Lese-Rechtschreib-Störung Basisprogramm gegen Buchstabensalat

Bei "Affe" klingt der Laut "a" kurz, im Wort "war" dagegen lang - und benutzt wird der gleiche Buchstabe. Das kann für Verwirrung sorgen. Kindern, die Buchstaben und Laute nicht verknüpfen können, hilft ein neues Computerprogramm, das Psychologen an der TU Kaiserslautern entwickelt haben.  

Kinder lieben Harry Potter und sind fasziniert vom "Denkarium": Eine Schale, die Harry ins frühere Leben seines Schulleiters Albus Dumbledore eintauchen und als unsichtbarer Gast "miterleben" lässt. So ist es wohl kein Zufall, dass Psychologen der TU Kaiserlautern ihr Lernprogramm für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) ganz ähnlich, nämlich "Lautarium" genannt haben. Das klingt wenigstens nach Zauberei - auch wenn ihr Lernprogramm am Ende auch nur helfen will, Kindern mit der LRS-Symptomatik den Buchstaben- und Lautsalat verdaulich zu machen.

Man sagt immer, die Kinder müssen üben, üben, üben! Aber Kinder mit einer LRS-Symptomatik haben falsche Prozesse automatisiert.

So erklärt es Dr. Kirstin Bergström im Gespräch mit MDR Wissen: "Da hilft kein Üben. Diese Prozesse müssen umgelernt werden." Genau hier setzt das Computerprogramm "Lautarium" an, dass ein Psychologen-Team an der TU Kaiserslautern entwickelt hat und das jetzt im Psychologie-Fachverlag Hogrefe erschienen ist. Es kann sowohl von Eltern, die mit ihren Kindern den Buchstaben-Laut-Salat zuhause entwirren wollen, genutzt werden, wie von Schulen, für die spezielle Schullizenzen gekauft werden können. Das Programm arbeitet "adaptiv", also indem es sich dem Leistungsstand des trainierenden Kindes anpasst. So werden Über- und Unterforderung vermieden und die Zeit, die ins Training gesteckt wird, kann tatsächlich optimal genutzt werden, erklärt Professor Thomas Lachmann.

Was unterscheidet das Programm von anderen?

Sieben Jahre Entwicklungszeit stecken in dem neuen Lernprogramm - und im Unterschied zu anderen Angeboten auf dem Markt wurde das Programm, während es erarbeitet wurde, fortlaufend mit Kindern getestet und entprechend angepasst, erklärt Dr. Kirstin Bergström im Gespräch mit MDR Wissen. Die Lernfortschritte im Lesen und Rechtschreiben der Kinder, die das Programm absolvierten, waren demnach signifikant größer als bei Kindern der Kontrollgruppen, die mit gleichen Ausgangsleistungen gestartet waren.

Wenn Muscheln, Fische und Schatzkisten motivieren

Das Programm, das vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziell gefördert wurde, ist speziell auf Kinder im Grundschulalter zugeschnitten - eine Kombination aus Trainingseinheiten und Belohnungssystem: Für jede absolvierte Übung bekommt ein Kind Belohnungstaler, mit denen es sich Zubehör für ein animiertes Aquarium zulegen kann: Fische, ein Schiffswrack, Muscheln oder eine Schatzkiste. Fünfmal wöchentlich sollen Kinder je 20 bis 30 Minuten üben, auf acht Wochen ist das Programm ausgelegt. "Wobei Kinder verschieden schnell lernen", warnt Dr. Bergström vor überzogenen Erwartungen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 29. Juni 2017 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 17:25 Uhr