Einem Mythos auf der Spur Mutterschaft: Pro Kind ein Zahn - was ist dran?

Der Volksmund behauptet, jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn. Wissenschaftler haben der Sache auf den Zahn gefühlt und sehen den Volksmund bestätigt: Schwangerschaften erhöhen das Risiko für Zahnverlust.

Mutter hält ihr Babys
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Jede Schwangere hört davon: Angeblich kostet jedes Kind die Mutter einen Zahn. Dass an dieser Redensart wirklich etwas dran ist, schreibt jetzt das "Journal of Epidemiology & Community Health". Offensichtlich kann die Geburt eines Kindes tatsächlich zu überdurchschnittlich häufigem Zahnverlust führen - messbar allerdings erst ab dem dritten Kind.

Warum ist das so schwer zu untersuchen?

Bislang hatte es keine wissenschaftlichen Belege dafür gegeben, dass Mutterschaft mit Zahnverlust einhergeht. Was auch kein Wunder ist, denn die Bedingungen für einen wissenschaftlichen Versuchsaufbau sind bei dem Thema denkbar schwierig: Theoretisch müsste man Frauen per Zufallsprinzip in Gruppen einteilen und per Los entscheiden, wer kinderlos bleibt und wer ein, zwei oder drei Kinder bekommt, um so die Zahngesundheit der Probandinnen miteinander vergleichen zu können. Praktisch ist das logischerweise nicht umsetzbar.

Schwangere mit zwei Kindern
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Für die jetzt vorgelegte Studie wurde methodisch in anderen Bereichen "gewildert", wichen die Forscher auf Methoden der Statistik aus und suchten nach "natürlichen Zufallsvarianten": Nach Zwillingsmüttern und Zweifach-Müttern mit je einer Tochter und einem Sohn. Beim Datenvergleich von Zwillingsmüttern und Müttern mit zwei Kindern nacheinander fand sich kein Hinweis auf erhöhten Zahnverlust bei den Zweifach-Müttern.

Da statistisch gesehen bei Familien mit zwei Kindern desselben Geschlechts oft ein drittes folgt, in der Hoffnung auf ein Kind des noch "fehlenden" Geschlechts, wurden gezielt solche Familien ausgewählt. Die Zahndaten dieser Mütter wurden verglichen mit denen von Müttern von je einem Jungen und einem Mädchen. Da zeigte sich ein beachtlicher Unterschied: Mütter mit drei Kindern hatten in ihrer zweiten Lebenshälfte durchschnittlich gut vier Zähne weniger als Mütter mit zwei Kindern.

Warum die Mutterschafts-Zahnstudie der Forschung weiter hilft

Demnach belegen die Zahlen, dass sich Schwangerschaften auf die Mundgesundheit auswirken, erklären aber noch nicht, warum sich Risiko des Zahnverlusts erhöht, wie Stefan Listl, Seniorautor der Studie aus Heidelberg betont. An der Studie waren Wissenschaftler aus Heidelberg, Wuppertal, München, Worms und Nijmegen in den Niederlanden beteiligt. Sie hatten insgesamt Datensätze von mehr als 34.000 Personen aus 14 europäischen Ländern und aus Israel ausgewertet. Neben dem Beleg zum Zusammenhang zwischen Mutterschaft und Zahnverlust ist für die Forscher vor allem wichtig, dass diese Studie zeigt, dass sich bisher unlösbare epidemiologische Fragestellungen mit statistischen Werkzeugen untersuchen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 25. September 2017 | 15:00 Uhr

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