Hirnforschung Was passiert im Gehirn beim weiblichen Orgasmus?

Was passiert im Gehirn beim weiblichen Orgasmus? Forscher glaubten bisher, dass das Gehirn weitgehend abschaltet. Eine neue Studie zeigt jetzt mit Aufnahmen aus dem MRT: Es gibt jede Menge Aktivität.

Eine leidenschaftliche Frau, leicht bekleidet
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Wissenschaft und Sexualität - wer dieses Geschäft betreibt, muss sich etwas einfallen lassen. US-Forscherin Dr. Nan Wise hat das bei ihren Untersuchungen an der Rutger University Newark/USA oft erlebt. Wenn man Frauen dazu bringen will, in einer großen, brummenden Röhre für die Wissenschaft einen Orgasmus zu bekommen, bedarf es einiger Überzeugungskunst. Und man muss frische Bettlaken dabei haben. "Jetzt bin ich die Wäschefrau und gleichzeitig Projektleiterin", beschrieb sie das in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift "The Atlantic". Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. Denn sie und ihr Team wissen jetzt, was im weiblichen Gehirn passiert und stellten damit frühere Forschungen auf den Kopf.

Jede Menge Aktivität

Orgasmus – dabei schaltet das weibliche Gehirn ab: So hatten Wissenschaftler der Universität Groningen vor Jahren ihre Ergebnisse überschrieben und damit weltweit Schlagzeilen gemacht. Doch die Untersuchungen von Dr. Nan Wise zeigen jetzt, das stimmt gar nicht. Nichts wird abgeschaltet, im Gegenteil. Die Bilder aus Magnetresonanztomographen weisen jede Menge Aktivität im Gehirn nach. Sie nimmt allmählich zu bis zum Orgasmus, erreicht ihren Höhepunkt beim Orgasmus und nimmt dann ab, so beschreiben es die Forscher im "Journale of Sexual Medicine".

Wir fanden keinen Beweis für die Deaktivierung von Gehirnregionen vor oder während des Orgasmus. Die aktivierten Hirnregionen umfassten sensorische, motorische, das Belohnungssystem, frontale kortikale und Hirnstammregionen.

Studie Dr. Nan White Journale of Sexual Medicine

Die Forscher um Dr. Nan haben für die Studie die Orgasmen von insgesamt zehn Frauen ausgewertet. Um saubere MRT-Bilder zu erhalten, wurden die Köpfe der Frauen mit Plastikschalen fixiert. Wise und ihr Team nannten diese Schalen "Hannibal Lecter Happy Helmet". Das war nicht das einzige Problem, wie diese Probandin in einem Interview mit National Geographic erzählte.

Es ist schon ziemlich nervenaufreibend einen Orgasmus im MRT zu haben, mit so vielen Menschen um einen herum. Normalerweise habe ich keine Zuschauer.

Testperson Monica National Geographic

Beim Beginn der Stimulation und nach dem Orgasmus mussten die Probandinnen einen Knopf drücken. So konnten die Forscher bei der Auswertung die beiden Zeitpunkte genau gegenüberstellen, denn die Phase dazwischen war bei allen Probandinnen unterschiedlich. Bei der Untersuchung fanden die Wissenschaftler auch heraus, dass es bei der Gehirnaktivität keinen Unterschied machte, ob die Frauen sich selbst stimulierten oder ihre Partner das taten.

Über dieses Thema berichtete MDR Fernsehen: Leichter l(i)eben | 09.10.2017 | 17:00 Uhr