Ein Mädchen putzt sich die Zähne
Das Fluorid in der Zahnpasta macht Kinderzähne stärker. Bildrechte: IMAGO

Gut fürs Gebiss - schlecht fürs Gehirn Fluorid macht Babys im Mutterleib dümmer

Fluorid stärkt die Zähne. Kinder sollen daher nach dem Zähneputzen den Schaum nicht wegspülen. Allerdings warnt jetzt eine Studie: Während Kindergebisse vom Fluorid profitieren, können Gehirne Ungeborener Schaden nehmen.

von Kristin Kielon

Ein Mädchen putzt sich die Zähne
Das Fluorid in der Zahnpasta macht Kinderzähne stärker. Bildrechte: IMAGO

Die sogenannte ELEMENT-Studie kommt aus Mexiko. Finanziert mit US-Geldern und von der Harvard University initiiert, geht sie seit Jahren der Frage nach, wie Substanzen auf Neugeborene wirken. Dazu wurden 1.000 Schwangere und ihre Kinder nach sechs bis zwölf Jahren untersucht. Dabei wurde auch der Fluoridspiegel gemessen, erklärt der Bochumer Endokrinologe und emeritierte Professor für Innere Medizin Helmut Schatz. Für die Gesellschaft für Endokrinologie hat er die Studie begutachtet.

Wenn die Mütter während der Schwangerschaft höhere Fluoridspiegel haben, entwickelt sich das Gehirn weniger gut. Das heißt, der Intelligenzquotient ist geringer als bei denen, wo der Fluoridspiegel der Mütter niedriger war. Also ist niedriges Fluorid günstig fürs Gehirn, hohes hemmt die Entwicklung.

Prof. Helmut Schatz, Endokrinologe

Die Studie zeigt, dass Kinder, deren Mütter eine hohe Fluoridkonzentration hatten, dann im Schulalter einen auffallend niedrigen IQ hatten – sogar dann, wenn andere Einflussfaktoren herausgerechnet wurden. Insgesamt lagen ganze sechs IQ-Punkte zwischen der höchsten und der niedrigsten Fluorid-Konzentration. Der durchschnittliche IQ liegt bei 100 Punkten, ab 85 gilt man schon als lernbehindert.

Angesichts anderer Studien mit ähnlichen Ergebnissen, hält Schatz das Studienergebnis aus Mexiko für plausibel. "Es gibt auch eine Organisation in Amerika, welche das Fluor auf die Liste der giftigen Substanzen setzt", sagt er. Dennoch sei das Studienergebnis kein Grund zur Panik. Die Konzentration an Fluoriden, die wir in Deutschland normalerweise aufnehmen, ist unbedenklich, erklärt Schatz. Nur Schwangere sollten etwas aufpassen.

Frauen sollten in der Schwangerschaft auf keinen Fall Fluortabletten nehmen. Wenn man sich die Zähne mit fluorhaltiger Zahnpasta putzt, wird die Menge so gering sein, dass bei der Schwangeren wahrscheinlich kaum etwas passieren wird. Es sei denn, sie trinkt Unmengen mit Fluor versetztes Sprudelwasser: Das geht zum Teil auf bis zu vier, fünf Milligramm pro Liter hinauf.

Prof. Helmut Schatz, Endokrinologe

Die entwicklungshemmende Wirkung der Fluoride gelte allerdings nur für Kinder im Mutterleib, ergänzt der Mediziner. "Nach der Geburt ist für die Kinder das Fluorid für den Zahnschmelz wichtig, aber auch nur solange sie Kinder sind. Später, als Erwachsener, braucht man es eigentlich nicht mehr."

Von mit Fluorid angereichertem Trinkwasser oder Salz rät Schatz deshalb generell ab. Stattdessen empfiehlt er jodiertes Salz: Denn Jod braucht unser Körper tatsächlich ein Leben lang.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch: im Radio | 19.10.2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 10:59 Uhr