Studie Geschenke: Schlampige Verpackung, größere Freude

Nach dem Geschenkkauf ist vor dem Stress: Schick soll's aussehen unterm Gabentisch. All den Menschen mit zwei linken bzw. rechten Händen, denen das schicke Einwickeln so gar nicht liegt, sei gesagt: Schief gewickelt ist meistens gar nicht so schlimm.

Viel Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.
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Diese Warteschlange nehmen in der Adventszeit viele gern in Kauf: die Schlange vorm Verpackungsservice im Buch- oder Spielzeugladen. Was erledigt ist, ist erledigt, außerdem sieht's dann garantiert nicht knautschig-knittrig aus, sondern alle Kanten sitzen wie frisch gebügelt, alle Schleifen kringeln sich perfekt: Heilig Abend kann kommen. So denken viele - und liegen damit falsch, wie Verhaltenspsychologen an der Universität Nevada herausgefunden haben: Die Verpackung beeinflusst die Reaktion auf das Geschenk. Perfekte Verpackung legt die Messlatte der Erwartungshaltung hoch, schlampige Verpackung dagegen führt zu einer angenehmen Überraschung, weil die Erwartung niedriger ist.

Wie das Geschenk geschätzt wird, entscheidet die Verpackung

Die Forscherin Jessica Rixom und ihr Kollege Brett Rixom hatten in einem ersten Schritt für ihre Verpackungs-Forschung Studierende für eine angebliche Zusatzübung fürs Studium rekrutiert. Zu Beginn erhielten sie ein Geschenk - vermeintlich als Zeichen der Wertschätzung fürs Mitmachen.

Zwei Hände halten ein Geschenk
Wie wichtig ist die Verpackung und was löst sie aus? Bildrechte: Colourbox.de

Das Geschenk waren Kaffeetassen mit dem Logo von NBA-Basketballteams: zur Hälfte Tassen mit dem Logo des Teams der Miami Heat, die andere Hälfte waren Tassen mit dem Logo der direkten Rivalen Orlando Magic, vergleichbar dem Verhältnis von Borussia Dortmund und Schalke 04. Die Forscher wussten vorher, dass alle Teilnehmer Heat-Fans waren und Magic ausdrücklich nicht unterstützten. So bekam also eine Hälfte der Studienteilnehmer ein Geschenk, das sie mit Sicherheit nicht wollten. Eine Hälfte der Tassen war hübsch verpackt, die andere Hälfte schlampig. Beim Auspacken zeigte sich dann deutlich: Diejenigen, die ein schlampig eingewickeltes Geschenk bekommen hatten, freuten sich mehr über den Inhalt als die, die perfekt verpackte Tassen erhalten hatten - sogar unabhängig vom Verein auf den Tassen. Dieses Erwartungs-Prinzip bestätigte sich auch in einem zweiten Schritt in einem Versuch mit anderen Studierenden, denen ein Bild präsentiert wurde - ein lausig eingewickeltes oder ein schön verpacktes Geschenk. Das darin enthaltene Präsent - Kopfhörer - löste, wenn weniger akkurat eingepackt, mehr Freude aus als bei den perfekt präsentierten.

Vorsicht: Der Beziehungsstatus spielt eine entscheidende Rolle

Wer jetzt aufatmet und sich denkt, na gut, mein Geschenk ist vielleicht nicht hundertprozent das Richtige, aber wenn ich's mittelmäßig einrolle, klappt's doch noch mit der freudigen Überraschung: Vorsicht! Der gesteigerte Überraschungseffekt funktioniert den Forschern zufolge nur unter guten Freunden. Bekannte, fanden Rixom und ihr Kollege in einer dritten Untersuchungsrunde heraus, "lesen" die Verpackung als Anhaltspunkt für die Wertschätzung des Schenkenden: schöne Verpackung - der andere schätzt mich, schnöde Verpackung - dem bin ich wohl wenig wert.

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