Frau auf Hometrainer
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Fit mit Musik Leipziger Wissenschaftler entwickeln "Jymmin" weiter

Forscher vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben ein Trainingskonzept erarbeitet, das Fitness mit Musik kombiniert: Jymmin. Dafür wurden sie mit dem 3. Platz des Sächsischen Gründerpreises 2019 ausgezeichnet.

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Im treibendem Beat auf dem Stepper, nach einem bestimmten Rhythmus Hanteln stemmen, Stretchen zu Elektro-Klängen - das Leipziger "Jymmin"-Projekt kombiniert die positiven Effekte von Musik und Fitness auf den menschlichen Körper. Aber anders als beim klassischen Training läuft nicht die Musik und dazu wird geübt. Hier entsteht die Musik erst durch die Bewegungen.

Porjektleiter Prof. Thomas Fritz war vor rund zehn Jahren darauf gekommen, als er bei den Mafa in Kamerun die Musikwahrnehmung von Menschen untersuchte, die noch nie zuvor westliche Instrumente gehört hatten. Das zurückgezogen lebende Volk erreichte über die Kombination von Musik und körperlicher Verausgabung eine Art Trance - und Fritz überlegte, wie er diese in den westlichen Raum übertragen konnte.

Arbeit wird als nur halb so anstrengend empfunden

So entstand am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, wo der Musikwissenschaftler forscht, das Projekt "Jymmin". Mit speziellen Fitnessgeräten soll das "Gym" (Training) mit dem "Jammin" (freie musikalische Improvisation) verbunden werden. Dabei musizieren die Teilnehmer selbst an den "Jymmin"-Geräten.

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es für Körper und Geist noch besser ist, aktiv Musik zu produzieren als sie nur passiv zu konsumieren. "Die Arbeit, die man dabei verrichtet, wird als nur halb so anstrengend empfunden", berichtet Thomas Fritz. Erste Studien haben die Wirksamkeit bereits belegt.

Futuresax Preisverleihung. 3. Platz Gründerpreis Jymmin GmbH.
Die Gründer von Jymmin bei der Verleihung des Sächsischen Gründerpreises 2019. In der Mitte: Thomas Fritz. Bildrechte: imago images / Sven Ellger

Experimentelles Fitness-Studio im Aufbau

Nicht nur Sporttreibende können von dieser Entdeckung profitieren, auch etwa Alzheimer- und Wachkoma-Patienten reagieren auf einem instinktiven Niveau auf Jymmin - ein Einsatz in Gesundheits- und Reha-Einrichtungen könnte die Zukunft sein. Die wirtschaftliche Anwendung lag so auf der Hand, sodass sich die Leipziger 2019 für die Gründung einer Jymmin GmbH entschieden. Das Startup wurde kurz darauf mit Platz drei bei der Wahl zum Sächsischen Gründerpreis ausgezeichnet. In der Begründung heißt es dazu:

[Jymmin] hat nicht nur für Sportler, sondern auch für die therapeutische Anwendung im Bereich der gesundheitlichen Rehabilitation positive Effekte: durch die Kombination von Bewegung und gleichzeitig selbst erzeugter Musik halbiert sich die Anstrengungserfahrung, die Muskelentspannung ist höher, die Schmerztoleranz steigt und die Stimmung auch.

Claudia Weber, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Sechs Mitarbeiter hat die Firma, die ebenfalls in Leipzig angesiedelt ist, inzwischen. Aktuell wird an einem experimentellen Fitness-Studio in der Messestadt gearbeitet. "Die Vision, die wir haben, ist es Rehabilitation für die Patienten viel schöner, sozialer und effektiver zu machen", sagt Fritz.

cdi

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 12. September 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2019, 13:52 Uhr

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