Globuli als alternative Medizin
Bildrechte: IMAGO

Rat der Europäischen Wissenschaftsakademien Homöopathie kann gefährlich sein

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Europas Wissenschaftsorganisationen sind sich einig: Homöopathie hilft nicht. Im Gegenteil. Sie kann sogar gefährlich sein. Auf zwölf Seiten hat der Wissenschaftsrat der europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) eine Stellungnahme verfasst. Die Quintessenz: Homöopathie bringt - medizinisch gesehen - nichts. Sie kann sogar gefährlich sein, wenn ihre Anwendung dazu führt, dass eine medizinisch notwendige Therapie verzögert oder ganz unterlassen wird.

"Öffentliche Gesundheitssysteme, die auf Evidenz basieren, sollten homöopathische Produkte und Praktiken nur dann erstatten, wenn sie nachweislich wirksam und sicher sind.“ So steht es in der Stellungnahme. Bisher gebe es allerdings keine wissenschaftlich reproduzierbaren Beweise dafür, dass homöopathische Mittel über den Placebo-Effekt hinaus wirken. Der österreichische Pharmazie-Experte Helmut Denk, der an der Studie mitgewirkt hat, verlangt daher genau dies zu kennzeichnen.

Ich halte es für sehr wichtig, Patienten darüber aufzuklären, dass es keinen wissenschaftlich fundierten und reproduzierbaren Hinweis dafür gibt, dass homöopathische Produkte – über den Placeboeffekt hinaus – bei irgendeiner Erkrankung wirksam sind

Helmut Denk

Homöopathie ist in Deutschland weit verbreitet. 70 Prozent der Deutschen, so Recherchen von MDR exakt, möchten, dass die Krankenkassen entsprechende Behandlungen erstatten. Mehr als zwei Drittel der Patienten bezahlen aktuell aus eigener Tasche. Für Kritiker wie den Palliativmediziner Dr. Benedikt Matenaer ein großes Problem. Wenn solche Leistungen in den Katalog der Kassen aufgenommen werden, dann wird dieses Verfahren "geadelt". Und dann, so Matenaer, besteht die reale Gefahr, dass Patienten sie auch bei schweren Erkrankungen benutzen, "so nach dem Motto: Es wird ja von der Kasse bezahlt, dann muss ja auch was dran sein".

Was ist der EASAC? Der Wissenschaftsrat der europäischen Akademien der Wissenschaften - European Academies' Science Advisory Council - ist so etwas wie die vereinte Stimme der europäischen Wissenschaft. 2001 haben sich Europas Wissenschaftsakademien unter seinem Dach zusammengeschlossen. Damit wollen die Forscher dafür sorgen, dass ihre Themen auf der politischen EU-Bühne gehört werden. Der Rat erarbeitet „Stellungnahmen, Berichte und populärwissenschaftliche Schriften zu aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen in den Bereichen Energie, Umwelt und Biowissenschaften und richtet diese an die Institutionen der EU“, heißt es in einer Mitteilung der deutschen Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle.

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: MDR um 11 | 02.10.2017 | 11:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 09:38 Uhr