Laubhaufen bei blauem Himmel und Sonnenschein mit einem Kirschbaum und einer Birke im Hintergrund
Bildrechte: IMAGO

Goldener Herbst Lässt das Herbstlaub die Erde schneller drehen?

In Deutschland gibt es über elf Millionen Hektar Wald. Einer Hochrechnung zufolge stehen ganze 90 Milliarden Bäume in deutschen Wäldern. 40 Prozent davon sind Laubbäume. Kein Wunder, dass im Herbst das Laub überall zu sein scheint. Woher die bunten Farben kommen, ob Laub entfernt werden muss und was die Blätter mit der Erdrotation zu tun haben, steht hier.

Laubhaufen bei blauem Himmel und Sonnenschein mit einem Kirschbaum und einer Birke im Hintergrund
Bildrechte: IMAGO

Warum werfen Bäume ihre Blätter ab?

Bäume werfen ihre Blätter ab, um den Winter überleben zu können. Die Saugfähigkeit der Wurzeln nimmt nämlich mit der Kälte ab. Bei Frost kommt sie sogar ganz zum Stillstand. Über die Blätter verlieren Bäume aber große Mengen Wasser. Bei einem hundert Jahre alten Laubbaum verdunsten täglich mehrere hundert Liter Wasser. Würden die Bäume die Blätter im Herbst nicht abwerfen, würden sie also verdursten. Um die Blätter loszuwerden, bilden die Pflanzen zwischen Blattstiel und Zweig eine korkartige Trennschicht, womit die Wasserversorgung des Blattes unterbrochen wird. Ein Windstoß genügt und das Blatt segelt zu Boden. Ausgelöst wird die Veränderung des Baumes wie Veränderungen im menschlichen Körper: Durch Hormone. Während die meisten Laubbäume sich jedes Jahr ihres Blätterkleides entledigen, sind die „Blätter“ der Nadelbäume etwas langlebiger. Die Lebensdauer der Kiefernadeln beträgt beispielsweise fünf Jahre, Fichtennadeln schaffen sieben Jahre und Tannennadeln werden nur etwa alle acht Jahre ausgetauscht.

Woher kommen die typischen Herbst-Farben?

Mit anderen wichtigen Stoffen verschwindet im Herbst auch der grüne Farbstoff Chlorophyll. Übrig bleiben Farbpigmente, die während des Sommers durch das Chlorophyll überlagert waren und nun zum Vorschein kommen. Für die gelben und orangen Farbtöne sorgen Karotine und ihre Abkömmlinge, die Xanthophylle. Rot ist die einzige Farbe, die im Herbst sogar nochmal neu produziert wird. Verantwortlich dafür sind Anthocyane. Wissenschaftler vermuten, dass sie unter anderem zum Schutz vor zu viel Sonneneinstrahlung dienen. Braun werden die Blätter schließlich durch Gerbstoffe, die entstehen, wenn auch diese Stoffe nach und nach verschwinden.

Muss das Laub entfernt werden?

Es gibt einige Gründe, die für ein sofortiges Entfernen der heruntergefallenen Blätter sprechen. Aber auch viele Gründe, das Laub liegen zu lassen.

Ja! In den heruntergefallenen Blättern stecken kaum noch wichtige Nährstoffe. Proteine, Kohlenhydrate und Fette werden zusammen mit Mineralien vorm Abstoßen den Blättern entzogen und an bestimmten Orten der Wurzel und des Stammes gespeichert. Je mehr Stoffe aus den Blättern abtransportiert werden, desto weniger verliert die Pflanze. Vorsicht geboten ist außerdem bei geschlossenen Laubdecken. Sind Rasen oder andere Pflanzen komplett überdeckt, können sie faulig werden. Laub, das mit Schädlingen oder Krankheiten wie Mehltau befallen ist, muss auf jeden Fall entfernt werden, damit die Pflanze im Frühjahr eine Chance hat, sich ohne Befall wieder auszubreiten. Besonders gilt das für Kastanien und die im Laub überwinternden Kastanienminiermotten.

Kiefernwald im Herbst
Schillernde Farben im Herbstwald Bildrechte: Colourbox.de

Nein! Heruntergefallenes Laub bietet Lebensraum für unzählige Mikroorganismen und Insekten, die für den natürlichen Stoffkreislauf wichtig sind: Käfer, Asseln, Würmer, Schnecken und Tausendfüßler, deren Stoffwechselprodukte und Blattreste von Pilzen und Bakterien biologisch zu Humus abgebaut werden. Humus ist reich an Mineralstoffen und ist für das Baumwachstum und die Blätterbildung sehr wichtig. In Laubhügeln finden außerdem Igel, Frösche und Kröten einen Schutz vor Frost. Eine luftdurchlässige Laubdecke kann darüber hinaus Schutz für kälteempfindliche Pflanzen sein und das Wachstum von Unkraut eindämmen. Nicht immer ist der Griff zum Laubbläser ratsam.

Wohin damit?

Viele Kommunen bieten die Entsorgung des Laubes über den Biomüll oder die Wertstoffhöfe an. Ein hoher Anteil des Laubes wird dann über Kompostanlagen entsorgt. Schätzungen zufolge bleiben jedes Jahr in Nordwesteuropa rund 34 Mio. Tonnen Restbiomasse aus Landschafts- und Stadtpflege ungenutzt. Die Abfälle könnten aber auch weiter genutzt werden. Eine Projektgruppe an der Uni Kassel hat sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, die Energie des Laubes zu nutzen und daraus Aktivkohle für Kläranlagen herzustellen.

Dreht sich die Erde wirklich schneller, wenn das Laub herunterfällt?

Das herunterfallende Laub sorgt einer Theorie zufolge dafür, dass die Erde sich im Herbst und Winter schneller dreht als im Frühjahr und Sommer, wie unsere Kollegen vom SWR herausgefunden haben. Der Grund: Weil das Laub nicht mehr an den Bäumen hängt, sondern am Boden liegt, ist es näher an der Erdachse, wodurch die Erde sich schneller drehen kann – ganz wie eine Eiskunstläuferin, die bei einer Pirouette die Arme an den Körper legt. Zwar ist auf der Südhalbkugel Sommer, wenn im Norden Winter ist: Im globalen Süden gibt es aber weniger Laubwaldflächen als im Norden. Die Änderung beträgt Berechnungen der Uni Bonn zufolge aber nur wenige Nanosekunden am Tag.

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: LexiTV | 19.10.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 14:52 Uhr