Wissenschaft zur Fußball-WM Elfmeter – was beeinflusst Erfolg oder Misserfolg?

Elfmeterschießen garantieren Nervenkitzel pur. Sind verwandelte Elfmeter Glückssache, Schicksal oder planbare Erfolgserlebenisse? Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln haben mehr als 300 WM- und EM-Elfmeter auf mögliche Treffer-Faktoren untersucht.

21.8.2016/ 1. Runde:Tobias Levels (Ingolstadt) überwindet Torhüter Martin Männel (Aue) zum entscheidenden Elfmeter, der den Ingolstädtern das Weiterkommen sichert.
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Forscherteam der Deutschen Sporthochschule Köln haben in einer Studie mehr als 300 Elfmeterschüsse  aus Weltmeisterschafts- und Europameisterschafts-Spielen zwischen 1982 bis 2012 analysiert. Das Team nahm dabei sechs Faktoren für Erfolg oder Misserfolg beim Elfmeterschießen unter die Lupe: Trikotfarbe rot – Erfahrung - Nationalität - Schussreihenfolge - Schussbein – Schussrichtung. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass drei Faktoren tatsächlich die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Elfmeters beeinflussen können: Nationalität, Schussreihenfolge und Schussrichtung.

Warum die Schussrichtung entscheidend sein kann

Die Treffer-Wahrscheinlichkeit ist den Auswertungen der 300 Elfmeter zufolge nach am größten, wenn der Schütze hohe Torzonen wählt: Dort ist er von den Fähigkeiten des Keepers unabhängig. Aus Sicht des Torwarts: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit zu halten, wenn er häufiger in der Mitte bleibt, und weniger auf die eine oder andere Torecke zu spekulieren.

Warum die Reihenfolge eine Rolle spielt

Über die Bedeutung der Reihenfolge, welche Mannschaft vorlegt,  wird in der Wissenschaft gestritten. Ein Zusammenhang zwischen Erfolg und Misserfolg ist nicht belegt. Belegbar ist aber, dass Elfmeterschützen, die später dran sind, seltener verwandeln als die, die zu Beginn des Elfmeterschießens das Leder kicken.

Verschiedene Nationalitäten = verschiedene Stressresistenz?

Untersucht wurden die Elfmeter von 27 Mannschaften. Am treffsichersten waren nach mathematischer Berechnung Deutschland, Tschechische Republik, Belgien, Paraguay, Südkorea und Türkei, die eine Trefferquote von 100 Prozent erreichten. Allerdings hatten sie alle sehr verschieden häufige, bzw. wenige Gelegenheiten zu Elfmetern – was die Aussagekraft der Berechnung im Gesamtbild verzerrt. Spannender aus Sicht der Forscher bleibt die Frage: Bereiten sich die Nationalteams je nach Land mental verschieden auf ein Elfmeterschießen vor – und welche Rolle spielen dabei die Medien, wenn historische Erfolge oder Misserfolge zu nationalen Tendenzen erklärt werden und so die Spieler verunsichert oder werden. 

Überraschung: Erfahrung macht nicht zwingend Elfmeter

Erfahrung als Erfolgs-oder Misserfolgsfaktor für Elfmeter spielt so lang keine Rolle, bis man Erfahrung auf das Alter des Spielers reduziert. Erweitert man den Begriff um die konkrete Spielerfahrung anhand von Einsätzen bei WM und EM, zeigt sich den Analysen zufolge auch eine entsprechende Tendenz, dass Großturnier-erfahrene Spieler erfolgreicher beim Elfmeterschießen sind. Empfehlung der Forscher: Trainer sollten bei der Schützenauswahl für den Elfmeter die Qualität wie die Elfmeterquote der Schützen berücksichtigen und nicht die Erfahrung.

Ob rechts oder links - für die Torhüter macht das im Ergebnis keinen Unterschied, sie entscheiden sich bei linksfüßigen Gegnern nicht häufiger für die richtige Torecke als bei rechtsfüßigen. Auch auf der Gegenseote, bei den Elfmeterschützen war nicht belegbar, dass rechts- oder linksfüßige Elfmeter häufiger in einen Treffer verwandeln als die jeweils anderen.

Und welche Farbe spielt die Trikot-Farbe rot? Die Forscher gingen anhand vorliegender Studien davon aus, dass die Trikotfarbe rot sowohl den Torschützen als auch Keeper beeinflussen könnten - was aber die Stichprobe der Kölner nicht belegt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. Juni 2018 | 09:50 Uhr