Raumfahrt Badminton im All: Japanischer Milliardär fliegt zur ISS

Der letzte Weltraumtourist flog 2009 zur Internationalen Raumstation ISS. Es war der Gründer von Cirque du Soleil, Guy Laliberté. Der neue Weltraumtourist kommt aus Japan: Yusaku Maezawa – Milliardär, Kunstsammler und Unternehmer. Gemeinsam mit ihm wird auch sein Assistent Yozo Hirano zur ISS fliegen, um die ganze Mission zu dokumentieren und selbst die Schwerelosigkeit erleben zu dürfen.

Die Sojus MS-20 Besatzung in einem offiziellen Bild der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos (v.l.n.r.): Weltraumtourist Yozo Hirano, Kosmonaut und Kommandant Alexander Misurkin und Weltraumtourist Yusaku Maezawa.
Bildrechte: Roskosmos

Einmal in den Weltraum reisen, dafür muss man schon als Astronaut oder Kosmonautin ausgebildet werden – oder eben ganz viel Geld haben. So wie der japanische Milliardär und Kunstsammler Yusaku Maezawa, der am 8. Dezember gemeinsam mit seinem Assistenten Yozo Hirano zur Internationalen Raumstation ISS reisen wird. Mit an Bord des Sojus-Raumschiffes wird sich der russische Kosmonaut Alexander Misurkin befinden – der allerdings keinen Urlaub auf der ISS machen wird, sondern die aktuelle Besatzung vervollständigen soll. 

Der Launch der Sojus MS-20 Mission ist für 8.38 Uhr (MEZ) vom kasachischen Kosmodrom Baikonur angesetzt. Gegen 14.41 Uhr soll das Raumschiff an die ISS andocken. Der Start und das Andockmanöver werden live auf verschiedenen YouTube-Kanälen übertragen. Im MDR WISSEN Weltraumkalender haben wir Ihnen weitere Links zusammengestellt. 

Weltraumtourismus boomte 2021

In diesem Jahr ist das Geschäft mit den Touristen im All wieder aufgeblüht. Im Sommer haben sich die Milliardäre Richard Branson und Jeff Bezos ein Rennen ins All geliefert. Branson und seine Crew erreichten den Weltraum mit etwas mehr als 80 Kilometern Flughöhe am 11. Juli nur knapp. Das störte die Kunden und Kundinnen von Virgin Galactic aber kaum. Selbst als das private Raumfahrtunternehmen seine Ticketpreise von 250.000 auf 450.000 US-Dollar erhöhte – und somit den Frühbucher-Rabatt beendete –, fanden sich reichlich Abnehmer. 

Der Amazon-Gründer erreichte gemeinsam mit seinem Bruder und zwei weiteren Touristen dagegen den offiziellen Weltraum – der laut Definition ab einer Höhe von 100 Kilometern über dem Meeresboden (die Kármán-Linie) beginnt – am 20. Juli. Vier weitere Weltraumtouristen flogen am 13. Oktober ins All. Darunter auch der 90-jährige William Shatner, der in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise Captain James T. Kirk spielte. 

Der nächste kommerzielle Flug von Blue Origin soll am 9. Dezember erfolgen. An Bord soll sich Laura Shepard Churchley befinden, die Tochter des NASA-Astronauten Alan Shepard, nach dem die New Shepard Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens auch benannt ist. Manchen der Touristen hatte Bezos das 28 Millionen teure Ticket sogar spendiert, wie der Luft- und Raumfahrt-Pionierin Wally Funk – die trotz ihrer Leistungen bis zum ersten bemannten Blue Origin Flug nie in den Orbit aufbrechen durfte. 

Mit der Inspiration4-Mission am 16. September stellte der Milliardär und SpaceX-Gründer Elon Musk die diesjährigen weltraumtouristischen Flüge in den Schatten. Es war die erste rein zivile Raumfahrtmission, bei der vier Touristen drei Tage lang an Bord eines Crew Dragon-Raumschiffes die Erde umrunden durften. Während des Fluges fiel der Ventilator in der Toilette aus und man musste die Besatzung von der Erde aus anweisen, wie sie das Problem beheben können. Wie teuer die Flugtickets waren, ist nicht bekannt. Jedoch müssten sie mindestens 55 Millionen US-Dollar kosten, denn so viel zahlt die NASA für jeweils einen Platz an Bord des Raumschiffs. 

Die nächste Inspiration4-Reise sollte sogar fünf Tage andauern, jedoch hatte man keine zahlenden Kunden oder Kundinnen dafür gefunden, heißt es bei Axiom Space. Das Unternehmen vermittelt Weltraumreisende an Firmen wie SpaceX. Und so soll am 21. Februar 2022 die erste Axiom Mission mit einem Crew Dragon Raumschiff zur ISS erfolgen. 

Yusaku Maezawa auf der ISS

Maezawa erfüllt sich mit der Mission einen Traum und wird damit zum ersten Mal ins All aufbrechen. Dort oben möchte er hunderte Dinge ausprobieren, erzählte er The Japan Times. Dazu gehört auch Badminton spielen. Seine Erlebnisse will er in den sozialen Netzwerken teilen, wie bereits sein Astronauten-Training. 

Die japanischen Weltraumtouristen Yusaku Maezawa und Yozo Hirano in ihren russischen Raumanzügen vor einem Sojus-Raumschiff.
Die japanischen Weltraumtouristen Yusaku Maezawa und Yozo Hirano in ihren russischen Raumanzügen vor einem Sojus-Raumschiff. Bildrechte: Roskosmos

Reich wurde Maezawa mit einem Internet-Versandhaus für Mode, sein Geld investiert er nicht nur in den Flug zur ISS. Er hatte eine Stiftung für zeitgenössische Kunst gegründet und möchte ein Kunstmuseum in der Bucht von Japan eröffnen. Vor allem möchte er aber um den Mond herumfliegen. 2023 soll es für ihn und acht Künstlerinnen und Künstler so weit sein. Ihnen und sich selbst hat er ein Ticket für einen Rundflug um den Mond spendiert. Dieser soll mit dem Starship vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX erfolgen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, wird sich beim anstehenden orbitalen Flugtest Anfang 2022 zeigen. 

Bis zu dem Test werden Maezawa und Hirano wieder zurück auf der Erde sein. Am 20. Dezember soll das Sojus-Raumschiff samt der Weltraumtouristen von der ISS abdocken. Ungefähr drei Stunden später soll das Raumschiff in der Steppe Kasachstans landen - und die beiden Japaner können Weihnachten auf der Erde verbringen. 

1 Kommentar

Olaf100 vor 51 Wochen

Es ist sicherlich schön, sich einen derartigen Traum erfüllen zu können, allerdings zeigt sich hier auch ein sehr bigotter Aspekt; einerseits sollen die Menschen alles tun, um den Kohlendioxidausstoss auf ein Mindestmaß zu reduzieren, andererseits werden derartige Aktionen toll gefunden. Die UNO müsste deratiges wie sinnlosen Qeltraumtourismus scharf verurteilen, auch die Presse.