Viruserkrankungen Grippewelle und neue Viren: Was kommt auf uns zu?

Manchmal beginnt sie um die Weihnachtstage, manchmal rollt sie erst Mitte Januar auf uns zu: die Grippewelle. Immer noch nehmen viele die Krankheit nicht ernst und setzen sie mit einer simplen Erkältung gleich. Doch die echte Virus-Grippe, die Influenza, ist lebensgefährlich.

Vogelgrippe-Virus
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Grippeviren sind nicht nur in der Wintersaison unterwegs. Gewöhnlich sind sie zwischen Oktober und Mai in Umlauf. Zu „Grippewellen“, also zu stark erhöhten Infektionszahlen, kommt es meist ab Dezember oder Januar. Nach spätestens drei oder vier Monaten klingen solche Wellen ab. Wie viele Menschen tatsächlich an Grippe erkranken, lässt sich schwer sagen. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass sich während einer Grippewelle in Deutschland zwischen 4 und 16 Millionen Menschen mit den Erregern infizieren. Nicht bei jedem jedoch bricht die Krankheit aus. Auch die Zahl der Grippe-Todesfälle lässt sich nur schwer ermitteln. Für die besonders schwere Grippe-Saison 2017/2018 gehen die Experten von etwa 25.000 Toten aus - in den Jahren davor lagen die Zahlen deutlich darunter. Aktuellere Daten liegen noch nicht vor.

Das Grippevirus – ein Verwandlungskünstler

Das größte Problem, wenn wir mit Grippeviren zu tun haben - die Erreger können in vielerlei Gestalt auftreten. Wissenschaftler sprechen von unterschiedlichen Stämmen, Typen und Subtypen. Welche genau davon bei einer Grippewelle in Umlauf sind, ist von Jahr zu Jahr anders und lässt sich nicht mit letzter Gewissheit vorhersagen. „Das gleicht mitunter dem Blick in eine Glaskugel“, sagt unsere Expertin im Studio, die Fachärztin für Mikrobiologie Roswitha Tauchnitz von den Sana Kliniken Leipziger Land in Borna.

Für Grippe-Erkrankungen verantwortlich sind vor allem Influenza-Viren vom Typ A, seltener vom Typ B. Besonders tückisch - Grippeviren können sich verändern und entziehen sich damit den Erkennungsmechanismen unseres Immunsystems.

Wie verläuft eine Grippe-Erkrankung?

Eine Frau kontrolliert ihre Temperatur mit einem Fieberthermometer
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Typisch für eine echte Grippe ist das plötzlich einsetzende heftige Krankheitsgefühl.  Während sich eine „normale“ Erkältung gewissermaßen anschleicht, setzt die Influenza den Betroffenen oft auf einen Schlag außer Gefecht. „Sie fühlen sich wie aus einer Wassertonne gezogen. Sie sind nicht leistungsfähig. Am liebsten bleiben Sie im Bett liegen.“ So beschreibt Prof. Uwe Gerd Liebert, Virologe vom Universitätsklinikum Leipzig, den Beginn der Erkrankung. Die Symptome setzen schon sehr rasch nach der Infektion mit dem Erreger ein, nämlich ungefähr einen Tag danach. Dann beginnen Frösteln, Fieber, Husten, Nasenlaufen, Übelkeit und mitunter Kopf- und Gelenkschmerzen.

Besonders gefährlich - bei Patienten, die schwer an Influenza erkrankt sind, kann es zu sekundären bakteriellen Infektionen kommen - viele Betroffene sterben dann zum Beispiel an Lungenentzündung.

Ursächlich behandeln lässt sich eine Influenza-Erkrankung nicht. Die zur Verfügung stehenden Medikamente können in der Regel nur die Vermehrung der Erreger im Körper hemmen und den Verlauf der Erkrankung damit mildern. Sie senken auch das Risiko einer bakteriellen Sekundärinfektion.

Wie wirksam ist die Schutzimpfung, und wer sollte sich impfen lassen?

Grippeimpfung
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In den letzten Jahren wurde häufig ein so genannter trivalenter Impfstoff eingesetzt. Er sollte gegen jene drei Virusstämme wirken, deren Auftreten in der jeweiligen Saison am wahrscheinlichsten erschien. Doch diese Prognose trifft nicht immer zu. In der Saison 2018/2019 verursachte ein weiterer, vierter Virusstamm einen Großteil der Erkrankungen. Eine Vierfach-Impfung, die auch vor diesem Stamm geschützt hätte, wurde allerdings nicht von allen Kassen bezahlt, weil die Ständige Impfkommission dies nicht ausdrücklich empfohlen hatte. Das ist in der aktuellen Saison anders - jeder, der sich impfen lassen möchte, bekommt problemlos den so genannten tetravalenten Impfstoff.

Empfohlen wird die Impfung vor allem Menschen über 60 sowie Menschen mit Vorerkrankungen oder chronisch Kranken. Das ist jedenfalls die Position der Ständigen Impfkommission (STIKO). Außerdem rät sie all jenen zur Impfung, die beruflich viel Kontakt mit anderen Menschen haben, also etwa medizinischem Personal oder Busfahrern. Außerdem sollten sich Schwangere ab der 14. Schwangerschaftswoche impfen lassen, wenn sie während der Grippesaison schwanger sind.

Während die STIKO also vor allem Risikogruppen die Impfung empfiehlt, vertritt die Sächsische Impfkommission eine andere Haltung. Sie rät allen Menschen ab vollendetem 6. Lebensmonat, sich gegen Influenza impfen zu lassen.

Der beste Zeitraum für eine Schutzimpfung sind die Monate Oktober und November, also rechtzeitig vor der jährlichen Grippewelle. Etwa 14 Tage sind nötig, bis sich der Impfschutz vollständig aufbaut. Später nimmt die Wirkung auch wieder ab. Einer der Gründe, warum die Impfung jedes Jahr erneuert werden muss.

Jetzt noch Impfen?

Auch während der Erkrankungssaison hat eine Impfung noch Sinn. Schließlich ist nicht vorherzusehen, wie lange die Grippewelle dauert. Mitunter kommt es nach der ersten Welle später im Jahr auch noch zu einer zweiten - für diese hätte man dann einen guten Impfschutz.

Andere Erreger: Sars, Mers und die Familie der Coronaviren

Nicht nur das Grippevirus kann gefährliche Atemwegsinfektionen auslösen. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Erkrankungen durch verschiedene so genannte Coronaviren. Das ist eine Familie von besonders wandelbaren und anpassungsfähigen Viren, die vor allem Nagetiere, Vögel und Säugetiere befallen. Einige machen aber auch dem Menschen zu schaffen. Nicht immer verlaufen Erkrankungen durch Coronaviren schwer - oft lösen diese Erreger ganz normale Erkältungen, mitunter auch Durchfälle aus.

Doch das Corona-Virus, das 2002 auf den Plan trat, hatte eine andere Qualität. Der Erreger forderte damals zwischen 800 und 1000 Todesopfer. Nur knapp entging die Welt einer noch größeren Katastrophe. Der Name dieses Erregers: SARS. Der Begriff ist eine Abkürzung und steht für Severe Acute Respiratory Syndrome, übersetzt: Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom. Wer sich mit SARS infizierte, litt zunächst unter Fieber, bekam dann Kopf- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Schwindel. In den schwereren Stadien kam es zu einer so genannten atypischen Lungenentzündung mit Husten und Atemnot. Wahrscheinlich sprang der Erreger von Tieren auf den Menschen über. Glücklicherweise gelang es 2004, die Pandemie, also die Verbreitung über die gesamte Welt, zu stoppen. Eine wichtige Rolle bei der Entschlüsselung des Viren-Erbguts und bei der Entwicklung eines Test-Kits spielten deutsche Wissenschaftler vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut.

Das nächste unangenehme Mitglied der Coronaviren-Familie fiel im Juni 2012 auf. Weil die Infektionen mit diesem Virus vor allem im Mittleren Osten auftraten, nannten ihn die Wissenschaftler MERS-CoV. Das steht für Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus. Der Erreger vermochte nicht ganz so viel Schaden anzurichten wie SARS. Dennoch wurden 500 Menschen aus 17 Ländern infiziert, 145 starben. Auch dieses Virus sprang womöglich von Tieren auf den Menschen über, im Verdacht stehen Fledermäuse.

Nun verbreitet sich erneut ein Coronavirus. Ende Dezember infizierten sich die ersten Menschen in der Stadt Wuhan in Zentralchina. Sie hatten offenbar einen Markt besucht, auf dem neben Fischen auch frisch geschlachtete Wildtiere verkauft wurden. Daher liegt die Vermutung nahe, dass der Erreger wiederum von einem Tier auf den Menschen übersprang. Inzwischen ist klar, dass das neue Virus große Ähnlichkeit mit dem SARS-Erreger von 2002 aufweist.

Was löst Erkältungen aus?

Glücklicherweise werden die meisten von uns auch in diesem Winter nicht mit solchen gefährlichen Viren in Berührung kommen. Wohl aber mit ihren lästigen Verwandten. Die klassische Erkältung, bei der uns Husten, Schnupfen und Fieber plagen, kann von ganz verschiedenen Erregern ausgelöst werden, meist Viren. Über 200 Viren kommen als Verursacher in Frage. Ganz vorn dabei: das Rhinovirus, weiterhin Entero- und Mastadenoviren sowie die schon genannten Corona-Viren. Bakterien spielen als ursächliche Erkältungserreger eher eine geringere Rolle, mitunter kommt es aber zu einer zusätzlichen, also einer Sekundärinfektion durch Bakterien.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 23. Januar 2020 | 21:00 Uhr

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