Krebsforschung Auf dem Prüfstand: Methadon bei Tumortherapie

2017 machte die Meldung Schlagzeilen: Methadon als Helfer der Tumorbekämpfung! Auf die Hoffnungswelle folgte die Skepsis der Wissenschaft und danach die Ruhe nach dem Sturm. Denn eigentlich ist Methadon ein starkes Schmerzmedikament und dafür bekannt, dass es Entzugserscheinungen Heroinabhängier lindert. Zwei Jahre später gibt es nun grünes Licht für eine klinische Studie, die aufdecken soll, was der Hoffnungsträger vielleicht auch noch kann.

Etikett auf einer Flasche mit Methadon
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Seit 2017 steht die Vermutung im Raum, dass Methadon auch tumorhemmend wirken könnte. Jetzt gibt die Deutsche Krebshilfe bekannt, dass es eine Therapiestudie an der Universitätsklinik Ulm mit 1,6 Millionen Euro geben wird. Dabei soll der Methadon-Einsatz bei Patienten mit fortgeschrittenem Dickdarmkrebs untersucht werden, und zwar in Fällen, die nicht mehr auf Chemotherapien reagieren. Erste Resultate sollen 2022 vorliegen.

Wie Methadon zum Hoffnungsträger der Krebstherapie wurde

Dr. rer. nat. Dipl.-Chem. Claudia Friesen
Dr. Claudia Friesen Bildrechte: obs/Sozietät Poppe/Universitätsklinik Ulm/H.Grandel

Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm hatte schon 2008 erste Hinweise darauf gefunden, dass Tumorzellen vermehrt absterben und weniger Widerstandskraft gegen die Chemotherapie hatten, wenn zusätzlich zur Chemotherapie auch Methadon gegeben wurde. Allerdings wurden Friesens Beobachtungen stark kritisiert.

Einer der Kritiker war Professor Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Uniklinik Heidelberg und Leiter einer Forschungsabteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Er hatte bemängelt, wenn Vermutungen ohne gesicherte Datenlage in der Öffentlichkeit diskutiert würden, könnten Patienten das Gefühl bekommen, von bestehenden Möglichkeiten abgeschnitten zu werden. Tatsächlich hatten Friesens Befunde eine breite Öffentlichkeit erreicht: 53.000 Menschen hatten eine Petition unterschrieben, in der sie weiterführende Studien zur Wirksamkeit von Methadon forderten.

Methadon-Forschung - eine Frage des Geldes

Dass jetzt weitergeforscht wird, begrüßte Wick. Die Idee, mit einer zusätzlichen Behandlung eine gewisse Chemosensibilisierung zu erreichen, sei beim Darmkrebs plausibler als bei Hirntumoren. Sowohl Wick als auch Friesen betonten, Forschungen seien auch für andere Krebsarten wünschenswert. Das wiederum ist aber eine Geldfrage: Bis heute ist unklar, ob der Staat Geld für weitere Forschungen geben wird. Im Petitionsausschuss des Bundestages hatten Vertreter des Forschungsministeriums lediglich erklärt, die Bundesregierung stehe "der Förderung klinischer Studien zum Einsatz von Methadon in der Krebstherapie offen gegenüber".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 26. September 2017 | 09:27 Uhr

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