Hitze Schweiß stinkt - weil wir es so gelernt haben

Stinkt Schweiß wirklich? Möglicherweise eine Frage der Betrachtung, und ganz klar eine Frage der Erziehung! Das jedenfalls sagt ein Geruchsforscher aus Bochum. Können wir uns den Schweißgeruch nachträglich schönreden?

Junge Frau ekelt sich vor ihrem Achselgeruch
Bildrechte: imago/Steinach

Zum Sommer gehört der Schweißgeruch wie der Chlorgeruch zum Freibad: Man mag ihn nicht wirklich, aber irgendwie wissen wir, dass Schweiß nützlich ist und ignorieren also die Duftmarken anderer Leute in der überfüllten Straßenbahn oder in der Warteschlange vor dem Eisladen. Aber was schwitzen wir und die anderen da eigentlich aus? Und warum stinkt uns der Schweiß der anderen? Geruchsforscher Hanns Hatt von der Uni Bochum schildert, welche Arten es gibt und wofür wir sie brauchen.

Körpergeruch wird von unseren Schweißdrüsen gebildet. Wir sind überall am Körper voll mit Drüsen, die Wasser produzieren, um uns abzukühlen im Sommer. Eine zweite Sorte produziert Duftstoffe.

Hanns Hatt

Da, wo besonders viele Drüsen sind, riechen wir auch besonders intensiv, wie unter den Achseln oder im Genitalbereich. Beine oder Oberkörper können mit ihren Drüsen dagegen nicht wirklich "anstinken". Hanns Hatt zufolge ist der menschliche Duft ein olfaktorischer Cocktail, den jeder von uns ausströmt, der ist nämlich ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck.

Einmachgläser mit Stofflappen drin.
Geruchsproben und Geruchskonserven von gesuchten DDR-Bürgern in der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraߟe. Bildrechte: imago/Rolf Kremming

Diesen Fakt versuchte sich beispielsweise die Staatssicherheit der DDR zunutze zu machen. Davon zeugen noch heute Einmachgläser mit Geruchsproben von ehemaligen DDR-Bürgern, "eingelegt" in Stofflappen: In Restaurants wurde Gästen auf Stühlen deren persönlicher Körpergeruch abgenommen - ohne deren Wissen - und in Einmachgläsern konserviert.

Persönliche Duftmarke - in Stein gemeißelt?

Dabei ist unsere Duftmarke nicht unveränderlich, ein Teil unseres Duftcocktails hängt auch von unserem Alltag ab:

Was wir essen, spielt eine große Rolle für unsere ganz persönliche Duftnote, zum Beispiel wenn wir Knoblauch oder Zwiebeln essen. So riechen wir dann.

Hanns Hatt

Je nach Kontinent riechen wir anders, weil wir uns anders ernähren. Frauen riechen anders als Männer, Kinder anders als alte Menschen. Wir erkennen einander sogar am Geruch, meist unbewusst. Eines haben wir Hans Hatt zufolge dann doch gemeinsam, egal, wo auf der Welt und gleich welchen Geschlechts wir sind: Wir kommen ohne Vorlieben für bestimmte Düfte zur Welt.

Jeder Mensch hat eigene Duftvorlieben und die sind nicht genetisch bedingt. Bei jedem Menschen entscheidet sich, ob er einen Duft mag oder nicht, daran, in welcher Situation er ihn zum ersten Mal kennengelernt hat.

Hanns Hatt

Das fängt zum Beispiel in der Erziehung an. Das sind dann Kommentare wie "Du schweißelst, du stinkst, pfui Teufel, das ist doch ekelig!'" angesichts Seife-abstinenten Pubertieren oder bei kleinen Kindern, die ins Töpfchen gemacht haben: "Du hast ein Kaka, ein Stinki gemacht, das riecht ja furchtbar, das ist ja ekelig!"

Wenn die sagen 'Hmmm, das duftet ja alles himmlisch!', hätten wir alle eine ganz andere Einstellung dazu.

Hanns Hatt

Das klingt ziemlich schräg. Stinken uns Schweiß und Fäkalien nur an, weil wir es so gelernt haben? Das erklärt, warum wir uns den Schweißgeruch in der Straßenbahn oder im Büro auch nachträglich nicht schön reden können.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 26. Juni 2019 | 17:50 Uhr

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