Fett statt Kohlenhydrate Keto-Diät könnte vor Grippe-Infektionen schützen

Labormäuse, die vor allem mit Fett und kaum mit Kohlenhydraten ernährt werden, können sich offenbar deutlich besser gegen Grippeviren verteidigen. Das zeigt eine neue Studie aus den USA.

Gesunde Lebensmittel mit hohem Proteingehalt. Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Nüsse und Bohnen
So können Bestandtteile einer Keto-Diät aussehen: Viel Fett und Eiweiße, nach Möglichkeit keine Kohlenhydrate. Bildrechte: Colourbox.de

In Lifestyle- und Gesundheitsmagazinen ist die Keto-Diät seit einem Jahr ein heißer Tipp: Auf dem Speisezettel stehen dabei vor allem Lebensmittel, die viele gesunde, also ungesättigte Fette enthalten. Auf Kohlenhydrate, also alle Arten von Getreide oder Zucker, wird hingegen so weit wie möglich verzichtet. Effekt davon: Der eigene Stoffwechsel schaltet um auf die sogenannte Ketose. Dabei wird die nötige Energie für die Körperzellen aus Fett gewonnen statt aus Zucker.

Weil es keinen Zucker mehr gibt, kann die Leber keine Glucose mehr bilden und wandelt stattdessen Fettsäuren in sogenannte Ketonkörper um, die dann die Energie für die Zellen bereitstellen. Eine Ketose soll eine Menge gute Wirkungen haben (sieht man einmal ab von Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Hier kann eine Ketose als Folge eines Insulinmangels auftreten und gefährlich werden). Keto-Anhänger berichten von gesteigerter Antriebsenergie und besserer Konzentrationsfähigkeit.

Starke Barriere gegen Grippeviren: Keto-Diät regt Immunabwehr an

Studien zeigen, während einer Ketose werden überschüssiges Fett abgebaut, der Blutzuckerspiegel gesenkt und Entzündungen gehemmt. Der letztgenannte Effekt führte bei Forschern der Universität Yale zur Frage, ob eine Keto-Diät dann vielleicht auch den Verlauf einer Grippe-Infektion abmildern könnte. Entzündungen spielen im Krankheitsverlauf eine wichtige Rolle.

Wie die Studie des Teams um Emily Goldberg jetzt zeigt, kann die Keto-Diät sogar noch mehr. Bei Labormäusen, deren Futter sieben Tage lang zu 90 Prozent aus Fetten und weniger als ein Prozent aus Kohlenhydraten bestand, zeigte sich ein unerwarteter Effekt. Ihre Immunsysteme wehrten die Viren deutlich effektiver ab. Grund dafür war, dass die Ketose bei ihnen die verstärkte Bildung sogenannter Gamma-Omega-T-Zellen stimuliert hatte. Diese weißen Blutkörperchen bildeten unter anderem in den Lungen der Tiere eine effektive Barriere gegen eindringende Influenza-Viren.

Keto-Diätplan neben einer Scheibe Orange und einem Maßband
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Grippe kann tödlich enden

Dieser positive Effekt trat nicht ein, wenn die Tiere nur auf eine Hochfett-Diät umgestellt wurden, bei der die Nahrung neben 60 Prozent Fett auf 40 Prozent Kohlenhydrate enthält. Auch das direkte Verabreichen von Ketonkörpern zeigte nicht die Wirkung einer Ketose. Bei ihren Ergebnissen handele es sich bislang aber nur um Hinweise, schreiben die Forscher in ihrem Aufsatz, weitere Untersuchungen seien nötig.

In Deutschland erkranken bei den jährlichen Grippewellen im Durchschnitt zwischen zwei und 14 Millionen Menschen. Besonders für ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann der Grippeerreger, das Influenza-A-Virus gefährlich werden. Je nach Schwere der Grippewelle sterben jedes Jahr zwischen einigen hundert und im schlimmsten Fall über 20.000 Menschen an den Folgen der Infektion.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um Vier | 10. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

4 Kommentare

MDR-Team vor 38 Wochen

Lieber "GerdMueller",

wie in jeder Studie und wissenschaftlichen Auswertung, können nie alle individuellen Faktoren mit einbezogen werden. Bei einer Fettverbrennungsstörung oder Herzinsuffizienz z.B. wäre eine Keto-Diät eher schädlich, um vor dem Eindringen der Influenza-Viren zu schützen.

Herzliche Grüße
Ihre MDR-WISSEN-Redaktion

MDR-Team vor 38 Wochen

Hallo "db71",
vielen Dank für Ihren Kommentar und mit der kritischen Auseinandersetzung.
Einige Diabetologen sehen in der kohlenhydratreichen Ernährung das Hauptübel bei Übergewicht, Adipositas, metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes. Im Mittelpunkt soll die getriggerte Insulinausschüttung verringern werden. Soweit, dass die Fettverbrennung angekurbelt wird. Die dadurch enstehende Lipolyse lässt sich über die „very low carbohydrate/ketogenic diet“ (VLCKD) erzielen. Diese wiederum ist ein "Mittelding" zwischen einer „low carb“ und der streng ketogenen Diät. Kurz gesagt, es steht die Lipolyse und nicht die Ketose im Vordergrund, wenn es um Typ 2 Diabetes geht.

Wichtig ist jedoch: es kommt immer auf den Einzelfall an. Denn bei Herzinsuffizienz sollte eine ketogene Diät nicht angewendet werden - egal ob die Grunderkrankung durch eine Ketose eingedämmt werden könnte.

Herzliche Grüße
Ihre MDR-WISSEN-Redaktion

db71 vor 38 Wochen

Zur Aussage:
"Eine Ketose soll eine Menge gute Wirkungen haben (sieht man einmal ab von Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Hier kann eine Ketose als Folge eines Insulinmangels auftreten und gefährlich werden)."
möchte ich folgendes ergänzen:
Eine Ketose ist für einen Typ 2 Diabetiker nicht gefährich. Für einen Diabetiker ist die Ketoazidose gefährlich. Was einen großen Unterschied macht. Die Ketoazidose betrifft hauptsächlich Typ 1 Diabetiker, die mit Insulin unterversorgt sind. Typ 2 Diabetiker haben eine Insulinresistenz, die sich durch eine ketogene Ernährung zurück bilden kann.