Cosmic Kiss Die Himmelsscheibe fliegt ins All und Halle freut sich

Mit dem ESA-Astronauten Matthias Maurer fliegt eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra zur Internationalen Raumstation ISS. MDR WISSEN hat mit den Leitern des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, Harald Meller, und des Planetariums in Halle, Dirk Schlesier, gesprochen. Beide freuen sich darüber – doch ihre Idee war diese Aktion nicht.

Eine Collage der Himmelsscheibe von Nebra neben der Erde im Weltraum.
Eine Collage der Himmelsscheibe von Nebra neben der Erde im Weltraum. Bildrechte: MDR, ESA, NASA, LDA

Am 03. November soll die Himmelsscheibe von Nebra ins Weltall fliegen. Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer hat sie im Gepäck. "Nicht die Echte natürlich, die ist ja unendlich wertvoll", so der Raumfahrer. Eine verkleinerte Kopie von 20 Zentimeter Durchmesser, die aus handkoloriertem Epoxidharz mit Glasfaserverstärkung bestehe, heißt es beim Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale), wo die Original-Himmelsscheibe ausgestellt ist. Vorerst noch bis Februar 2022, dann geht sie auf Reisen – aber nur in Europa und nicht ins All wie ihre Kopie.

Schatzsucher und Archäologe Harald Meller
Harald Meller hatte damals die Himmelsscheibe von Nebra zurück nach Halle geholt. Jetzt freut er sich über ihre weite Reise, die eine Kopie der Scheibe antritt. Bildrechte: MDR / Karsten Möbius

Der Museumsleiter Harald Meller hatte sie im Februar 2002 aus den Fängen von Raubgräbern gerettet. Alles undercover in einem Hotel in der Schweiz. Meller ist begeistert, dass die Himmelsscheibe nun ins All fliegt: "Ich finde das eine fantastische Entscheidung von Herrn Mauerer, dass er seine wenigen Gewichtsprozente, die er mitnehmen darf, dafür nutzt, die Himmelsscheibe mitzunehmen und dem Himmel zurückzubringen."

Und da es sich ja nur um ein Replikat handele, könne der Museumsdirektor es auch verschmerzen. Und offenbar war es Maurers Idee, erzählt Meller, "denn die ESA hat uns angerufen und wir waren ganz überrascht. Haben aber sofort hocherfreut zugestimmt. Als einzige astronomische Darstellung der Antike, die wir in nüchterner Form kennen, da ist es doch ganz richtig, wenn eine Kopie wieder ins All kommt."

Vom Blick in die Sterne zu den Sternen

Die Himmelsscheibe zeigt laut dem Leiter des Planetariums in Halle, Dirk Schlesier, dass "wir hier in einer Region leben, wo Astronomie eine große Rolle spielt." Und über die Entscheidung des Astronauten freue er sich sehr: "Die Himmelsscheibe macht uns klar, dass der Kosmos eine ganz wichtige Sache für uns damals war und ist und nicht ohne Grund hat Matthias Maurer eben diese Symbolik mitgenommen in seinem Logo."

Für den Astronomen verbindet die Scheibe "ganz gut die Vergangenheit mit der Zukunft – früher haben wir uns an den Sternen orientiert, heute fliegen wir zu den Sternen". Und mit Maurers Aktion dürften die Menschen nicht nur zur ISS und den Sternen schauen, sondern vielleicht auch nach Mitteldeutschland.

Die Himmelsscheibe soll irgendwann zum Mond

Maurer selbst habe die Himmelsscheibe zwar noch nicht gesehen, möchte die aber nach seiner Rückkehr unbedingt in Mitteldeutschland besuchen. Für ihn und die Himmelsscheibe soll die ISS nur ein Zwischenstopp sein. Denn Maurer könnte der erste deutsche Raumfahrer werden, der Ende der 2020er-Jahre mit der Artemis-Mission auf dem Mond landet. Und dann möchte der 51-jährige ESA-Astronaut "auch eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra mit auf den Mond zu nehmen."

Ein Wunsch von Meller wird vermutlich nicht in Erfüllung gehen: "Ich würde mir wünschen, dass der Schöpfer der Himmelsscheibe davon wüsste, dass sie dort oben ist."


(PK, AF, IZ)