Schild über einer Tür von zwei Physikern in einem renommierten Forschungsinstitut in Halle
Macht vielen Menschen keinen Spaß, kann aber sehr nützlich sein: Mathmatik Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Mathematik Die Formel für die Liebe

Langweilig, kompliziert und realitätsfern: Wozu brauchen wir das später denn überhaupt? Diese Frage haben sich wohl alle Schüler früher oder später einmal gestellt, die nicht ganz so gut im wahrscheinlich unbeliebtesten Schulfach der Welt waren - der Mathematik. Doch tatsächlich nutzen wir in unserem Alltag ständig unsere Mathematikkentnisse und merken es oftmals noch nicht einmal. Würden wir sie dagegen bewusst einsetzen und fördern, würde uns das das Leben sogar noch etwas leichter machen.

Schild über einer Tür von zwei Physikern in einem renommierten Forschungsinstitut in Halle
Macht vielen Menschen keinen Spaß, kann aber sehr nützlich sein: Mathmatik Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Die Mathematik ist die Wissenschaft, mit der man alles verstehen kann, heißt es. Die Mathematik zu verstehen, fällt dagegen vielen Menschen schwer. Doch die Mühe lohnt sich: Schon ein paar grundsätzliche Mathematik-Kentnisse, die im richtigen Moment angewendet werden, reichen, um im Alltag ein paar Vorteile zu haben. Dabei geht es aber nicht allein ums Rechnen können. Nein, die Frage ist eher, ob Mathe dabei helfen kann die große Liebe zu finden, besser im Sport zu sein oder sogar der beste Pokerspieler am Kneipentisch zu werden?

Besser im Sport werden

Nahaufnahme der Sportschuhe einer Joggerin im Wald
Auch beim Ausdauersport hilft Mathematik. Bildrechte: Colourbox.de

Im Sport hat die Mathematik in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Denn wer Leistungen beurteilen will, muss rechnen können. Und ohnehin ist der Sport untrennbar mit Zahlen verbunden: Ergebnisse werden in Zahlen gemessen, Tausendstel Sekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage, Weltrekorde beeindrucken mit hohen Werten. Und auch beim Thema Statistik weiß der Mathematiker Rat. Vor allem Profisportler profitieren von der mathematischen Optimierung ihres Trainings. Aber nützt mir das auch etwas als Hobbysportler?

Auch Freizeitsportler sind gut beraten, ihre Körperfunktionen bei ausgiebigem Training zu überwachen. Mithilfe von Fitnessarmbändern können nicht nur Distanz und Geschwindigkeit gemessen werden, sondern etwa auch der Blutdruck oder die Herzfrequenz. Und die sollte beim Ausdauertraining in einem bestimmten Bereich liegen - abhängig vom Alter und dem körperlichen Zustand. So kann man nicht nur effektiv, sondern auch möglichst gesund trainieren. Für die grobe Orientierung gilt hier eine einfache Formel:

Männer: 220 – Lebensalter = maximale Herzfrequenz
Frauen: 226 – Lebensalter = maximale Herzfrequenz

Die große Liebe finden

Mathematik und die Liebe scheinen auf den ersten Blick nicht besonders viel miteinander zu tun zu haben. Doch tatsächlich kann sie dabei helfen, das große Liebesglück zu finden - gerade in Zeiten des Onlinedatings.

Eine Zauberformel für die Liebe?

Wenn Mathematik in der Liebe helfen soll, dann muss es doch so eine Art Zauberformel geben? Zahlreiche Wissenschaftler haben genau diese universelle Liebesformel gesucht und einige meinen, sie sogar gefunden zu haben.

Eine Frau und ein Mann sitzen auf einem Teppich mit Herz-Muster vor ihren Laptops
Kann man den richtigen Partner errechnen? Bildrechte: Colourbox.de

Ein Forscherteam der Universität Iowa etwa hat eine Methode entwickelt, die die Chancen erhöhen soll, im Internet den richtigen Partner zu finden und ahmt dabei Methoden von Medienkonzernen wie Netflix oder Amazon nach. Die nutzen sie, um Kunden zu gewinnen und vor allem zu binden - wie in einer Beziehung eben. Die Methode stützt sich auf Meinungen, "Likes" und Empfehlungen, die Menschen im Internet hinterlassen und auf ihre Interessen, die sie dadurch preisgeben. Das mathematische Verfahren der US-Amerikaner wertet diese Daten von zwei potentiellen Partnern aus und errechnet so, wie gut zwei Menschen zusammenpassen. So steigen die Chancen, einen passenden Partner zu finden, um ganze 40 Prozent - sagen zumindest die Forscher aus Iowa. Was der Algorithmus leider nicht vorhersagen kann, ist, ob ein Paar dann tatsächlich gemeinsam glücklich wird. Eine andere Studie sagt, dass unser Liebesglück von der Zahl fünf abhängt: Erst nach fünf ernsthaften Beziehungen kennen wir uns so gut, dass wir wissen, was wir beim anderen suchen. Das ist wohl eher eine gewagte Theorie.

Der Beziehungsforscher, der zu den bekanntesten Wissenschaftlern zählt, die die Liebe mithilfe der Mathematik erforschen, ist John Gottmann. Der US-amerikanische Psychologie-Professor behauptet, eine Methode entwickelt zu haben, mit der er mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen könne, ob ein Paar verheiratet bleibt oder sich nach vier bis sechs Jahren trennt. In seinen Forschungsarbeiten gibt er aber auch Ratschläge, wie man eine glückliche Beziehung führt - alles mithilfe von systematischer Beobachtung tausender Paare und der statistischen Auswertung der Daten.

Miese Quote: Nur alle elf Minuten verliebt sich ein Single?

Auch wenn "Liebesformeln" wie etwa die aus Iowa nicht automatisch für die große Liebe sorgen, kann die Mathematik Dating-Portale im Internet doch unterstützen. Mit solchen Berechnungen können immerhin diejenigen aussortiert werden, die gar nichts gemeinsam haben. Findet man im Internet wirklich die große Liebe? Dating-Portale wie "ElitePartner", "LoveScout" oder "Parship" versprechen das zumindest. Aber bevor man Geld in deren Dienste investiert und auf Werbeversprechen hereinfällt, sollte man vorher lieber kurz nachrechnen.

"Parship" etwa verspricht: Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über ihre Plattform. Klingt gut, oder? Klingt aber nur gut, ist es tatsächlich nämlich überhaupt nicht. Mit der Werbung hat es das Dating-Portal sogar zur "Unstatistik des Monats" geschafft. Denn mit etwas Wahrscheinlichkeitsrechnung stehen die Chancen gar nicht mehr so gut: Wenn auf Parship geschätzte fünf Millionen Mitglieder einen Partner suchen und sich in Deutschland alle zehn Minuten sogar zwei Singles verlieben, dadurch aus dem Mitglieder-Pool rausfallen und durch zwei neue ersetzt würden, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Mitglied, sich zu verlieben, gerade einmal bei kaum mehr als zwei Prozent pro Jahr, rechnet das Unstatistik-Blog vor. Online-Partnerbörsen könnten also vielleicht doch keine so gute Idee sein - denn zumindest scheint die Erfolgswahrscheinlichkeit hier auch nicht eklatant höher als anderswo zu liegen.

Das sind die skurrilsten Wahrheiten über den Mathe-Unterricht

Kneipenmathematik: 77 - Dein Alter + 40 = Dein Geburtsjahr
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Kneipenmathematik: 77 - Dein Alter + 40 = Dein Geburtsjahr
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Denke an eine Zahl zwischen 0 und 30. Rechne 40 dazu, multipliziere mit 3, ziehe 2 ab. Schließe jetzt deine Augen. Dunkel, oder?
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Dieser Moment, wenn deine Freunde nach einer Klausur diskutieren, ob das Ergebnis 80 oder 79 war. Und du hast -4 raus.
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Ein Mathebuch ist der einzige Ort, wo es normal ist, 50 Melonen zu kaufen.
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Matheaufgaben aus dem echten Leben: 3 Hasen kaufen 9 Brote. Wie viele Traktoren machen Abitur, wenn Oma 4 Hamster hat?
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Sicherer hoch pokern

"Glück in der Liebe, Pech im Spiel", heißt es in einem bekannten Sprichwort. Doch auch Verliebte können sich dank der Mathematik an ein Spielchen heranwagen. Nicht umsonst gibt es mit der Spieltheorie ein ganzes Forschungsfeld, das sich um dieses Thema dreht.

Wie wäre es etwa mit einer Runde Poker? Denn dieses "Glücksspiel" hat mehr mit Mathe zu tun, als man zunächst vermutet. Beim Pokern haben nämlich nicht nur diejenigen einen Vorteil, die gute Nerven und ihre Emotionen im Griff haben, sondern auch die Spieler, die besonderes gut im Kopfrechnen sind. Und auch beim Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung sollten sie in der Schule aufmerksam zugehört haben. Mithilfe von Mathematik wird man also zu einem besseren Pokerspieler.

Beim Poker ist es nämlich möglich anhand des eigenen Blattes und der Karten, die auf dem Tisch liegen, die Wahrscheinlichkeit errechnen zu können, mit der eine bestimmte Karte gezogen wird. Im Idealfall wissen sie im Spielverlauf immer genauer, welche Karten ihre Mitspieler wie wahrscheinlich auf der Hand haben. Zusätzlich müssen auch noch die "Outs" (Karten, die ich benötige, um mein Blatt zu verbessern) und die "Pot Odds" (Wahrscheinlichkeit einen Gewinn zu erzielen) berechnet werden. Sinnvoll ist außerdem, zu wissen, wann Schluss ist. Dazu können Spieler die Gewinnerwartung berechnen. Je nachdem ob die Rechnung Einsatz minus Gewinnwahrscheinlichkeit ein positives oder negatives Ergebnis hat, sollte man weiterspielen oder es lieber lassen. Poker ist also in vielerlei Hinsicht eher ein Strategie- als ein Glücksspiel. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Präsident des Deutschen Poker Sportbundes, Stephan Kalhamer, studierter Mathematiker ist.

Die optimalen Entscheidungen treffen

An vielen Punkten im Leben müssen wir wichtige Entscheidungen treffen. Vielen Menschen fällt das ziemlich schwer. Doch sogar beim Entscheiden kann Mathematik helfen - und das sogar so gut, dass wir bessere oder zumindest "optimalere" Entscheidungen treffen. Dabei hilft zum Beispiel die sogenannte Odds-Strategie (den Begriff kennen wir schon vom Pokern) von F. Thomas Bruss. Das mathematische Verfahren stammt aus der Entscheidungstheorie und dient dazu, eine optimale Gelegenheit aus einer Folge von Ereignissen auszuwählen.

Sie hilft also bei Fragen wie diesen: Wann ist der richtige Zeitpunkt ein Haus zu kaufen? Oder welches Jobangebot soll ich annehmen? Die Odds-Strategie gilt als mathematisch optimal, soll sie doch aus allen Gelegenheiten die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit letzte Gelegenheit wählen, die besser als alle vorherigen Ereignisse ist - also zum Beispiel die günstigste Immobilie oder das beste Jobangebot. Das einzige Problem: Die Formel ist dann doch etwas kompliziert. Aber für die Berechnung optimaler Entscheidungen lohnt sich das Mathe-Lernen dann ja vielleicht doch.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | MDR JUMP am Wochenende | 06. Januar 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2018, 14:43 Uhr