beschwerden meist von selbst wieder ab. Ansteckend bleiben die Infizierten allerdings bis zu zwei weitere Tage, in einzelnen Fällen sogar noch länger, auch wenn alle Symptome bereits verschwunden sind. Wer sich auf dem Weg der Besserung befindet, sollte sich daher noch etwas länger von anderen fern halten.

Wie kann man sich schützen?

Wie bei anderen Vireninfektionen ist gewissenhafte Hygiene der beste Schutz: Man sollte sich nach jedem Toilettengang sorgfältig die Hände waschen und abtrocknen, aber nicht mit Handtüchern, die auch andere benutzen. Oberflächen im Haushalt sollten regelmäßig gereinigt und dafür verwendete Reinigungstücher nach Möglichkeit nur einmal verwendet werden. Wer sich angesteckt hat, sollte vor allem öffentliche Einrichtungen meiden, um die Menschen dort nicht zu gefährden.

Warum gibt es bislang keine Impfung?

Noroviren tragen eine RNA in ihrem Kern. Das bedeutet, die Erbinformation, mit deren Hilfe sich die Erreger in ihren Wirtszellen fortpflanzen, besteht nur aus einem Strang. Anders als bei menschlicher DNA fehlt sozusagen die Sicherheitskopie. Daher kommt es bei der Vermehrung von Noroviren schnell zu Fehlern. Die Folge sind Mutationen, durch die sich die Erreger verändern und gegen bisher wirksame Medikamente resistent werden können. Diese Eigenschaft haben die Noro- mit Influenza (Grippe) und Rhino-Viren (Erkältung) gemeinsam. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und sind gegen Noroviren völlig wirkungslos.

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 10:16 Uhr