Ein Maßband um einen Männerbauch.
Bildrechte: IMAGO

Fake News in der Wissenschaft? Viel Getöse ums Gekröse

Ist das eine medizinische Sensation? Zwei Wissenschaftler aus Irland wollen im menschlichen Körper ein neues Organ entdeckt haben: Das Gekröse. MDR Wissen Reporterin Karolin Dörner hat nachgefragt.

Ein Maßband um einen Männerbauch.
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Das Gekröse oder auch Mesenterium genannt, ist der Medizin schon lange bekannt: Und zwar als Bänder, die verschiedene Darmabschnitte im Körper befestigen. Neu soll jetzt sein, dass diese Bänder alle zusammengehören und ein Organ bilden: Das behaupten nämlich zwei irische Wissenschaftler, Calvin Coffey und Peter O’Leary, im Fachjournal "The Lancet“. Dort steht:

“Da nun Klarheit über die Struktur des Mesenteriums besteht, sind nun systematische Studien möglich: Zum Beispiel wurden nun eindeutige anatomische und funktionale Eigenschaften entdeckt, die die Zuordnung zu einem Organ rechtfertigen. Dementsprechend soll das Mesenterium ebenso starke wissenschaftliche Aufmerksamkeit bekommen, wie andere Organe.“

Wann ist ein Organ ein Organ?

Ein Organ ist eine funtionelle Einheit verschiedener Zellen in einem Lebewesen. Es entwickelt sich planhaft aus dem selben Stamm an Zellen (Organogenese). Beispiele für menschliche Organe sind Muskeln, Haut, Herz, Leber oder Milz. Verschieden Organe, die miteinander in funktionaler Verbindung stehen, bilden zusammen einen Organismus.

Neu ist daran nur leider nichts, entgegnet Heike Kielstein, Anatomieprofessorin des Uniklinikums Halle:

Seit ich Medizinerin bin ist das ganz klar ein Organ gewesen.

Heike Kielstein, Uniklinikum Halle

Auch die Universität Leipzig lehrt bereits seit dem 17. Jahrhundert, dass es sich beim Gekröse um eine zusammenhängende Struktur handelt. Ingo Bechmann, Leiter der Anatomie: "Dieser angeblich neue Befund, dass wenn man das dreidimensional rekonstruiert ein zusammenhängendes Organ herauskommt, ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte von alleine.“

Zuständig für den Bierbauch

Das Mesenterium entwickelt sich, laut Embryologie, nämlich als eine Platte, die man sich wie ein großes Bettlaken vorstellen kann. Dieses dockt dann an bestimmte Darmabschnitte an und befestigt sie in einer Drehbewegung an die Bauchdecke. Außerdem verlaufen im Mesenterium Gefäße, die den Darm versorgen, mit Blut zum Beispiel. Vor allem bekannt ist das Mesenterium aber für eins: Es beinhaltet Bauchfett. Diese Sorte Fett, die die Bierwampe ausmachen. 

Aufbau und Funktion fassen die beiden irischen Wissenschaftler in ihrem Paper zusammen. In ihrer Übersichtsarbeit zeigen sie auch die Krankheiten auf, die auf man auf das Gekröse zurückführen kann. Daran ist nichts falsch. Es ist aber einfach nicht neu!

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 04.01.2017 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2018, 08:56 Uhr