Auch wir essen zu ungesund Studie: Jährlich 11 Millionen Tote durch falsche Ernährung

Wenn es um gesunde Ernährung geht, rangiert Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 38 von 195. Vorderes Mittelfeld also, auf dem es noch eine Menge zu tun gibt. Eigentlich liegt auf der Hand, was uns gut tut und was uns schadet. Aber die Gewohnheit und die Verlockung machen so manchen guten Vorsatz zunichte. Vielleicht hilft ja die Botschaft, dass manche Ernährungsünden tödlich enden können.

Supermarktregal mit verschiedenen Produkten 3 min
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Hauptprobleme sind zu viel Fast Food und Fertggerichte.

MDR AKTUELL Do 04.04.2019 16:52Uhr 02:58 min

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Schon in der Grundschule lernen wir, welche Nahrungsmittel zu einer gesunden Ernährung gehören und welche nicht. Doch spätestens an der verlockenden Auslage der Kuchentheke ist all das vergessen. Eine internationale Langzeitstudie legt jetzt offen, wie viele Todesfälle pro Jahr auf anhaltende Ernährungsünden zurückzuführen sind. Dafür haben 200 Forscher Ernährungsstile unter die Lupe genommen, die zu nicht-übertragbaren Erkrankungen wie Herzkreislauf-Krankheiten, Krebs oder Diabetes Typ 2 führen können.

Nicht berücksichtigt wurden Todesfälle, die durch Mangelernährung, Hunger oder Alkoholmissbrauch verursacht wurden. Und auch weitere Lebensumstände, wie etwa Gesundheitsversorgung oder Umwelt, sind durch die Studie nicht erfasst worden.

Weltweit jeder 5. Todesfall auf ungesunde Ernährung zurückzuführen

Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf Platz 38 von 195 untersuchten Ländern, so die Untersuchung, die im Fachblatt "The Lancet" erschienen ist. Im Jahr 2017 sind 134.460 Menschen wegen ungesunder Ernährung gestorben. Vorbildlich sind Israel, Frankreich und Spanien, sie schafften es auf die Plätze 1 bis 3. Ganz hinten rangieren die Marshallinseln, Afghanistan und Usbekistan.

Vollkornprodukte unterschätzt

Dr. Toni Meier, Leiter des Instituts für Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle hat an der internationalen Langzeitstudie mitgearbeitet. Für ihn liegt auf der Hand, wovon wir zu viel und wovon wir zu wenig verzehren:

Hier in Deutschland stehen zu viel Zucker, Weißmehl und rotes Fleisch auf dem Speiseplan. Hinzu kommt zu viel Salz, vor allem in Fertigprodukten, vor allem im Fast Food. Dafür essen wir zu wenig Nüsse und Samen, Obst, Gemüse, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Letzteres ist in Deutschland das größte Ernährungsdefizit.

Mogelpackungen täuschen Gesundes vor

Der Begriff "Vollkorn" ist übrigens geschützt und darf nur verwendet werden, wenn wirklich das ganze Korn verarbeitet wurde. Dazu gehören Keimling und Schale, beides enthält wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Lebensmittel mit der Bezeichnung "Dreikornbrot" zum Beispiel sind keine Garantie für gesunden Inhalt. Oft werden Backwaren auch mit Zuckerrübensirup dunkel gefärbt, damit sie nach Vollkorn aussehen.

Eine Messerspitze Wurst pro Tag

Die Studie legt offen, was wir in Sachen Ernährung falsch machen. Aber sie gibt auch eine Empfehlung, wieviel wir von welchen Lebensmitteln verzehren sollten.

Von verarbeitetem Fleisch, also Wurst nicht mehr als 2 Gramm pro Tag. Die kann man fast schon auf eine Fingerkuppe legen. Die Limos, also die zuckersüßen Getränke: auch nicht mehr als drei Gramm am Tag. Kann man sich dann auch mit einer Pipette einverleiben.

Dr. Toni Meier, Uni Halle

Natürlich handelt es sich hier um Durchschnittswerte. Wer also den einen oder anderen Veggie-Tag schafft, darf dann durchaus eine ganze Scheibe Wurst genießen. Wer es aber ernst meint mit gesunder Ernährung, sollte auf süße Softdrinks verzichten und bei Getreideprodukten den Vollkornvarianten den Vorzug geben.

Fünf mal Obst und Gemüse am Tag

Diese Formel ist nicht neu, aber immer noch aktuell. Zwei Portionen Obst, drei Portionen Gemüse. Als Faustregel gilt: Eine Hand voll ist gleich eine Portion. Das empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Bewusst kochen und genießen

Fertige Gerichte aus dem Supermarkt oder dem Schnellrestaurant sind eine große Versuchung. Schnell und preiswert scheinen sie oft die Rettung nach einem langen Arbeitstag. Aber bewusst zu kochen ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 04. April 2019 | 19:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 16:55 Uhr