Eine Frau kratzt sich am Arm.
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Besser nicht jucken Amputation nach Mückenstich – Einzelfall oder echte Gefahr?

Ein Schicksal aus Köln, das derzeit Aufsehen erregt: Nach einem Mückenstich werden einer Frau zwei Beine und ein Arm amputiert. Auslöser: Eine Infektion mit Streptokokken, die zu einer Blutvergiftung führte. Wer so etwas liest, der guckt seine Mückenstiche mit ganz anderen Augen an und den juckt jeder Stich prompt ganz anders. Aber ist die Mücke wirklich schuld?

Eine Frau kratzt sich am Arm.
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Eine Streptokokken-Infektionen nach einem Mückenstich - ist das also möglich? Professor Arne C. Rodloff vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Leipzig sagt im Gespräch mit MDR Wissen: "Es ist das Kratzen, mit dem wir den Bakterien Tür und Tor für eine Infektion öffnen." Immer dann, wenn die Haut durchstoßen wird, wird der Weg für Dreckpartikel und Bakterien ins Körperinnere frei. So ist zum Beispiel auch nach einem Wespenstich eine Streptokokken-Infektion möglich. Nur – jeder Körper reagiert anders auf einen Insektenstich und das lässt sich tatsächlich nicht vorhersagen:

Das findet man leider erst bei solchen Gelegenheiten heraus. Es gibt kleine Störungen im Immunsystem, die sich bei solchen Gelegenheiten zeigen. Das ist Schicksal – es kann den einen treffen, den anderen nicht.

Prof. Arne C. Rodloff

Aber es muss nicht zwingend so tragisch enden wie im geschilderten Fall in Köln: "Wenn der Mückenstich am nächsten Tag dick und rot und vielleicht größer geworden ist. Dann kann man antibiotisch behandeln, nach 24 oder 48 Stunden muss man mal gucken," rät Rudloff. Infektiologe Stefan Zimmermann von der Uniklinik Heidelberg setzt hinzu: "Auch wenn sich an der Einstichstelle Eiter bildet oder wie bei der Kölner Patientin Allgemeinsymptome - kaltschweißige Haut, Schwindelgefühl und starke Gliederschmerzen - auftreten, ist ein Arztbesuch anzuraten".

Übertragen Mücken Streptokokken?

Die Mücken selbst sind in aller Regel nicht Träger von Streptokokken, sondern können die Bakterien auf der Haut eines Menschen beim Stechen oder Saugversuch aufnehmen und dann bei einem zweiten Stich übertragen, erläutert Infektologe Stefan Zimmermann von der Uniklik Heidelberg. Möglich ist ihm zufolge auch auch, dass die Bakterien auf der Haut des Gestochenen schon vorhanden sind und durch den Saugakt in die Blutbahn gelangen.

"Mücken übertragen Viren und Würmer", erklärt Mückenexpertin Dr. Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. Es ist der Mensch selber, der den (Streptokokken-)Bakterien durchs Kratzen an der Einstichstelle den Weg für eine Infektion öffnet. Die Biologin verrät: "Es gibt fast nichts, das sauberer ist als der Saugrüssel der Mücke". Und wo wir gerade dabei sind: Die Mücke, so Walther, sitzt und krabbelt im Gegensatz zur lästigen Kollegin Fliege niemals auf Exkrementen herum und hat entsprechend saubere Füße.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 08.08.2017 | 16:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2017, 13:13 Uhr