Zwei Mäuse in einem Kasten
Bildrechte: Bettina Wernisch/Vetmeduni Vienna

Studie mit Mäusen Partnerwahl und Fortpflanzung: Erfahrung nutzt nichts

Hilft Erfahrung bei der Fortpflanzung? Nach der Evolutionslehre sollte es so sein. Wiener Verhaltensforscher haben es mit Mäusen getestet. Ergebnis: 1. Sie hilft nicht. Und 2. Wer zuerst dran ist, ist nicht der Gewinner.

Zwei Mäuse in einem Kasten
Bildrechte: Bettina Wernisch/Vetmeduni Vienna

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Ein Sommerabend. Eine Bar. Musik. Auf der einen Seite eine Frau. Auf der anderen zwei Männer. Einer reif, erfahren, männlich. Der andere noch jungfräulich, vielleicht sogar schüchtern. Wer wird bei ihr landen? Macht die Erfahrung einen Unterschied? Nein, sagen Verhaltensforscher aus Wien. Jedenfalls nicht, wenn man von Mäusen auf Menschen schließt, was in der Wissenschaft durchaus der Fall ist. Aber der Reihe nach.

Es geht um Verhaltensforschung – und Sex

Was wissen Sie über Sex? Genau. Sex ist evolutionär von Vorteil. Und was noch? Lernen aus Erfahrungen hilft, zu überleben. Oder mit anderen Worten: Wer Erfahrung hat, sollte bei der Fortpflanzung die Nase vorn haben.

Aber ist das wirklich so? Verhaltensforscher der Vetmeduni Vienna wollten es genau wissen und stellten sich die Frage: Ist sexuelle Erfahrung bei der Partnerwahl von Vorteil?

Wie testet man Partnerwahl?

Testobjekt der ForscherInnen um Studienleiterin Kerstin E. Thonhauser vom Institut für Labortierkunde der Vetmeduni waren Hausmäuse. Der Testaufbau sah so aus: Ein Weibchen bekam zwei Männchen zur Auswahl. Diese waren entweder beide sexuell erfahren, beide sexuell unerfahren oder jeweils ein Männchen sexuell erfahren und unerfahren. Welche Entscheidung würde das Weibchen treffen? Um das herauszufinden, wurden die Tiere beobachtet aber auch Vaterschaftsanalysen gemacht.

Das Ergebnis: Erfahrung ist kein Vorteil

Die ForscherInnen fanden keine Hinweise darauf, dass sexuelle Erfahrung den männlichen Paarungs- oder Fortpflanzungserfolg erhöhte. "Sexuell erfahrene Männchen paarten sich genauso häufig und zeugten nicht mehr Nachkommen als ihre jungfräulichen Konkurrenten. Außerdem verpaarten sich alle Weibchen immer mit beiden Männchen, unabhängig von deren sexuellen Erfahrungsstatus", so Thonhauser. Erfahrung ist also kein Vorteil – aber auch kein Nachteil.

Allerdings waren die Mäusemännchen, die zuerst dran waren, nicht die Sieger im Nachwuchsrennen. Denn die Männchen, so der Bericht der ForscherInnen, die zuerst kopulierten, zeugten weniger Nachkommen.

Und jetzt sind es wieder die Gene

Was schlussfolgern Thonhauser und ihr Team daraus, dass die Erfahrung kein Vorteil ist? Dass bei Säugetieren selbst hochkomplexe Verhaltensweisen stärker genetisch bedingt sind als bislang angenommen.

Die Ergebnisse der Forschung sind unter dem Titel "Sexual experience has no effect on male mating or reproductive success in house mice" in Scientific Reports veröffentlicht.

MDR THÜRINGEN - Das Radio | 31. Mai 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 17:11 Uhr