50 Jahre Herztransplantation Die Zukunft heißt: Schweineherz

Es ist keine Routine, aber passiert in Deutschland fast täglich: eine Herztransplantation. Am 3. Dezember 1967 war es eine medizinische Sensation. Und einiges von der OP damals ist bis heute gleich geblieben.

1. Herztransplantaion -  Dr Christiaan Barnard
Herzchirurg Christiaan Barnard erklärt am 4.12. 1967 der staunenden Welt, wie die Herzverpflanzung abgelaufen ist. Bildrechte: IMAGO

Der 3. Dezember 1967. In Kapstadt verpflanzt der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard das erste Herz von einem Körper in einen anderen. Ein Jahrhundertereignis. “Es war wie ein Donnerschlag. Plötzlich schien es den Menschen, als gebe es in der Medizin keine Grenzen mehr.“ So beschreibt der Schweizer Herzchirurg René Prêtre den Tag.

Sensation in schwarz-weiß

Hermann Reichenspurner ist 1967 acht Jahre alt. Im heimischen München sieht er im flackernden Schwarz-Weiß-Fernsehen die Nachricht, die um die Welt geht. “Die Tatsache, dass man das Herz eines Menschen in einen anderen Menschen reinsetzen kann, und der dann weiterlebt, das fand ich extrem faszinierend, und das hat mich als Kind sehr beeindruckt.“

So sehr, dass er beschließt, selbst Mediziner zu werden. Heute ist Hermann Reichenspurner Professor und Chef des Herzzentrums an der Uniklinik Hamburg. Rund 400 Herzen hat er transplantiert, über 5.000 Menschen insgesamt am offenen Herzen operiert. Die Sensation von vor 50 Jahren ist heute im besten Sinne Alltag – und trotzdem immer noch eine spannende und aufregende Operation.

Prof. Reichenspurner lächelt in die Kamera.
Bildrechte: IMAGO

Ich hab vor drei Wochen einen elf Monate alten Säugling transplantiert und das ist natürlich nochmal was Besonderes bei so einem kleinen Patienten, aber es ist schon immer noch so, dass man die alte Aufregung noch spürt bei dieser Operation.

Porf. Hermann Reichenspurner

Die Überlebenschancen sind heute ungleich höher als vor 50 Jahren. 90 Prozent der Patienten in Deutschland überleben mindestens ein Jahr. 60 Prozent sind nach zehn Jahren noch am Leben. Trotzdem gibt es Dinge, die heute noch ganz genauso sind, wie vor 50 Jahren bei der ersten Herztransplantation.

Die Skalpelle haben sich überhaupt nicht verändert seit der Zeit. Auch Nadelhalter, Pinzetten und so weiter und so fort, das ist alles das gleiche Instrumentarium wie vor 50 Jahren, es sind viele Dinge, die heute noch genauso verwendet werden.

Porf. Hermann Reichenspurner

Der Mann mit dem ersten transplantierten Herzen, ein 54jähriger Gemüsehändler, gibt nach der OP fröhlich Interviews und lacht von den Titelseiten. Aber knapp drei Wochen später treten Komplikationen auf, hohes Fieber, am 21. Dezember stirbt er. Herzchirurg Christiaan Barnard setzt wenige Woche später den nächsten Meilenstein, erinnert sich Reichespurner.

Der zweite  Patient hat 18 Monate überlebt. Es gab ja dann Fotos von ihm, wie er im Meer baden gegangen ist usw. Und das muss man ganz ehrlich sagen, war zu der Zeit eine echte Sensation.

Porf. Hermann Reichenspurner

Heute ist das Gefährliche nicht mehr die OP, sondern das lange Warten auf ein Spenderherz. 297 Herztransplantationen gab es vergangenes Jahr in Deutschland – bei 725 Patienten auf der Warteliste, 114 davon in Mitteldeutschland. Ein dauerhaft funktionierendes Kunstherz als Ersatz für Spenderorgane sieht Herzchirurg Reichenspurner frühestens in fünf bis zehn Jahren. An einer anderen Lösung wird auch in Mitteldeutschland geforscht.

Eine Arbeitsgruppe in München in Kooperation mit Dresden beschäftigt sich mit der Verwendung von Tieren als Organspendern, also insbesondere dem Schwein. Das ist durchaus denkbar in der Zukunft, es sind verschiedene Hürden bereits überwunden worden, es wird intensiv daran geforscht und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sowas mal möglich ist.

Porf. Hermann Reichenspurner

Transregio 127 heißt dieses Forschungsprojekt, an dem das Paul-Langerhans-Institut am Universitätsklinikum Dresden beteiligt ist. Ob der Mensch mit einem Schweineherzen noch derselbe ist? Immerhin gilt das Herz seit Menschengedenken als Sitz der Gefühle. Christiaan Barnard, der Chirurg der ersten Herztransplantation, hatte auf diese immer wieder gestellte Frage eine sehr pragmatische Antwort: “Das Herz ist doch nur eine Pumpe.“ 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Akzente | 03. Dezember 2017 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2017, 00:01 Uhr