Sodbrennen Neue Studie: Magensäureblocker können Allergien auslösen

Sodbrennen ist eine Volkskrankheit. Ein Brennen im Oberbauch, der Magen drückt und man stößt sauer auf. Viele Menschen kennen diese Symptome, die in extremen Fällen gravierende Folgen wie Entzündungen und Geschwüre im Magen haben können. In den 1990er-Jahren kamen Medikamente auf den Markt, die von nun an das Sodbrennen sehr effektiv bekämpften: Säureblocker.

Verschiedene Pillen und Kapseln liegen auf einem weißem Untergrund.
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Dass diese Medikamente, die sogenannten Protonenpumpenhemmer, Nebenwirkungen haben können, ist schon länger bekannt. Doch nun hat eine Studie aus Österreich eine weitere unangenehme Folgeerscheinung ermittelt, die bislang nicht bekannt war.

Zusammenhang zweier Erkrankungen entdeckt

Forscher der Universität Wien haben Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Dabei sind sie auf einen Zusammenhang zwischen zwei Erkrankungen gestoßen: Patienten, die bereits einen Magensäureblocker eingenommen hatten, nahmen mit doppelter Wahrscheinlichkeit später ein Medikament gegen Allergien ein, als Patienten, die keine Säureblocker verwendet hatten. Besonders häufig seinen Frauen von dieser Folgeerscheinung betroffen, wie das Forscherteam im Fachmagazin "Nature Communications" betont.

Magensäureblocker nicht unbedarft einnehmen

Stilisierte darstellung eines brennenden Magens im Querschnitt.
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Die Wissenschaftler vermuten, dass der veränderte Säurewert im Magen für die Allergien verantwortlich ist. Proteine, die über die Nahrung aufgenommen würden, könnten nach Einnahme des Medikaments nicht mehr so gut vom Magen zerlegt werden. Dies, so schlussfolgern die Forscher, löse gegebenenfalls die Allergien aus. Deshalb rät auch der deutsche Mediziner Ulrich Fölsch vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, die Magensäureblocker nicht unbedarft einzunehmen. Sie sollten außerdem nach einiger Zeit wieder abgesetzt werden. Manche Patienten nähmen diese Medikamente jahrelang ein. Magensäureblocker sind in Deutschland rezeptfrei erhältlich.

Nebenwirkungen, die schon länger bekannt sind

Calcium-Mangel
Wenn dauerhaft Magensäure fehlt, entsteht ein Calcium-Mangel. Schon wer ein Jahr lang regelmäßig Magensäureblocker einnimmt, erhöht sein Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche. Denn ohne Magensäure kann der Körper kein Calcium mehr aus der Nahrung aufspalten; er geht dann an die Reserven - die Knochen.

Lungenentzündung
Auch das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, steigt. Die Magensäure, die die Bakterien normalerweise abtötet, fehlt. Die Bakterien können so vom Magen-Darm-Trakt über die Speiseröhre zum Kehlkopf und von dort in die Lunge wandern.

Clostridien-Infektion
Ohne die Magensäure können sich auch die aggressiven Clostridien-Bakterien im Darm ansiedeln. Eine Folge ist heftiger Durchfall. Viele Antibiotika wirken gegen diese Bakterien nicht, da sie ständig neue Sporen bilden.

Vitamin B12-Mangel
Säureblocker hemmen auch die Aufnahme von Vitamin B12 und das kann dem Gehirn schaden. Das Demenz-Risiko steigt bei einer dauerhaften Einnahme der Protonenpumpenhemmern.

Alternativen zu Magensäureblockern

Wer unter einer Form von Sodbrennen leidet, die nicht auf die Einnahme anderer Medikamente oder einer Erkrankung zurückzuführen ist, könnte zunächst selbstkritisch seine Ernährungsgewohnheiten überprüfen.
Wer jedoch mit eigener Achtsamkeit und nur in akuten Fällen mit Säureblockern nicht weiterkommt, der kann es bei starken Dauerbeschwerden auch mit einer Operation versuchen. Inzwischen gibt es sogenannte Sodbrennen-Schrittmacher, die in einer vergleichsweise kleinen Operation eingesetzt werden können. Hauptsache Gesund hat eine solche OP begleitet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | HAUPTSACHE GESUND | 24. Januar 2019 | 21:00 Uhr