Eine Hand greift in einem Naturkostladen nach einem glutenfreien Brot
Glutenfreie Lebensmittel sind im Trend, auch bei Menschen, die nicht an einer Glutenunverträglichkeit leiden. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Vollkorn fehlt Glutenfreie Ernährung kann das Herz schädigen

Glutenfreie Ernährung liegt im Trend, auch bei Menschen, die den Klebstoff in Körnern wie Weizen oder Roggen eigentlich gut verdauen können. Forscher aus den USA zeigen nun: Der freiwillige Verzicht auf Gluten hat negative Folgen.

Eine Hand greift in einem Naturkostladen nach einem glutenfreien Brot
Glutenfreie Lebensmittel sind im Trend, auch bei Menschen, die nicht an einer Glutenunverträglichkeit leiden. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Eine Glutenunverträglichkeit ist kein Spaß. Wer etwa an der Zöliakie leidet, kämpft oft sein Leben lang gegen eine chronische Entzündung seines Darms. Bislang lassen sich die Auswirkungen der teilweise erblichen Krankheit ausschließlich mit einem radikalen Verzicht auf Gluten lindern. Gluten, das ist das sogenannte Klebstoffeiweiß in Körnern wie Weizen, Roggen oder Gerste. Wer es nicht verträgt, kann nur ganz spezielle Brotsorten essen, muss auf viele Frühstückszerealien verzichten und darf auch Teigwaren von Crèpe bis zu Nudeln und sogar Bier nur dann zu sich nehmen, wenn sie ohne Gluten hergestellt wurden.

In den USA verzichten allerdings auch mehr und mehr gesunde Menschen auf Gluten. Bei einer Umfrage im Jahr 2013 gab ein gutes Drittel der Befragten an, sie wollten den Weizenkleber teilweise oder gänzlich vermeiden. Auch in Deutschland greift nach einer Umfrage von 2015 fast jeder Zehnte zu glutenfreien Produkten. Glutenfrei ist hip - viele nehmen auch an, Gluten sei ungesund, führe zu Gewichtzunahme oder schädige das Herz. Tatsächlich aber ist wohl das Gegenteil richtig: Der freiwillige Verzicht auf Gluten könnte eher verstärkt zu Herzerkrankungen führen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von Forschern um Andrew Chan von der Harvard Medical School und Benjamin Lebwohl von der Columbia Universität in New York.

Langzeitstudie mit 172.000 Menschen

Die Wissenschaftler werteten Daten aus einer Langzeitstudie zum Thema Ernährung aus. In dieser Untersuchung wurden von 1986 bis 2010 rund 172.000 Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger alle vier Jahre befragt, insgesamt also sieben Mal. Insgesamt 121.000 Frauen und 51.500 Männer gaben umfangreich Auskunft über ihren Speiseplan. Bei der neuen Auswertung sortierten die Forscher Teilnehmer mit diagnostizierten Erkrankungen wie Glutenunverträglichkeit oder Diabetes aus den Daten aus. Dann rechneten sie anhand der angegebenen Lebensmittel die jeweilige Menge des konsumierten Glutens aus und verglichen die Daten mit der Zahl der aufgetretenen Herzerkrankungen bei den Befragten.

Im Ergebnis stellten die Forscher fest: Hochgerechnet auf 100.000 Personen bekamen in der Gruppe derjenigen, die am meisten Gluten zu sich nahmen, 277 Menschen eine Erkrankung der Herzgefäße. Bei denen mit dem geringsten Glutenkonsum waren es dagegen 352. Dabei spielte vor allem der Anteil der Vollkornlebensmittel eine entscheidende Rolle. "Eine diätbedingte Reduktion von Gluten kann zu einem geringeren Konsum von Vollkornlebensmitteln führen, die das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen reduzieren“, schreiben die Forscher. Mit anderen Worten: Wer ohne Grund auf Gluten verzichtet und deshalb weniger Vollkorn ist, kann seinem Herz schaden.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen: MDR um 4 | 26.01.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 11:53 Uhr