Sydney-Trichternetzspinne
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Schlaganfall Spinnengift könnte Hirnschäden verhindern

Wissenschaftler sind durch Zufall auf einen Wirkstoff gestoßen, der Hirnschäden nach einem Schlaganfall weitgehend verhindern könnte. Sie entdeckten das vielversprechende Molekül im Gift einer der tödlichsten Spinnen der Welt.

Sydney-Trichternetzspinne
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Ein Biss der Sydney-Trichternetzspinne kann einen Menschen innerhalb von 15 Minuten töten. Deswegen arbeiten weltweit Wissenschaftler daran, dieses Gift zu analysieren. Forschern der Universität Queensland /Australien ist dabei aufgefallen, dass ein Molekül namens Hi1a einem künstlichen Wirkstoff ähnelt, der gerade in der Schlaganfallforschung erprobt wird. Sie haben sich entschlossen, die Wirkung des Hi1a zu testen und festgestellt, dass es weit effektiver vor Nervenschäden schützt als der künstliche Wirkstoff.

Das Gehirn braucht Energie

CT-Bild eines menschlichen Kopfes
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Der Schlaganfall ist nach dem Herzinfarkt die zweithäufigste Todesursache weltweit. Zugrunde liegt dem Schlaganfall eine Durchblutungsstörung des Gehirns - entweder ausgelöst durch eine Verstopfung oder durch den Riss einer Ader. Die Folge: die betroffenen Hirnregionen werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Die Nervenzellen reagieren darauf und versuchen Energie ohne Sauersoff zu produzieren, mittels der anaeroben Glykolyse. Das funktioniert zwar eine Zeit lang, hat aber den Nebeneffekt, dass Säure als Abfallprodukt entsteht. Diese Säure kann die Nervenzellen unwiederbringlich abtöten, was zu den bekannten Lähmungen und oftmals auch zum Tod des Betroffenen führt.

Hi1a könnte ein Quantensprung in der Behandlung von Schlaganfällen sein

Das Molekül Hi1a aus dem Gift der australischen Trichterspinne verhindert, dass die Säure über entsprechende Ionenkanäle in die Nervenzellen gelangt und diese absterben. In einer Reihe von Tierversuchen konnte das Team um Glenn King von der Universität Queensland zeigen, dass durch die Verabreichung von Hi1a zwei Stunden nach dem Schlaganfall rund 80 Prozent des Nervenschadens verhindert werden können. Hi1a war sogar acht Stunden nach dem Schlaganfall noch so wirksam, dass rund 65 Prozent der Nerven erhalten blieben.

Heute bekommen Schlaganfall-Patienten, die eine Verstopfung der Blutgefäße hatten, ein Thrombolyse-Therapie. Die Ärzte versuchen möglichst schnell nach dem Ereignis das Blut extrem zu verdünnen und die Verstopfung aufzulösen. Diese Therapie kann aber nicht bei einem sogenannten "Roten Schlaganfall“ durchführt werden, bei dem ein geplatztes Blutgefäß der Grund für den Infarkt ist. Die Thrombolyse würde die Blutung verschlimmern und den Schaden erweitern. Deswegen muss im Krankenhaus stets mit einer Computertomographie abgeklärt werden, um welche Art von Schlaganfall es sich handelt. In dieser Zeit sterben oftmals Millionen von Nervenzellen.

Wenn sich die Wirkung beim Menschen bestätigen sollte, könnte Hi1a aber theoretisch bereits im Krankenwagen angewendet werden. So würde künftig viel Zeit bis zur Behandlung des Patienten gespart und ein großer Teil der Hirnschäden vermieden werden.

Die Forscher hoffen, dass schon in den nächsten zwei Jahren erste Testreihen an Menschen durchgeführt werden können.   

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 22.03.2017 | 17:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 14:50 Uhr