Ein etwa vierjähriges Märchen liegt auf dem Fußboden und schaut sich etwas auf einem Smartphone an.
Bildrechte: imago/Westend61

Leipziger Studie: LIFE Elektronische Medien führen zu auffälligem Verhalten bei Vorschulkindern

Egal ob im Café, in der Straßenbahn oder im Zug: Menschen starren auf Smartphones, Erwachsene, Jugendliche und auch immer mehr Kinder. Jetzt haben Wissenschaftler der Uni Leipzig die Mediennutzung der Kleinsten untersucht. Und sie sagen: Wer keine Verhaltensauffälligkeiten riskieren will, sollte bei Kindern im Vorschulalter mit Smartphone und Computer eher sparsam umgehen.

von Kristin Kielon

Ein etwa vierjähriges Märchen liegt auf dem Fußboden und schaut sich etwas auf einem Smartphone an.
Bildrechte: imago/Westend61

Zahllose kunterbunte Kinderhände verzieren die Wände im LIFE Child-Forschungszentrum der Universität Leipzig. In diesen fröhlichen Gängen arbeitet Tanja Poulain. Das Projekt LIFE steht für: Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen. Und das Fachgebiet von Psychologin Poulain sind Kinder. Zuletzt ist sie der Frage nachgegangen, welchen Einfluss elektronische Medien auf das Verhalten von Vorschulkindern haben. Ein Feld, für das die Forschung angesichts von immer mehr Smartphones in Kinderhänden sehr interessiert, erzählt sie.

Kinder sind halt noch klein und die Gehirne entwickeln sich auch noch - und die kleinen sich entwickelnden Gehirne sind sozusagen besonders empfindlich gegenüber allen äußeren Reizen und da gehören auch die medialen Reize, die medialen Inhalte dazu. Und es ist noch nicht ganz klar, inwieweit und ob Kinder die Flut an Informationen, die durch die Medien transportiert wird, richtig einordnen und verstehen können.

Dr. Tanja Poulain, Universität Leipzig

Für die Studie hat Poulain mit ihrem Team die Eltern von mehr als 500 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren befragt: Zum einen zum Medienkonsum der Kinder und zum anderen zu deren Verhalten. Nach genau einem Jahr haben die Forscher die Eltern dann ein zweites Mal befragt. So konnten sie eine Entwicklung feststellen, erklärt die Wissenschaftlerin:

Wir konnten zeigen, dass Kinder, die zum ersten Erhebungszeitraum häufiger Smartphone und Computer nutzten, ein Jahr später häufiger oder mehr Verhaltensauffälligkeiten zeigten - vor allem in Hinblick auf emotionale Probleme und Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit -, als die Kinder, die diese Medien zum ersten Erhebungszeitpunkt noch nicht konsumiert hatten.

Tanja Poulain – Universität Leipzig
Ein Kleinkind spielt mit einem Smartphone
Bildrechte: Colourbox.de

Auch andersherum konnten die Forscher einen ähnlichen Effekt feststellen: Die Kinder, die häufiger Probleme mit Gleichaltrigen hatten, haben ein Jahr später eher dazu geneigt Computer und Smartphones zu benutzen. Doch woran liegt das? Eine schwierige Frage, sagt Poulain. Bisher wisse man noch nicht, ob es vielleicht an der Menge des Medienkonsums oder den Inhalten liege. Es gebe aber Studien, die nahe legen, dass elektronische Medien für kleine Kinder einfach "zu schnell" sein könnten, was den Bilderfluss, als auch die vermittelten Inhalte angeht. Zum Vergleich: Beim Buch anschauen entscheiden Kinder selbst, wann sie weiterblättern, oder wie lange sie sich ein Bild anschauen. Oder bei einem Brettspiel - hier entscheiden die Kinder ebenfalls selbst, wann sie würfeln und wie schnell oder langsam sie ihre Figuren bewegen. Die Wissenschaftlerin rät Eltern dazu, Vorsicht walten zu lassen in Sachen Computer und Smartphone. Bis zum Alter von drei Jahren sollten Kinder gar keine elektronischen Medien konsumieren und danach maximal eine halbe Stunde täglich, rät Forscherin Poulain.

Wichtig wäre noch, die Kinder nicht einfach vor dem Smartphone 'abzustellen', damit man vielleicht in Ruhe Wäsche waschen kann. Man tut seinem Kind damit nicht unbedingt was Gutes. Man sollte auch genau kontrollieren, welchen Medien die Kinder ausgesetzt sind, also welche Inhalte vermittelt werden.

Und natürlich sollte man die Kinder bei der Nutzung der Medien möglichst nicht allein lassen, so die Psychologin. Die Studie belegt Poulain zufolge, dass sich Medienkonsum und Verhaltensauffälligkeiten im Vorschulalter gegenseitig bedingen und aufschaukeln können. Warum das so ist, will sie noch genauer untersuchen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 18. Mai 2018 | 09:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 15:34 Uhr