Welttag des Hundes Wenn wir nicht hinschauen, trickst er uns aus

Seit mindesten 15.000 Jahren sind sie ein Paar: der Mensch und der Hund. Viel länger als die Katzen, die sich dem Menschen nach neuesten Forschungen erst 5.000 Jahre später angeschlossen haben. Ob der Hund uns wirklich liebt, ist wissenschaftlich noch offen. Geklärt dagegen ist, dass der Hund uns versteht - und austrickst, wenn wir nicht hingucken.

Kleinkind und Hund
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Dass Frauchen und Herrchen ihre Hunde lieben – keine Frage. Aber andersherum? Darüber werden wir vermutlich noch eine Weile streiten. Obwohl sich die meisten Wissenschaftler darin einig sind, dass Säugetiere Gefühle empfinden können, ist die Frage immer noch offen, ob Hunde lieben können. Viele andere Fragen dagegen sind inzwischen dank der Forschung beantwortet. Ja, Hunde verstehen uns, das haben Wissenschaftler aus Budapest im vergangenen Jahr mit aufwendigen Tests u.a. mithilfe von Magnetresonanztomographen (MRT) herausgefunden.

Hundeforschung in Mitteldeutschland

Und auch Wissenschaftler aus Mitteldeutschland sind bei der Mensch-Hunde-Forschung dabei. Bis vor einigen Jahren war dafür Leipzig das Zentrum. Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie untersuchte eine Forschergruppe unter anderem das Verhalten der Tiere mit dem Schwerpunkt Kommunikation Hund-Mensch. Eine der interessantesten Entdeckungen machten die Forscher, als sie herausfinden wollten, ob Hunde verstehen, was andere sehen oder nicht sehen können. Kriegten sie also mit, dass beispielsweise der Mensch einen Gegenstand nicht sehen konnte, den sie sahen? Die Antwort lieferten die Hunde beim Test mit verbotenem Futter. Es zeigte sich, dass sie verbotenes Futter öfter fraßen, wenn sie wussten, dass der Mensch sie dabei nicht sehen konnte.

Inzwischen ist diese Forschung in Jena am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte angesiedelt. Juliane Bräuer, ehemals MPI Leipzig, gründete dort einen neuen Bereich für Hundestudien. Hund und Menschheitsgeschichte – für die Forscher liegt der Zusammenhang auf der Hand und ist ideal für die Untersuchung der Evolution kognitiver Fähigkeiten.

Die Tatsache, dass Hunde mindestens 15.000 Jahre mit Menschen zusammen gelebt haben, könnte dazu geführt haben, dass die Menschen durch Selektion bestimmte kognitive Fähigkeiten des Hundes beeinflusst haben oder es sogar zu einer Koevolution der kognitiven Fähigkeiten von Hund und Mensch gekommen ist.

Juliane Bräuer, Hundestudien, MPI Jena

Viele der ehemals in Leipzig angesiedelten Forschungsprojekte werden in Jena fortgesetzt. Stehen der Geruchssinn und die kognitiven Fähigkeiten im Zusammenhang? Wie lernen Hunde von anderen Hunden und vom Menschen? Können sie ihr Handeln mit anderen Hunden koordinieren? Dabei setzen die Forscher nach eigenen Angaben keinerlei invasive Methoden ein. „Wir lassen die Hunde verschiedene Aufgaben lösen und beobachten, wie sie mit ihrer Umgebung, mit Artgenossen oder mit dem Menschen interagieren“, so steht es auf der Homepage des Projektes. Und dafür gibt es dann Leckerlies oder Spielzeug als Belohnung.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR: im Radio | 10.10.2017 | 06:10 Uhr