Entwicklung der TU Dresden Gitarrenklang ohne tropische Hölzer

Seit über zwei Jahren haben Instrumentenbauer ein Problem: Sie dürfen nur noch unter strengen Vorschriften Tropenhölzer verwenden. Die meisten Instrumente, vor allem die Gitarre, sind aber zum Großteil aus solchen Hölzern gefertigt. Ingenieure der TU Dresden haben es geschafft, heimische Hölzer so zu verändern, dass sie Tropenhölzer ersetzen können.

Wie schafft man es, dass eine Gitarre auf der Bühne den perfekten Klang hat? Tropenholz war bisher die Antwort. Das ist jetzt nicht einfach ein Spleen der Instrumentenbauer: Tropenhölzer haben tatsächlich akustische Eigenschaften, die heimische Hölzer nicht haben, erklärt Mario Zauer, Holztechniker an der TU Dresden:

Die Tropenhölzer beinhalten weniger Poren. Das sind so Störstellen für die Schallweiterleitung.

Dr. Mario Zauer, TU Dresden

Und deswegen, so Zauer weiter, haben sie auch "eine geringere Schalldämpfung im Vergleich zu unseren einheimischen Holzarten. Und die heimischen Holzarten, die nehmen besser Wasser oder Wasserdampf aus der Atmosphäre auf, was dann zu einer erhöhten Schalldämpfung führt."

Wissenschaftler Zauer mit Holz in den Händen vor einer Kammer, in der er das Holz testet
In dieser Klimakammer testet Mario Zauer das Holz für die Gitarren (schwarz Ebenholz, hell thermisch modifizierte Eiche) auf Feuchtigkeit, Quellen und Schwinden. Bildrechte: Dietrich/Technische Universität Dresden

Holz im Backofen: thermische Modifikation

Damit jetzt aber auch die heimischen Hölzer so klingen können, haben die Ingenieure der TU Dresden in die Trickkiste gegriffen: Sie haben die Hölzer altern lassen. Dann verändern sich die Eigenschaften Das braucht aber seine Zeit. Zwischen fünf und zehn Jahren, manchmal sogar Jahrzehnte musste das Holz lagern. Das wird bereits mit heimischen Hölzern gemacht, wie Fichte und Ahorn. Die Dresdner haben diesen Prozess aber deutlich beschleunigt:

Diese Technologie beinhaltet im einfachsten Sinn eine Wärmebehandlung. Wir nennen das thermische Modifikation. Da wird das Holz vereinfacht gesagt gebacken.

Dr. Mario Zauer

Ohne Tropenholz Gitarren aus Dresden im Zupftest

Eine Gitarre ist zum Testen an eine Wand montiert
Der Anzupftest der Gitarre untersucht wie lange es dauert, bis ein Ton hörbar ist und wie lange der Ton hörbar bleibt. Bildrechte: Krüger/TUD
Eine Gitarre ist zum Testen an eine Wand montiert
Der Anzupftest der Gitarre untersucht wie lange es dauert, bis ein Ton hörbar ist und wie lange der Ton hörbar bleibt. Bildrechte: Krüger/TUD
Ein Stahlfinger zupft an einer Gitarrensaite
Der Anzupftest der Gitarre untersucht wie lange es dauert, bis ein Ton hörbar ist und wie lange der Ton hörbar bleibt. Bildrechte: Krüger/TUD
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Wenn das gebackene Holz dann zu einer Gitarre wird, klingt sie, als wäre sie aus Palisander. Für Laien wäre der Unterschied kaum hörbar. Aber bei Profis ist das Interesse groß: Die Gitarrenmanufaktur Hanika hat mit dem Verfahren der Dresdner eine ganze Serie tropenholzfreier Gitarren auf den Markt gebracht. Dafür wurde die Manufaktur am 9. Mai 2019 auf dem Innovationstag Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Berlin als „ZIM-Handwerksprojekt des Jahres“ ausgezeichnet.

Auch der Leipziger Profi-Gitarrist Richard Holzmann ist gerade auf Tour mit einer Gitarre aus deutscher Eibe.

Die ist super. Die beste Gitarre, die ich jemals bisher hatte, deswegen kann ich das nur sehr unterstützen Alternativhölzer im Gitarrenbau einzusetzen.

Richard Holzmann, Gitarrist

Und wer jetzt denkt: Klang - alles schön und gut, aber wie sieht das denn aus? Ein Hals ohne Zeder, ein Griffbrett ohne Ebenholz, ein Boden ohne Palisander. Mario Zauer versichert: Der Holzbackofen bekommt das hin: Auch optisch können die heimischen Hölzer mithalten.

Eine Akustik-Gitarre auf schwarzem Untergrund.
Ahorn, Fichte, Kirsche, Pflaume - aus heimischen Hölzern baut Hanika auch Meisterklasse-Gitarren. Bildrechte: Hanika

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 10. Mai 2019 | 18:20 Uhr