Sommerserie Laufen: Teil III Warum sich Sprinter niemals dehnen

Sollte man sich vor dem Laufen dehnen oder lieber danach? Und werden beim Joggen wirklich so viele Muskeln trainiert, dass man auf alle anderen Sportarten verzichten kann? Wir fragen bei einem Sportwissenschaftler nach.

Laufen ist gut für das Immunsystem. Nach einer halben Stunde Laufen befinden sich 31 Prozent mehr Zellen der Immunabwehr im Blut, die dazu noch viel aktiver sind. Allerdings gilt das nur bis zu einer bestimmten Grenze, erklärt Professor René Schwesig, Sportwissenschaftler an der Uniklinik Halle. "Die Intensität darf nur moderat sein, die Streckenlänge in der Woche etwa 30 Kilometer nicht überschreiten. Wenn ich immer laufe, dann fahre ich mein Immunsystem auf Dauer runter."

Gut für die Knochen

Auch das Gerüst des Körpers profitiert: Die Stöße und die Belastung beim Laufen sind gut für die Knochen und deren Dichte, sagt Schwesig: "Das trifft aufs Laufen ganz besonders zu. Bei anderen Sportarten wie zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen, wo ich ja im stützfreien System unterwegs bin, da ist der knochenprotektive Effekt deutlich geringer."
Allerdings ist der positive Effekt auch hier eine Frage der Dosis.

René Schwesig
Bildrechte: Universitätsklinikum Halle (Saale)

Da sollte ich Sorge tragen, dass ich mir zwar nicht eine hohe Knochendichte aneigne aber vielleicht im gleichen Atemzug Achillessehnen-Probleme, Knieprobleme, Hüftprobleme bekomme. Die Balance ist wichtig.

Prof. René Schwesig, Uniklinik Halle

Angeblich werden beim Laufen bei jedem Schritt 200 Muskeln aktiviert. Der Hallenser Sportwissenschaftler ist da aber vorsichtiger: "Wir wissen natürlich, dass das Laufen eine Ganzkörperbewegung ist, wenn ich das richtig mache. Um die Behauptung zu belegen müsste man allerdings alle 400 Skelettmuskeln darauf messen, welche beim Laufen aktiv sind. Ich glaube nicht, dass das jemand wirklich gemacht hat."

Vorher oder nachher dehnen?

Auch das Laufen alle Muskeln und dabei auch die Rückenmuskulatur trainiert, stimmt nicht. "Ich sollte, wenn ich laufe oder auch wenn ich Rad fahre, parallel dazu ein Stabilisationstraining machen für Bauch und Rücken", rät er. Eine andere Behauptung unterstützt er aber: Nach dem Laufen dehnen ist sinnvoller, als davor. "Wenn ich jetzt beim Laufen eine persönliche Bestzeit erzielen will, dann ist intensives dehnen vorher kontraproduktiv. Wenn ich aber locker laufe zur Regeneration, kann ich mich davor auch dehnen. Man sieht das bei Sprintern, die sich nicht vor ihrem Lauf dehnen, sondern zwei, drei reaktive Sprünge machen, um gerade das Gegenteil zu bewirken: Die Spannung zu erhöhen."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN-ANHALT im Radio | 03.07.2017 | 05:40 Uhr