Corona-Folgen Mysteriöse Hepatitis: Kinder mit erhöhten Leberwerten nach Corona-Infektion

Vor ungewöhnlich vielen Fällen einer schweren Hepatitis unbekannter Herkunft bei Kindern warnte erst kürzlich das US-Gesundheitsministerium. Besteht ein Zusammenhang zur einer Corona-Infektion? Kann ein erhöhtes Hepatitis-Risiko eine Corona-Langzeitfolge bei Kindern sein? Diese Frage stellten sich Forscher der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland, Ohio, erhoben hat.

ILLUSTRATION - Eine Kinderärztin begrüßt in einer Kinderarztpraxis eine Mutter und ihren kleinen Sohn (gestellte Szene).
Eine Kinderärztin begrüßt in einer Kinderarztpraxis eine Mutter und ihren kleinen Sohn (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Eine Corona-Infektion kann bei Kindern zu "akuten und langfristigen hepatischen Folgen" führen. Das ist das Ergebnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ohio. Es sei jedoch in weiteren Untersuchungen zu klären, ob die in der Studie auftretenden Leberschäden nach einer Corona-Infektion tatsächlich mit der Zunahme von Hepatitisfällen unbekannter Herkunft bei Kindern zusammenhängt, die derzeit zu beobachten ist.

Daten von etwa 800.000 Kindern

Konkret untersuchten die Forschenden, ob nach einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern die Gefahr für erhöhte Leberenzyme und Bilirubin (Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin) im Serum besteht. Dafür analysierten sie in einer retrospektiven Kohortenstudie elektronischen Patientenakten (EHR) einer landesweiten Datenbank. Die Daten umfassten die Werte von knapp 800.000 Kindern im Alter von eins bis zehn Jahren. Knapp 250.000 von ihnen hatten sich zwischen dem 11. März 2020 und dem 11. März 2022 mit Covid-19 infiziert. Etwa 550.000 Kinder waren im selben Zeitraum an einer Atemwegsinfektion (ORI) erkrankt waren, die keiner Corona-Infektion geschuldet war.

Von der Studie ausgeschlossen waren die Daten von Patienten mit den Diagnosen Krebs, Virushepatitis, α-1-Antitrypsin-Mangel und anderen Lebererkrankungen. Die Kohorten wurden hinsichtlich Alter, ethnischer Zugehörigkeit und pädiatrischem Body-Mass-Index (BMI) abgeglichen.

Erhöhtes Risiko für hohe Leberwerte

Das Ergebnis: Im Vergleich zu Kindern, die mit anderen Atemwegsinfektionen infiziert waren, hatten Kinder, die sich mit vorher mit Sars-CoV-2 infiziert hatten, ein signifikant erhöhtes Risiko für erhöhte Leberwerte, konkret für erhöhte Werte der Enzyme Aspartat-Aminotransferase (≥ 110 U/L)- oder Alanin-Aminotransferase (≥ 100 U/L)-Werte. Ebenfalls waren die Bilirubin-Werte auffällig häufig erhöht (≥ 2 mg/dl). Die Hazard Ratio für erhöhte Enzymwerte lag bei 2,52, die für erhöhte Gesamtbilirubin-Werte bei 3,35. Sehr hohe Konzentrationen dieser Werte stehen oft im Zusammenhang mit einer Hepatitis Hepatitis oder toxischen Arzneimittelwirkungen.

Was ist Hazard Ratio?

Kurzgefasst bezeichnet das Hazard die momentane Sterberate für eine Gruppe von Patienten. Das Hazard Ratio ist ein Quotient aus den Hazards von zwei Gruppen und gibt an, um wie viel die Sterberate in der einen Gruppe höher ist im Vergleich zu der Sterberate der anderen Gruppe. Das Hazard Ratio ist ein deskriptives Maß zum Vergleich von Überlebenszeiten zwischen zwei verschiedenen Gruppen von Patienten. Es ist wie ein relatives Risiko zu interpretieren (zum relativen Risiko: siehe Ressing et al. [7]) und wird in Kasten 3 näher erläutert. Beträgt das Hazard Ratio 2,3 für Patienten mit Metastasen im Vergleich zu Patienten ohne Metastasen, so ist das Sterberisiko der Patienten mit Metastasen 2,3-mal so hoch wie das der Patienten ohne Metastasen (oder auch um 130 % erhöht). Quelle Uni Kiel (pdf)

Podcast Kekulés Gesundheits-Kompass 54 min
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Über hundert Kinder mit Hepatitis in den USA

Seit einigen Wochen werden ungewöhnlich viele schwere Fälle von akuter Hepatitis bei Kindern gemeldet. Inzwischen werden weltweit 450 dieser Erkrankungen untersucht. Im Durchschnitt sind die Patienten drei Jahre alt, zeigen zwei neue Berichte. In den USA sind bis Anfang Mai 109 Fälle von mysteriösen Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern gemeldet worden, darunter fünf mutmaßlich damit in Verbindung stehende Todesfälle. Die US-Gesundheitsbehörde CDC erklärte, 90 Prozent der jungen Patienten hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen, in 14 Prozent der Fälle sei eine Lebertransplantation nötig gewesen. Die meisten Kinder hätten sich wieder vollständig erholt. Registriert wurden die Fälle demnach in 25 Bundesstaaten und Territorien der USA.

Links/Studien

Die Ergebnisse der Studie sind auf dem Preprintserver "MedRxiv" publiziert worden.
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2022.05.10.22274866v1

MDR /(kt, pm,afp)