Kaffeetasse mit schwarzem Kaffee und Kaffeebohnen
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Bohnensatz-Leserei Hoch die Tassen: Leben Kaffeetrinker länger?

von Karolin Dörner

Kaffeetasse mit schwarzem Kaffee und Kaffeebohnen
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Wer Kaffee trinkt, wird zwar nicht zwingend steinalt, könnte aber länger leben. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. Belegt wurde dabei, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, frühzeitig zu sterben - für Männer, die viel Kaffee tranken, um zwölf Prozent, und für Frauen um sieben Prozent. Andere Faktoren, wie Rauchen oder Fleischessen, hatten die Forscher dabei heraus gerechnet. Das alles beweist aber nicht, dass zwischen Kaffeetrinken und Sterblichkeit ein Zusammenhang besteht, wie Wim Wätjen, Professor für Biofunktionalität sekundärer Pflanzenstoffe der Uni Halle, verdeutlicht:

Wim Wätjen, Professor für Biofunktionalität sekundärer Pflanzenstoffe der Uni Halle
Professor Wim Wätjen Bildrechte: MLU

In dieser Studie wird nicht nur die Sterblichkeit beobachtet, sondern es wird gesagt, dass Kaffeetrinker bessere Leberwerte haben. Es könnte sein, dass der Kaffeekonsum dafür verantwortlich ist, dass die Leberwerte sich verbessern. Es kann aber auch sein, dass Personen mit Lebererkrankung weniger Kaffee trinken. Von daher ist es nie eine Kausalität, die hier gezeigt wird, sondern eine, wenn auch gute, Korrelation von Ereignissen.

Wim Wätjen, Uni Halle

Warum ist das so schwer zu untersuchen?

Eine Hand hält ein Glasröhrchen mit Kaffeebohnen, davor steht ein Behälter mit Kaffeebohnen.
Untersuchung von Kaffeeproben Bildrechte: IMAGO

Warum Kaffeetrinker nun genau länger leben, bleibt also offen. Unendliche viele Faktoren spielen für die Wirkung von Kaffee eine Rolle: Zum einen besteht er aus mehr als 800 Substanzen. Zum anderen sind da die Herkunft der Kaffeebohnen, wie kurz oder lang sie geröstet werden, wie sie zubereitet werden, die Zusammensetzung des Wasser, mit dem das Pulver aufgebrüht wird... Jeder Faktor an sich sowie das Zusammenspiel bestimmter Details können also die Wirkungsweise von Kaffee beeinflussen und verändern. All das zu testen und auszuwerten ist aufwändig und teuer. Gesichert sind Wissenschaftler Wätjen zufolge allein Aussagen zur Wirkung von Koffein. 

Wir haben diese zentral belebende Wirkung, die aber auch in etwas umschlagen kann, was advers ist, also Herzrhythmusstörungen bei erhöhtem Koffeinkonsum. Deswegen warnt sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung, als auch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit vor zu hohem Kaffeekonsum.

Wim Wätjen, MLU Halle

Einig sind sich Wissenschaft und Kaffee-Lobby lediglich in einem Punkt: Kaffee, in Maßen getrunken, macht nicht krank: Bis vier Tassen pro Tag, schätzt Forscher Wim Wätjen, seien unbedenklich und der Deutsche Kaffeeverband spricht sogar von fünf Tassen.    

Apropos: Wieviel  Kaffee fließt durch Deutschlands Kehlen?  

Dem Deutschen Kaffeeverband zufolge lag der Jahresverbrauch 2016 bei 162 Litern pro Bundesbürger – damit sind die Deutschen zusammen mit den Österreichern, Schweizern und Skandinaviern Euopas Spitzenreiter im Kaffeetrinken.

Unbeantwortet lassen wir an der Stelle die Frage aller passionierten Tee-Trinker und Kaffee-Abstinenzler: Wer trinkt eigentlich meinen ganzen Kaffee?!  Und was macht das wiederum mit all den Statistiken?

Kaffeetasse mit Blümchenkaffee.
Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio | 13.07.2017 | 18:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 11:43 Uhr