MLU Was macht eigentlich Familien aus? Uni Halle sucht Antworten – Sie dürfen mitforschen

Die Uni Halle plant ein ganz besonderes Bürgerforschungsprojekt. Dieses Mal geht es nicht um Insekten oder Klimawandel, sondern um Familie. Und Sie können selbst Teil der Forschung werden.

Menschen sitzen bei einer Familienfeier in einem Restaurant an einer langen Tafel.
Alle an einem Tisch: Die Familie, samt Feiern (wie hier in Magdeburg), wird in Halle Gegenstand der Forschung. Bildrechte: IMAGO / Frank Sorge

Was macht eigentlich Familien aus? Welche Rolle spielen dort Werte und Traditionen, politische, kulturelle oder religiöse Anschauungen? Jeder für sich kann darauf (vielleicht) eine persönliche Antwort geben. Aber was bedeutet das für die Gesellschaft? Das möchte ein Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle herausfinden.  

Denn bislang gebe es noch sehr wenige Erkenntnisse darüber, wie diese Prozesse in Familien ablaufen. "Das liegt daran, dass Familie ein sehr intimes Thema und deshalb nur schwer zu erforschen ist", sagt Dr. Hagen Findeis von der Theologischen Fakultät der MLU, der das neue Forschungsprojekt leitet. Dabei stellen doch Familien das zentrale Bindeglied zwischen Gesellschaft, Politik und Kultur auf der Makroebene und dem Individuum dar, so der Theologe, der bereits Erfahrungen mit biografischer Forschung im Kontext der DDR-Kirche hat.

Wie werden beim Essen Werte vermittelt?

Das neue Projekt, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund 440.000 Euro gefördert wird, setzt direkt in den Familien an: In Interviews in Dreigenerationenfamilien sollen Großeltern, Eltern und deren Kinder ab dem Jugendalter jeweils separat Auskunft darüber geben, was sie als Familie ausmacht. Dabei geht es laut der Mitteilung der Uni zum Beispiel auch darum, welche Werte die älteren Generationen gern an die jüngeren weitergeben wollen und wie letztere damit umgehen oder ob und wie die Familien gemeinsame Feste begehen. Viele große Themen oder Wertvorstellungen werden zum Beispiel beim gemeinsamen Essen debattiert und ausgehandelt. "Die Erfahrungen der Eltern genießen bei den Kindern für ihre Orientierung in der Welt einen hohen Stellenwert", so Findeis.

Familie in der Statistik

Die Familie umfasst im Mikro­zensus alle Eltern-Kind-Gemeinschaften, das heißt Ehepaare, nichteheliche (gemischt­geschlechtliche) und gleich­geschlechtliche Lebens­gemeinschaften sowie Allein­erziehende mit Kindern im Haushalt. Einbezogen sind – neben leiblichen Kindern – auch Stief-, Pflege- und Adoptiv­kinder ohne Alters­begrenzung. Damit besteht eine Familie immer aus zwei Generationen: Eltern/-teile und im Haushalt lebende Kinder. Quelle: Statistisches Bundesamt

Forschungswerkzeug Einwegkamera

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten außerdem Einwegkameras, mit denen sie wichtige Momente im Familienleben festhalten sollen. Die Forschenden interessieren sich dafür, welche Momente die Teilnehmenden auswählen. In den Gesprächen werden diese Bilder und die Kommentare dazu deshalb eine große Rolle spielen. Das interdisziplinäre Team erhofft sich grundlegende Erkenntnisse darüber, wie Werte in Familien vermittelt werden und wie sich diese im Laufe der Zeit verändern. "Das Wissen darüber ist für viele Bereiche des öffentlichen Lebens relevant, angefangen bei der Kirche bis hin zur politischen Bildung", sagt Findeis.

Infos zur Teilnahme

Interessierte Familien aus den neuen Bundesländern können sich via E-Mail melden: ost-familien@forschung.uni-halle.de. Glaubenszugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Alle Aufnahmen, Angaben und Interviews werden laut Uni unter strengen Auflagen anonymisiert, sodass eine Vertraulichkeit gewährleistet ist. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Projektes.

gp/mlu

1 Kommentar

Rain Man vor 25 Wochen

Vater, Mutter, Kinder, Haus und Hund - das ist für mich Familie!