Medizin Hoffnung: Forschende aus Halle machen Malaria-Wirkstoff anwendbar

Alle zwei Minuten holt sich die Malaria ein Kind, meistens ein kleines unter fünf Jahren. Etwa 270.000 Kinder sind allein 2019 gestorben. Forschende aus Halle haben eine praktikable Anwendung für einen vielversprechenden Wirkstoff entwickelt.

Krankenhaus der Rosminian Fathers und Usambara Sisters in Kwalukonge
Malaria gehört weltweit zu den tödlichsten Infektionskrankheiten. Jährlich infizieren sich mehr Menschen als bislang mit dem Corona-Virus - vor allem Afrika ist betroffen. Moskitonetze sind ein wirksamer Schutz - hier liegt eine Frau ein einem Krankenhaus in Tansania. Bildrechte: imago images/Joerg Boethling

Malaria gehört weltweit zu den tödlichsten Infektionskrankheiten. Während das Corona-Virus mit für knapp 180 Millionen Infektionen eineinhalb Jahre brauchte, schüttelt sich der Malaria-Erreger seit Jahrzehnten locker - jedes Jahr erneut - über 220 Millionen Infektionen aus der Hand. Insgesamt sterben jährlich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa knapp eine halbe Million Menschen an Malaria oder ihren Folgen.

Alle zwei Minuten holt sich die Malaria ein Kind

Für Kinder ist die Fieberkrankheit die häufigste Todesursache weltweit. Alle zwei Minuten holt sich die Malaria ein Kind, meistens ein ganz kleines, noch keine fünf Jahre alt. Das macht 31 Tote in der Stunde, 751 am Tag und über 274.000 Kinder im Jahr, deren Leben endet, bevor es richtig begonnen hat.

Afrika ist am stärksten betroffen

Die Anopheles-Mücken, die Malaria übertragen können, sind bislang vor allem in Afrika verbreitet. Etwa 94 Prozent der weltweiten Malaria-Fälle stammen laut WHO aus der afrikanischen Region. Dort fehlt das oft das Geld und auch die Lobby zur Bekämpfung der schwierigen Infektionskrankheit.

Fiebermücke, Makroaufnahme: Mücke mit langem Körper und nach hinten geklappten Flügeln sitzt auf der Haut
Die Anopheles-Mücken übertragen die Malaria übertragen. Laut Prognosen können sie durch den Klimawandel auch von Afrika gen Europa wandern.s Bildrechte: imago/blickwinkel

Vielversprechendes Mittel bislang ohne Einsatz

Ein vielversprechendes Mittel zur Bekämpfung der Krankheit ist die Substanz Artemisone. "In Laborversuchen konnte der Wirkstoff Artemisone bereits sehr gute Ergebnisse im Kampf gegen die schädlichen Parasiten erzielen. Allerdings kommt er bisher noch nicht zum Einsatz", erklärte Professor Karsten Mäder vom Institut für Pharmazie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). "Die Substanz ist zu instabil, wird vom Körper nicht gut aufgenommen. Bisherige Zubereitungen waren sehr aufwändig herzustellen."

Ein großer Schritt

Mäders Team von der MLU ist jetzt zusammen mit Forschenden der Hebräischen Universität Jerusalem ein wichtiger Fortschritt gelungen: Sie haben ein sehr einfaches Zubereitungsverfahren entwickelt, wodurch der Wirkstoff besser verabreicht und zuverlässig gelagert werden könnte. Über ihre Arbeit berichten die Forschenden im Fachjournal "Antimicrobial Agents and Chemotherapy".

Mix mit anderen Substanzen

"Für Artemisone haben wir eine neue Formulierung entwickelt, die im Grunde auf dem Vermischen des Wirkstoffs mit anderen Substanzen basiert. Das ist ein sehr einfacher Prozess, der zu einer deutlich stabileren Form führt und der auch in einfachen Laboren oder Fabriken durchgeführt werden kann", sagt Mäder. Sein Team am Pharmazeutischen Institut in Halle ist auf die Konzeption und Herstellung von sogenannten Arzneistoff-Trägersystemen spezialisiert. Ziel ist es, Wirkstoffe so aufzubereiten, dass verschiedene Eigenschaften optimiert werden, zum Beispiel die Wirksamkeit, die Aufnahme im menschlichen Körper oder die Stabilität der Substanz.

Malaria-Erreger (Plasmodium) in einer Blutzelle
Der Malaria-Erreger (Plasmodium) nistet sich in Blutzellen ein und zerstört sie. Das führt zu Blurarmut und Organversagen. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Tests in Jerusalem

An der Hebräischen Uni in Jerusalem wurde die neue Substanz an einem Tiermodell für schwere Malaria getestet. "Der Körper nahm sie gut auf und konnte die Parasiten erfolgreich bekämpfen", erklärten die Forscherinnen und Forscher. Zudem sei eine geringere Menge an Artemisone nötig gewesen als bei bisherigen Zubereitungen. "Das ist mit einem Vorteil verbunden: Bei einer geringeren Dosis ist auch mit weniger Nebenwirkungen zu rechnen", erklärte Mäder.

Auch bei Wurminfektionen hilfreich

Die Entdeckung der Hallenser hat einen weiteren Vorteil: "In einer früheren Studie konnte das Team zeigen, dass die neue Wirkstoffzubereitung auch für die Behandlung der Wurminfektion Schistosomiasis sehr effizient ist", hieß es. Diese Krankheit sei in den Tropen ebenfalls weit verbreitet und bedürfe dringend Medikamente.

Weitere klinische Studien notwendig

Bevor der Wirkstoff als Medikament beim Menschen eingesetzt werden kann, müssen umfangreiche klinische Studien durchgeführt werden. Zu diesem Zweck ist Mäder im Gespräch mit mehreren Organisationen, die sich für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung in Afrika einsetzen.

Originalpublikation:

Zur Studie: Zech J. et al. Efficient Treatment of Experimental Cerebral Malaria by an Artemisone-SMEDDS System: Impact of Application Route and Dosing Frequency. Antimicrobial Agents and Chemotherapy (2021). Doi: 10.1128/AAC.02106-20

2 Kommentare

MDR-Team vor 5 Wochen

@Emil Kaminsky,
worauf genau wollen Sie mit Ihrem Kommentar hinweisen?

Emil Kaminsky vor 5 Wochen

Forschende ! Man muss nicht überall mitmachen.

Ein Elefant. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK