Evolutionsgeschichte Neanderthaler kreuzte sich mit eigenem Vorgänger

Dass sich Denisova-Menschen mit Neanderthalern und letztere mit modernen Menschen vermischten, ist bekannt. Laut US-Forschern kreuzten sich Denisovaner und Neanderthaler aber auch mit ihren eigenen Vorgängern in Eurasien, den "Superarchaikern".

Gruppe von Neanderthalern in der Eiszeit
Neanderthaler streifen während der Eiszeit durch die Weiten Eurasiens. Bildrechte: imago images/Mary Evans

Mit Neanderthalern und Denisova-Menschen lebten bis vor etwa 40.000 Jahren in Eurasien mindestens zwei nahe Verwandte des heutigen modernen Menschen. Seit einigen Jahren weiß man, dass beide nicht nur gemeinsame Vorfahren hatten, sondern auch gemeinsame Nachkommen zeugten.

Abspaltung vor über 600.000 Jahren

Nachbildung eines Denisova-Menschen
Nachbildung eines weiblichen Denisova-Menschen Bildrechte: imago images/UPI Photo

Wann sich jedoch die Entwicklungslinien der beiden Populationen trennten, war lange Zeit unklar. Zuletzt war eine Abspaltung der Neanderthaler von den Denisovanern vor etwa 380.000 Jahren angenommen worden. Wissenschaftler der University of Utah um den Anthropologen Prof. Alan R. Rogers sind nun zu dem Schluss gekommen, dass sich die Neanderthaler bereits sehr viel früher - nämlich schon vor 600.000 Jahren - von den Denisovaneren genetisch unterschieden.

Neanderthaler, Denisovaner, Superarchaiker

Rekonstruktion eines Neandertalers im Neandertalmuseum in Mettmann
Rekonstruktion eines Neandertalers Bildrechte: imago/Olaf Döring

Das Modell der Forscher zeigt auch, dass sich die gemeinsamen Vorfahren der Neandertaler und der Denisova-Menschen mit einer "superarchaischen" Bevölkerung vermischten, die sich bereits zwei Millionen Jahre zuvor abgespalten hatte. Demzufolge kreuzten sich also die Vorfahren der Neanderthaler und der Denisovaner gewissermaßen mit ihren eigenen eurasischen Vorgängern. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um den frühesten Hinweis auf den Gentransfer zwischen unterschiedlichen Hominiden-Populationen.

Beleg für frühere Modelle

Das Modell von Rogers und Kollegen basiert auf einem neuartigen Software-Ansatz. Es unterstützt nach Angaben der Forscher frühere Befunde, wonach sich Denisovaner mit "Superarchaikern" kreuzten und Denisovaner und Neanderthaler sich im mittleren Pleistozän trennten. Außerdem werden jene Befunde gestützt, denen zufolge sich Neanderthaler und die Vorfahren des modernen Menschen vermischten.

Drei Einwanderungswellen aus Afrika

Darüber hinaus erhärtet das Modell der Anthropologen um Rogers die Ansicht, dass der moderne Mensch und seine Vorfahren nur dreimal von Afrika nach Eurasien auswanderten: nämlich vor 1,9 Millionen Jahren, vor 700.000 Jahren und vor 50.000 Jahren. Das mittlere Pleistozän vor etwa 600.000 Jahren habe dann jene Zeitspanne markiert, in der erstmals großhirnige Hominiden in Europa und Asien erschienen, was ein wichtiger Meilenstein für die frühen Menschen gewesen sei.

dn

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