Schlange an einer Supermarktkasse
Gefühlt ist die eigene Schlange immer die langsamste. Bildrechte: imago/Geisser

Mathematik des Einkaufens So kommen Sie am schnellsten durch den Supermarkt

Wochenendeinkauf: Der ganz normale Wahnsinn. Wo steht jetzt eigentlich schon wieder die Milch? Ist die große oder die kleine Packung günstiger? Und warum steht man dann eigentlich immer an der langsamsten Kasse? Für all diese Fragen gibt es eine Lösung: Mathematik! Denn wer in Mathe aufgepasst hat, spart im Supermarkt so einiges an Nerven.

Schlange an einer Supermarktkasse
Gefühlt ist die eigene Schlange immer die langsamste. Bildrechte: imago/Geisser

Im Zick-Zack durch den Markt

Frau kauft im Supermarkt Bananen ein
Die Wahrscheinlichkeit Bananen zu finden, ist in der Frischeabteilung am größten. Bildrechte: Colourbox

Wer durch das Labyrinth eines großen Supermarktes navigieren will auf der Suche nach bestimmten Produkten wird - eher unbewusst - die Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung in Anspruch nehmen. Denn wenn wir nicht wissen, wo genau ein Produkt liegt, wenden wir eine bestimmte Strategie an: Der Kunde wird auf der Suche nach Joghurt gezielt nach der Kühltheke suchen, bei der Banane nach der Frischeabteilung Ausschau halten und das Wasser in der Getränkeabteilung vermuten, statt jedes Mal in allen Gängen nach den Produkten zu fahnden. Erst an dem Ort, an dem das Produkt wahrscheinlich zu finden ist, wird die Suche intensiviert. Diese Suchwege heißen "Lévy Walks" - benannt nach dem französischen Mathematiker Pierre Lévy. Er erkannte hinter diesem Muster aus wenigen langen und sehr vielen kurzen Wegen als erster ein mathematisch-statistisches Prinzip.

Nicht in die Preisfalle tappen

Nicht alles, was wie ein Schnäppchen aussieht, ist auch eins. Großpackungen sollen uns nämlich suggerieren, dass sie besonders günstig sind - klar, es muss ja auch einen Grund haben, dass es die XXL-Packungen gibt! Oder ist das ein Trick? Hier hilft ein bisschen Kopfrechnen schon weiter: Denn damit die Preise vergleichbar sind, müssen die Supermärkte den Grundpreis pro Gewicht angeben - also bei Getränken pro hundert Milliliter/Liter, bei Lebensmitteln pro hundert Gramm/Kilogramm.

Die Kosten überschlagen

Beim Einkaufen ist wohl nichts so peinlich, wie an der Kasse nicht genug Geld dabei zu haben. Besonders diejenigen, die nicht so ein großes Budget haben, können solche Situationen mit etwas Gehirnjogging dank Kopfrechnen vermeiden. Doch bei den oft krummen Produktpreisen ist das gar nicht so einfach. Da hilft: runden oder überschlagen. Wenn man die Produktpreise im Wagen immer auf runde Beträge überschlägt, mit denen sich einfach rechnen lässt, fällt das Mitrechnen gar nicht mehr so schwer. Die einfachste Methode: nur die Euro mitzählen, alles hinter dem Komma weglassen. Und wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich mal nicht an die Mathe-Regel und rundet einfach immer auf. Und an der Kasse gibt es so sogar noch was zurück.

Die schnellste Kasse finden

Voller Einkaufswagen
Voller Wagen kein großes Hindernis Bildrechte: IMAGO

Die "New York Times" hat einen Mann gefunden, der die Lösung für das größte aller Supermarkt-Rätsel kennen will: Warum scheint immer die Kasse, an der man selbst ansteht, die langsamste zu sein? Und wie erkennt man eigentlich die schnellste? Dan Meyer ist Chef der Mathematik-Lernplattform Desmos und hat sich die Sache mit der Kasse ganz genau angesehen: "Jeder braucht eine feste Zeit zum Hallo-Sagen, zahlen, verabschieden, einpacken", sagt Meyer. Nach seinen Untersuchungen sind das im Schnitt 41 Sekunden oder, anders gerechnet, drei Sekunden pro Artikel auf dem Band. Das heißt, die Menge der Artikel in den Körben der Vorgänger ist ein Anhaltspunkt bei der Wahl der Kassenschlange.

Aber lieber viele Kunden mit wenig Artikeln oder wenige Kunden mit vollen Körben? Lieber an die Großeinkäufer halten: Das scannen geht schnell - der Bezahlvorgang ist der große Zeitfresser! Statistische Erhebungen bestätigen das. Rund 60 Prozent der Arbeitszeit einer Kassiererin entfallen auf Kassieren und Umtauschen, nur 40 Prozent auf das Scannen.  

Auch die Psychologie hat ihre Tricks

Neben der Mathematik hat übrigens auch noch die Psychologie einen Tipp für die optimale Kassen-Wahl: Weil die meisten von uns Rechtshänder sind, stellen sie sich eher an der rechten Kasse an. Deshalb lieber links halten.

Und auch ein Blick auf die Kassiererin oder den Kassierer kann sich lohnen: New Yorker Anstehprofis behaupten, dass die Kassiererin die bessere Wahl ist. Wichtiger ist aber vermutlich ein kurzer Blick: Wie schnell scannt sie/er? Redet sie/er viel mit den Kunden? Wirkt sie/er souverän oder genervt?

Experimente mit Automatikkassen sollten das Problem lösen. Offenbar ohne Erfolg. Nicht einmal ein halbes Prozent der Supermärkte besitzt solche Kassen. Alternativ wäre auch das sogenannte amerikanische Wartesystem denkbar. Eine Schlange, die vorn auf die Kassen verteilt wird. Das geht in vielen Supermärkten räumlich nur schwer. Und auch psychologisch ist es eher bedenklich. Angeblich, so die Forschung, ziehen wir Einzelschlangen vor.

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2018, 07:00 Uhr