Infektion Mehr Todesfälle durch Borna-Virus in Deutschland

Vom Borna-Virus wurde lange Zeit angenommen, dass es nur Nutztiere wie Schafe und Pferde befällt. An einer Infektion mit Borna-Viren - das hat nun eine Studie ergeben - sind in Deutschland in den vergangenen Jahren mehr Menschen gestorben als bisher bekannt. Wie gefährlich ist der Erreger?

Anitkörpernachweis zum Borna-Virus im Gewebe
Anitkörpernachweis zum Borna-Virus im Gewebe Bildrechte: dpa

Die gute Nachricht lautet: Dass sich Menschen mit dem Borna-Virus infizieren, ist äußerst selten. Die Schlechte folgt: Ist der Erreger einmal da, verläuft das für Betroffene meist dramatisch.

Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt dazu, dass viele Patienten zu Beginn einer Infeketion an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl leiden. Bei allen sei es anschließend zu neurologischen Symptomen wie Verhaltensauffälligkeiten sowie Sprach- und Gangstörungen gekommen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung seien die Patienten innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen ins Koma gefallen. Dem RKI zufolge verliefen die wenigen bekannten Erkrankungsfälle bisher mit nur einer Ausnahme tödlich.

Virus nach Ort des Auftretens benannt

Das Virus trägt den Namen nach der Stadt Borna bei Leipzig, weil dort Ende des 19. Jahrhunderts massenhaft Militärpferde starben. Dennis Rubbenstroth vom Friedrich-Loeffler-Institut sagt, dass sich daher unter den Tierärzten und Pferdehaltern der Name Bornaische Krankheit durchgesetzt habe und später auch das Virus danach benannt worden sei.

Wissenschaftler mit Mundschutz schaut durch ein Mikroksop
2018 gab es den ersten bestätigten Fall einer Erkankung mit dem Borna-Virus bei Menschen. Bildrechte: Colourbox.de

Dass sich Pferde und Schafe anstecken und daran sterben können, ist schon länger bekannt. 2018 gab es die ersten bestätigten Fälle bei Menschen. Nun haben Wissenschaftler Hirnproben von 56 Menschen aus Bayern untersucht, bei denen in den letzten 20 Jahren eine Hirnentzündung diagnostiziert wurde. Rubbenstroth zufolge waren neun der Patienten gestorben und bei sieben von ihnen habe nachträglich das Borna-Virus nachgewiesen werden können.

Insgesamt starben seit 1995 mindestens 14 Menschen am Borna-Virus, darunter vor Kurzem ein elfjähriges Mädchen. Das Virus komme in Bayern sowie im mitteldeutschen Raum vor, so Rubbenstroth weiter. Grund zur Panik bestehe aber nicht. Man gehe nach wie vor von einer sehr niedrigen Fallzahl aus. Für die einzelnen Betroffenen sei es natürlich schwerwiegend, weil es eben in vielen Fällen eine schwierige oder tödliche Erkrankung sei.

Infektionsweg unbekannt

Wie genau sich Menschen ansteckten, ist noch nicht bekannt. Man müsse aber davon ausgehen, so der Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut, dass sie sich über den direkten oder indirekten Kontakt mit der Feldspitzmaus und ihren Ausscheidungen infizierten.

In diesen Tieren kann sich das Virus vermehren und wird von diesen auch ausgeschieden und dann von Feldspitzmaus zu Feldspitzmaus übertragen, ohne dass sie selber daran erkrankt.

Dennis Rubbenstroth Friedrich-Loeffler-Institut
Feldspitzmaus lugt zwischen Felssteinen hervor.
Tote Feldspitzmäuse sollten nur mit Handschuhen berührt werden. Bildrechte: imago/blickwinkel

Findet man eine tote Feldspitzmaus - etwa, weil eine Katze diese mit ins Haus gebracht hat - sollte der Tierkörper dem Robert Koch-Institut zufolge sicher beseitigt werden.

In einem Merkblatt heißt es, man solle unbedingt Gummihandschuhe tragen und bei bei einer Staubentwicklung zudem einen Mundschutz. Tote Spitzmäuse sollten in einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufgesammelt und mit dem Hausmüll entsorgt werden. Auch solle man tote Spitzmäuse und deren Ausscheidungen mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel besprühen.

Meldepflicht kommt

Ab März wird es eine Meldepflicht für Borna-Virus-Infektionen bei Menschen geben. Rubbenstroth verwies darauf, dass es bisher noch keine gut untersuchten oder beschriebenen Therapiemöglichkeiten bei Menschen gibt. Allerdings verfüge man über ein oder zwei Wirkstoffe, die sich im Laborversuch als wirksam erwiesen hätten. Es fehle aber noch die Erfahrung bei der Behandlung von Menschen mit diesen Wirkstoffen.

Wichtig ist nach Aussage des Wissenschaftlers, dass gerade Patienten, bei denen die Ursache einer Hirnentzündung noch nicht feststeht, auf das Virus untersucht werden. Die Zahl der Betroffenen könnte sich so in Zukunft möglicherweise erhöhen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Januar 2020 | 13:23 Uhr

1 Kommentar

part vor 30 Wochen

Leider legt die freilaufende Miez ihre Beute aber manchmal genau vor der Haustür ab um Frauchen oder Herrchen eine Freude zu bereiten, Abgewöhnung äußerst schwierig. Nebenher sollte man sich noch von Rötelmäußen fernhalten, welche ebenfalls verschiedene Vierenarten verbreiten können. Erwähnt wird hier aber nicht die Übertragung über Pferd oder Ziegen, wobei der Kontakt zu Menschen meist viel größer erscheint.