Studie Schlechte Haltung fördert negative Emotionen

Brust raus - Bauch rein oder auch: Kopf hoch! Diese Ratschläge haben alle schon einmal bekommen. Klar, denn eine aufrechte Haltung strahlt Selbstbewusstsein aus. Daher raten einige Psychologinnen und Psychologen zum Beispiel zum "Power Posing" - einer weiten, offenen und raumeinnehmenden Körperhaltung, die uns selbstsicherer und risikobereiter machen soll. Aber funktioniert so etwas tatsächlich? Ein internationales Forschungsteam hat Studien analysiert, um herauszufinden, wie viel da dran ist.

Wie wirken Körperhaltung und Bewegung auf unsere Psyche? Viele Dinge im Leben haben ja mit Haltung zu tun. Das gilt auch für eine gesunde Psyche - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere Körperhaltung und unser Bewegungsapparat haben nämlich immer auch mit unserer Psyche zu tun, erläutert Psychologie-Professor Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke:

Mann vor einem Treppenaufgang
Prof. Dr. Johannes Michalak Bildrechte: Jürgen Appelhans

Wenn ich mich in einer bestimmten Art und Weise fühle, sitze oder gehe ich vielleicht auch so. Bin ich traurig, sitze ich vielleicht eher zusammengesunken, wenn ich fröhlich bin, stehe ich eher aufrecht oder gehe irgendwie dynamischer. Genau diesen Effekt von Stimmung auf motorische Muster haben wir nachweisen können.

Prof. Johannes Michalak - Uni Witten/Herdecke

70 Studien anaylsiert

Und andersherum: Hat unser Körper also auch Auswirkungen auf unsere Psyche? Um das herauszufinden hat Michalak gemeinsam mit Forschenden aus Dänemark und den USA mehr als 70 experimentelle Studien dazu in einer Meta-Analyse ausgewertet. In den Studien wurden zum Beispiel über kürzere Zeiträume die Versuchsperson entweder in eine aufrechte Sitzhaltung gebracht oder eben in eine zusammengesunkene Sitzhaltung. Oder man hat sie fröhlich oder depressiv gehen lassen, beschreibt Michalak die Studien:

Dann wurde geguckt: Wie wirkt sich das beispielsweise auf Stimmung aus, auf das emotionale Gedächtnis, auf die Tendenz, risikoreiche oder eher risikoarme Entscheidungen zu treffen?

Prof. Johannes Michalak

Klare Effekte der Körperhaltung auf die Psyche

Tatsächlich ließen diese Experimente einen Zusammenhang erkennen, sagt Michalak. Die Meta-Analyse belege, dass Körperhaltung oder bestimmte Bewegungsmuster Auswirkungen auf emotionale Prozesse haben. Dazu gehörten unter anderem das subjektive Erleben, die Stimmung, Gedächtnisprozesse oder auch Verhaltensweisen wie Risikofreude.

Der Effekt des Körpers auf die Psyche sei robust, sagt Michalak. Das bedeutet, dass er nicht nur in Einzelexperimenten gezeigt wurde, die vielleicht einzeln wiederholbar waren, sondern dass reihenweise Experimente überprüfbare Ergebnisse lieferten.

Robust heißt, dass wir über alle Studien hinweg deutliche Effekte gefunden haben vom Körper eben auf die psychischen Prozesse.

Prof. Johannes Michalak

Tschakka! Wirkt Power Posing tatsächlich?

Ist es also auch möglich durch eine offene, ausladende Körperhaltung selbstsicherer und risikobereiter zu werden? Immerhin verspricht das Konzept des Power Posings genau das. Aber ganz so funktioniert es dann wohl doch nicht, bremst Michalak. Tatsächlich hätten sich statt solch positiver Effekte ganz andere gezeigt, sondern eher Fragezeichen.

Unsere Effekte deuten eher daraufhin, dass so eine zusammengesunkene Sitzhaltung oder so ein depressives Gangmuster, negative Effekte hat. Aber dass Power Posing jetzt einen positiven Effekt hat, das konnten wir nicht zeigen.

Prof. Johannes Michalak

So bleiben noch zahlreiche Fragen offen, ergänzt Michalak, zum Beispiel ob diese Ergebnisse überhaupt auf unseren Alltag übertragbar seien. Die Forschenden wollen nach dem Potential dieser Effekte für die Psychotherapie fahnden, denn möglicherweise könnte eine bestimmte Form von Bewegung und Haltung depressiven Menschen langfristig helfen, so die Idee.

Trampolin
Bildrechte: imago/Panthermedia

0 Kommentare