Früherkennung Ein Bluttest, acht Krebsarten?

Ist das der Durchbruch für die Krebsfrüherkennung? US-Forscher haben einen Test entwickelt, der Krebszellen entdecken soll, noch bevor Krankheitssymptome sichtbar sind. Wissenschaftler in Deutschland warnen vor übertriebenen Hoffnungen.

Ein Arzt nimmt bei einem Patienten Blut ab.
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Das Tückische an Krebserkrankungen ist, dass sie oft erst spät erkannt werden. Forscher in Baltimore haben an der John Hopkins University einen Bluttest entwickelt, mit dem acht Tumorarten aufgespürt werden können, noch bevor Symptome der Krebserkrankung auftreten. Das berichtet das Fachjournal "Science". Mit dem Bluttest namens "CancerSEEK" (dt: "Krebssuche") können demnach Reste abgestorbener Tumorzellen im Blut identifiziert werden. Gesucht wurde dabei nach Zellen der meisten verbreiteten Krebsarten in der Bauchspeicheldrüse, der Brust, im Dickdarm, Eierstock, in Leber, Lunge, Magen oder Speiseröhre.

Die Studie und der Kontrolltest

Die Wissenschaftler hatten zum einen das Blut von 1.005 Patienten untersucht, die an Krebs in verschiedenen Stadien erkrankt waren. Besonders hoch war die Trefferquote bei Eierstock- und Leberkrebs – hier wurden 98 Prozent der Erkrankungen am Blut identifiziert. Brustkrebs-Zellen dagegen wurden in den Blutproben nur bei einem Drittel der Erkrankten gefunden. In der Kontrollgruppe mit wiederum 800 gesunden Personen wurden sieben von ihnen fälschlicherweise als krebskrank identifiziert, obwohl sie gesund waren.

Umstritten: Tests zu ungenau oder medizinischer Meilenstein?

Wenig euphorisch sind die Spezialisten der Molekularpathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, die Professoren Udo Siebholts, Florian Haller und Silke Laßmann. Sie bemängeln vor allem, dass das neue Screeningverfahren methodisch viel zu ungenau sei, unter anderem im Bezug auf die Zusammensetzung der Testgruppen. Positive Falschergebnisse könnten zahlreiche gesunde Menschen entsprechend verunsichern, wenn zur weiteren Abklärung teure und unangenehme Anschlussuntersuchungen folgten. Schlimmstenfalls könnte eine unkritische Nutzung des für den Patienten bequemen Bluttests dazu führen, dass etablierte - und für den Patienten unangenehmere Vorsorgemethoden - wie Mammographien und Darmspiegelungen weniger genutzt würden, und Krebserkrankungen unerkannt blieben und schlimmstenfalls tödlich endeten.  

Holger Sültmann, Spezialist für Krebsgenomforschung aus Heidelberg, sieht die Methode an sich dagegen als "interessante Weiterentwicklung" bisheriger diagnostischer Verfahren: "Sie ist jedoch konzeptuell ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer verbesserten Früherkennung." Denn in allen getesteten Krebsarten, außer bei Dick- und Enddarmkrebs, werden nach wie vor verbesserte Früherkennungsmethoden gebraucht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 14. November 2017 | 04:25 Uhr