US-Umfrage Kindererziehung: Hälfte der Eltern streitet sich mit Großeltern

Essen, TV-Zeit oder das Benehmen: Oft wissen Großeltern vermeintlich besser als die Eltern wie man die Enkel erziehen soll. Eine US-Umfrage hat nun ergeben, dass sich dadurch große Generationenkonflikte ergeben - mit teils weitreichenden Folgen.

Kind, Eltern und Großeltern
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Für viele Eltern sind die eigenen Eltern eine wichtige Hilfe bei der Erziehung der Kinder. Und auch die Töchter und Söhne genießen es normalerweise, bei Oma und Opa zu sein. Doch über manche Fragen, etwa wann die richtige Schlafenszeit sei oder was die beste Ernährung ist, kommt es auch zu Streit zwischen den Generationen.

Wie oft dies vorkommt, hat nun eine Umfrage der University of Michigan ergründet. Dabei wurden insgesamt 2.016 Eltern von Kindern unter 18 Jahren befragt. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der Eltern hat sich schon einmal mit den Großeltern über die Erziehung der Enkel gestritten. Ein Siebtel der Erziehungsberechtigten ging dabei sogar so weit, den eigenen Eltern die Besuchszeit der Enkel zu kürzen.

Worüber sich Eltern und Großeltern bei der Erziehung der Enkel laut einer US-Umfrage am meisten streiten.
Worüber sich Eltern und Großeltern bei der Erziehung der Enkel laut einer US-Umfrage am meisten streiten. Quelle: : C.S. Mott Children's Hospital National Poll on Children's Health at Michigan Medicine Bildrechte: MDR/Colourbox

Beziehung zwischen Eltern und Großeltern kann belastet werden

Der Hauptgrund für Konflikte ist dabei die Frage der nötigen Disziplin (57 Prozent), gefolgt von den Mahlzeiten (44 Prozent) und der Zeit, die die Kinder vor dem Fernseher oder dem Smartphone verbringen dürfen (36 Prozent). Auch das Benehmen sowie die Gesundheit und Sicherheit des Nachwuchses bilden mögliche Streitthemen. Ein neueres Problemfeld ist dazu das Teilen von Fotos und Informationen in sozialen Netzwerken.

"Die Großeltern spielen eine große Rolle im Leben der Kinder und können die Eltern durch Betreuung und Ratschläge unterstützen", erklärt die Kinderärztin und Co-Leiterin der Umfrage, Sarah Clark. "Aber manchmal haben sie auch andere Ideen für die Erziehung der Kinder, was Spannungen verursachen kann. Im Endeffekt kann dies die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern belasten."

Zu wenig und zu viel Disziplin ein Problem

Oftmals fühlten Papa und Mama ihre Autorität bedroht, wenn Opa und Oma entgegen der Familienregeln zu viel erlaubten, so Clark. Genauso gab es aber auch Fälle, in denen die Großeltern Sachen verboten, die die Eltern erlaubt hatten - letztlich ist beides ein Problem für die Erziehung der Kinder.

Dabei seien oftmals Missverständnisse zwischen den Generationen die Ursache der Konflikte: Die älteren Semester wollen so erziehen, "wie man es schon immer gemacht hat", während die jüngeren teilweise modernere Vorstellungen davon haben. Ein Beispiel sind Sitzerhöhungen für Kleinkinder in Autos, die manche Großeltern nicht benutzen wollen.

Je größer der Streit, desto weniger nachgiebig

Natürlich versuchen die Eltern auch, die eigenen Erzeuger davon zu überzeugen, die familiären Erziehungsregeln zu respektieren. Doch dies führte nur in rund der Hälfte der Fälle komplett zum Erfolg. 17 Prozent der Großeltern lehnten das dagegen rundheraus ab. "Dabei gab es eine klare Korrelation zwischen der Intensität des Konflikts und der Kooperationsbereitschaft", erklärt Sarah Clark.

Nach dem Motto: Je größer der Streit, desto weniger nachgiebig waren Oma und Opa. Wenn dies passierte, tendierten die Eltern auch eher dazu, die Besuchszeit bei den Großeltern zu beschneiden, wie die Umfrage ergab. Und auch die Beziehung zwischen Enkeln und Großmutter und -vater belasteten diese Konflikte.

Unsere Befunde deuten an, dass Großeltern möglichst die Erziehungsregeln der Eltern einhalten und ihre Wünsche respektieren sollten. Nicht nur, um die Eltern bei der schwierigen Aufgabe der Kindererziehung zu unterstützen, sondern auch, um den Konflikt nicht so weit eskalieren zu lassen, dass sie weniger Zeit mit ihren Enkeln verbringen dürfen.

Sarah Clark, Co-Leiterin der Umfrage

cdi

1 Kommentar

part vor 5 Wochen

Ich würde mal behaupten, heutige Eltern sind allgemein gebilderter als die Großeltern, die ihrerseits nur soziologische vererbte Erfahrungswerte weiter beharrlich vermitteln möchten , neben eigenen wenigen Erfolgsmodellen. Neue Medien- Nutzung, neue wissenschaftlich- gesellschaftliche Erkenntnisse entwickeln für junge Eltern ganz andere Perspektiven in ihrer Individualität zur Erziehung von Kindern., wenn da nicht wieder die gesellschaftliche Teilung wäre, die immer mehr auseinander driftet. Ich könnte heute noch k....ob der Unwissenheit und Ignoranz meiner Eltern damals.... Doch im Ganzen übertrifft die manchmal die ungesunde Toleranz der Großeltern, das Pflichtbewusttssein der Eltern eben um Überlängen, es geht eben um Sympathiepunkte.