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SpaceX Crew 3 zur ISS

Erfolgreich gestartet: Matthias Maurer forscht für eine bessere Zukunft auf der Erde

von Patrick Klapetz

Stand: 16. November 2021, 08:23 Uhr

Matthias Maurer ist mit der SpaceX Crew-3 sicher in den Weltraum aufgebrochen. Er ist der 600. Mensch, der je ins All geflogen ist. Auf der Internationalen Raumstation ISS soll er während seiner "Cosmic Kiss"-Mission an mehr als 100 Experimenten arbeiten. Seine Forschung "hilft hoffentlich dann den älteren Menschen auf unserem Planeten", erzählte er MDR WISSEN.

11. November 2021, 03:03 Uhr MEZ - die Falcon 9 von SpaceX ist erfolgreich gestartet. An Bord die Crew 3 mit ESA-Astronaut Matthias Maurer. Bildrechte: NASA

Es hat endlich geklappt: Am 11. November um 03:03 Uhr (MEZ) ist die "Crew 3"-Mission von SpaceX erfolgreich in den Orbit aufgebrochen. Das "Crew Dragon"-Raumschiff des privaten Raumfahrtunternehmens hob pünktlich vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral an der Küste Floridas ab. Nach weniger als drei Minuten erreichten die vier Astronauten bereits eine Höhe von über 100 Kilometern und damit den Weltraum, etwa neun Minuten später auf 200 Kilometer Höhe trennte sich das Raumschiff von der zweiten Raketenstufe und begann seinen Flug zur ISS. An Bord ist der deutsche ESA-Astronaut und Materialwissenschaftler Matthias Maurer, der auch eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra mitgenommen hat. Maurer ist Missionsspezialist 1, seine Kollegin Kayla Barron von der NASA ist Missionsspezialistin 2. Kommandant ist Raja Chari (NASA) und Thomas Marshburn (ebenfalls NASA) ist der Pilot der Mission.

Matthias Maurer (Mitte) winkt in die Kamera. Links der Blick hinter die Crew Dragon-Kapsel, wo sich wenige Sekunden zuvor die 2. Raketenstufe abgetrennt hat. Bildrechte: NASA

Bevor das Raumschiff an die Internationalen Raumstation ISS andocken soll (12.11., 01:10 Uhr MEZ), wird es ungefähr 22 Stunden unterwegs sein. Anschließend wird es am Freitag gegen 03:20 Uhr unserer Zeit eine kleine Begrüßungszeremonie geben, bevor die Astronauten etwas Zeit für sich selbst haben. Für Maurer die Chance, in der Aussichtskuppel der ISS, der Cupola, ganz allein einen Blick auf die Erde zu werfen, wie er MDR WISSEN erzählte.

Jeden Tag habe ich sechzehnmal Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und die allererste Weltreise, die möchte ich einfach nur genießen. Einfach nur für mich.

Matthias Maurer, deutscher ESA-Astronaut

Forschen für ein besseres Leben auf Erden

Anschließend beginnt dann die Arbeit des Missionsspezialisten, auf die er sich bereits freut: "Ich habe in meinem Gepäck zwischen 100 und 150 verschiedene Experimente, an denen ich teilnehme. Manche laufen schon länger, manche bringe ich ganz neu mit hoch." Allein 36 dieser Experimente sind mit deutscher Beteiligung entstanden. Eines dieser Experimente soll Keime an der Oberfläche abtöten.

Das ist jetzt gerade in Zeiten der Pandemie natürlich ein ganz tolles Projekt. Wenn wir zum Beispiel Türklinken oder Knöpfe im Fahrstuhl, die jeder immer wieder anfasst, so gestalten können, dass man darüber keine Keime mehr übertragen kann.

Matthias Maurer

Er hat aber auch andere "werkstoffwissenschaftliche Experimente" dabei, wie neue Materialien, die man im All erschmelzen und erproben will. Dafür nutzt er "verschiedene Öfen zum Aufschmelzen von Metallen", die sich auf der Raumstation befinden. Metalle, die später vielleicht Eingang in die Entwicklung neuer Motoren finden.

Da die menschliche Zukunft zum Mond führen soll, wird man auf der ISS auch an neuen Betonmischverfahren arbeiten. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR heißt es: "Matthias Maurer [soll] erstmals untersuchen, wie verschiedene Betonmischungen – bestehend aus Zement, Sand beziehungsweise dem 'Mondstaub' Regolith zusammen mit verschiedenen Zusätzen wie Luftporenbildnern und Wasser in Schwerelosigkeit aushärten." Mit dem Concrete-Hardening-Projekt soll ein "Baumaterial für Habitate bei Mond und Mars-Missionen als auch zum nachhaltigen Hausbau auf der Erde" entstehen.

Die Besatzung der SpaceX Crew-3 Mission, die zur Internationalen Raumstation ISS unterwegs ist (v.l.n.r.): Matthias Maurer (ESA, Missionsspezialist, Thomas Marshburn (NASA, Pilot), Raja Chari (NASA, Commander) und Kayla Barron (NASA, Missionsspezialistin). Bildrechte: SpaceX

Mauer soll ebenfalls der erste Astronaut sein, der sich näher mit dem neuen KI-Computer CIMON auseinandersetzen soll. Denn der selbstlernende Computer könnte Menschen dabei helfen, ein längeres selbstbestimmtes Leben zu leben, erklärt der Astronaut. Außerdem sollen die ganzen Daten, die gesammelt werden, zurück zur Erde fließen, um "hoffentlich dann den älteren Menschen auf unserem Planeten" helfen zu können. Denn eines haben das Alter und ein Leben in der Schwerelosigkeit gemeinsam: Die Knochen und die Muskulatur bauen schneller ab. Außerdem wird das Immunsystem schwächer. 

Mit der "Cosmic Kiss"-Mission wolle man auch verstehen, wie diese Krankheiten entstehen. Deshalb wird Maurer während seines sechsmonatigen Aufenthaltes auf der ISS auch einige Tests über sich ergehen lassen. Vielleicht helfen ja Sport oder eine bessere Ernährung, fragt sich der Saarländer. Um Daten für möglicherweise neue Medikamente zu sammeln, werden Mauer und die anderen Astronautinnen und Astronauten etliche Urin-, Speichel-, Stuhl- und Blutproben abgeben. Alles, um den Menschen auf der Erde ein besseres Leben zu verschaffen. 

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Matthias Maurer: Erst Weltall, dann Halle

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Matthis Maurer fliegt mit der Himmelsscheibe zur ISS

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