Neue Therapie Kann man Juckreiz einfach abschalten?

Juckreiz ist eine komplexe Erkrankung. Die Ursache dafür zu finden, ist nicht einfach, da sie oft nicht auf der Haut liegt. Schweizer Forscher haben jetzt einen neuen Behandlungsansatz für Menschen und Tiere entwickelt. Sie wollen den Juckreiz einfach abschalten.

Welpe kratzt sich
Die Schweizer Forscher arbeiten an neuen Medikamenten, die den chronischen Juckreiz bei Menschen aber auch bei Hunden ausschalten sollen. Bildrechte: IMAGO

Wer unter ständigem Juckreiz leidet, kennt diese Beschreibung vielleicht: "Wir haben Fälle, bei denen Menschen eine verzweifelte Odyssee hinter sich haben, von Praxis zu Praxis gelaufen sind, ohne dass sich ihr Leiden wesentlich gebessert hat." So berichtet Silke Herold, Chefärztin des Fachkrankenhauses für Dermatologie Schloss Friedensburg in Thüringen, in der MDR Sendung "Hauptsache Gesund" von ihren Erfahrungen.

Es gibt Schätzungen, dass rund zehn  Prozent der Menschen von chronischem Juckreiz betroffen sind. Die Ursachen sind extrem vielfältig und liegen dabei oft unter der Haut, können zum Beispiel Nieren- oder Leberleiden sein. Mediziner arbeiten inzwischen oft fachübergreifend, um den Patienten Linderung zu verschaffen. Zum Beispiel Hautärzte gemeinsam mit Experten für innere Medizin oder Ernährung - sie betrachten die Menschen ganzheitlich, um so die Ursache zu finden und zu behandeln.

Signalweg wird gehemmt

Das ist aber nicht immer möglich. Forscher der Universität Zürich haben nun einen neuen Ansatz bei der Juckreiz-Therapie entwickelt. Sie wollen verhindern, dass das Juckreizsignal im Gehirn ankommt, den Juckreiz quasi abschalten.

Bereits vor drei Jahren haben die Wissenschaftler um Prof. Hanns Ulrich Zeilhofer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich die entsprechenden Nervenzellen im Rückenmark lokalisiert. Mit einem experimentellen Arzneimittel ist es ihnen jetzt nach eigenen Angaben gelungen, die Wirkung bestimmter Nervenzellen im Rückenmark zu verstärken, die die Weiterleitung von Juckreizsignalen ins Hirn hemmen.

Versuche mit Mäusen und Hunden

Dazu haben sie genetisch veränderte Mäuse genutzt. In den Versuchen entdeckten sie zwei Rezeptoren, über die sich die Nervenzellen steuern lassen. Sie gehören nach Angaben der Forscher zu einer Rezeptorfamilie, die vom Botenstoff γ-Aminobuttersäure, besser bekannt als GABA, aktiviert wird. Der Neurotransmitter GABA wird in der Medizin bereits durch Medikamente genutzt, die bei Schlaflosigkeit, Angststörungen oder Epilepsie verordnet werden.

Auch der Wirkstoff der Schweizer stammt aus diesem Bereich. Er wurde für ein angstlösendes Medikament entwickelt. Die Ergebnisse der Experimente, die in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Wirkung auch bei ekzemartigen Veränderungen der Haut erzielt wird und diese dadurch schneller verheilen kann. Versuche mit Hunden, die die Forscher im Tierspital der Universität Zürich durchführten, zeigten ebenfalls diese Wirkung. Die Forscher haben ihre Entwicklung inzwischen zum Patent angemeldet und arbeiten mit Firmen zusammen, um Produkte für die Human- und Tiermedizin zu entwickeln.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 09. November 2017 | 21:00 Uhr