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Langzeit-Studie Kinder bewegen sich wöchentlich 31 Minuten weniger

Haben Smartphone, Tablet & Co. dem natürlichen Bewegungsdrang von Kindern den Garaus gemacht? Eine Langzeitstudie untersucht die motorische und körperlichen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen mit erschreckenden Ergebnissen.

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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mo 18.03.2019 19:00Uhr 01:40 min

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Wie aktiv und fit sind unsere Kinder? Die Weltgesundheitsbehörde empfiehlt 60 Minuten Bewegung am Tag. Klingt nicht viel, aber tatsächlich erreichen heute einer neuen Studie zufolge gerade noch 15 Prozent der Kinder dieses Minimum an Bewegungszeit. Dabei gibt es aber noch große Unterschiede: Mädchen bewegen sich durchschnittlich mehr als zehn Minuten weniger als Jungen. Bei den Mädchen spielt der Sozialstatus außerdem eine größere Rolle: Mädchen aus niedrigem sozialen Status kommen auf knapp zehn Minuten weniger körperliche Aktivitäten als Mädchen aus besserem Umfeld.

Junger Trend oder langfristige Entwicklung?

Bekannt ist, dass seit Mitte der 1970er-Jahre bis zur Jahrtausendwende die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern um etwa zehn Prozent abgenommen hatte. Dieser Trend scheint gestoppt zu sein, wie die jüngste Befragungswelle der Langzeitstudie MoMo zeigt. MoMo steht dabei für Motorik-Modul. Die Studie wird mit mehreren Millionen Euro von der Bundesregierung gefördert.

Kinder, die im Verein sporteln, sind motorisch fitter

Junges Mädchen bei einem Weitsprungversuch
Bildrechte: imago/Norbert Schmidt

Die gute Nachricht: Seit 2003 treiben wieder mehr Kinder Sport in Vereinen, so die neuen Zahlen der Studie. Und das hat postive Folgen. Die jungen Vereinssportler sprangen beispielsweise beim Standweitsprung im Durchschnitt 22 Zentimeter weiter als Kinder, die nicht in Sportvereinen waren. Ähnliches zeigte sich auch beim seitlichen Hin- und Herspringen, mit dem Kondition und Koordination gemessen wurden. Hier zeigte der Vergleich der Daten nach zwölf Jahren eine regelrechte "Entwicklungsschere": Nichtsportvereinsmitglieder waren motorisch schlechter entwickelt als Gleichaltrige, die dauerhaft in Sportvereinen waren.

Je älter, desto Couchpotatoe?

Eine junge Frau liegt mit einem Tablet in einem Wohnzimmer auf dem Boden
Chillen statt Sport? Je älter Kinder sind, um so weniger Bewegung gibt es am Tag. Bildrechte: IMAGO

Allerdings bewegen sich die Kinder, je älter sie werden, immer weniger, wie die Studie zeigt: Am agilsten sind die sechs- bis zehnjährigen Jungen: sie kommen immerhin auf 72 Minuten Bewegung pro Tag, die gleichaltrigen Mädchen nur auf 56,6 Minuten. Als totale Bewegungsmuffel entpuppten sich die "Pubertiere": 14- bis 17-jährige Jungen bewegen sich täglich 43, Mädchen dersleben Altersgruppe 35,9 Minuten. Nur 16,5 Prozent der befragten Jungen schafften überhaupt noch die empfohlenen 60 Minuten und nur 7,4 Prozent der Mädchen.

Und jetzt die Frage aller Fragen: Sind Smartphone, Tablet und Medien dran schuld?

Ein blonder Junge spielt mit einem Smartphone. Er wirkt erschöpft.
Bildrechte: Colourbox.de

Ist weniger Bewegung eine langfristige Entwicklung oder eine Folge von Smartphone, Tablet und Co.? In der Studie wurde auch das Freizeitverhalten der Kinder erfasst. Ergebnis: Schon 70,5 Prozent der Grundschüler sitzen mehr als eine Stunde täglich vor dem Bildschirm. Einen eindeutigen Zusammenhang - viel Bildschirmzeit = wenig Bewegung - belegt die Studie nicht. Kinder, ihr könnt aufatmen! Allerdings nur kurz, denn die Studie belegt auch: Unorganisiertes Sporttreiben von Kindern, also das sich in der Freizeit bewegen, hat sich von 2003 bis 2017 stark verkürzt. Insgesamt um 31 Minuten pro Woche, so die Zahlen der Untersuchung. Bei den Jungen stärker - um 43 Minuten, bei den Mädchen "nur" um 21 Minuten.

Bewegung gegen spätere Krankheiten

Insgesamt erschreckende Ergebnisse, meint Sportwissenschaftler Alexander Woll vom KiT Karlsruhe, der die Studie betreut. Für ihn liegt der Stein der Weisen darin, die Kinder und Jugendlichen auch in der digitalen Welt abzuholen und an den Schlüsselpunkten der Kindermotivation anzusetzen, damit sie sich Kinder mehr bewegen. Denn die langfristigen Folgen von zu wenig Bewegung können Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Gelenkbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.

Was ist die MoMo Studie? Die Langzeitstudie (2009–2021) "Motorik-Modul" analysiert körperliche Aktivitäten und Fitness von 4- bis 17-Jährigen in Deutschland und welche Faktoren sie beeinflussen. Insgesamt wurden zwischen 2003 und 2017 in mehreren Befragungswellen 6.233 Kinder und Jugendliche aus 167 Orten untersucht.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 17:12 Uhr