Vier Frauen und ein Mann mit Mikrophon in der Hand singen
Manche Songs kann jeder mitsingen - welches Rezept steckt dahinter? Bildrechte: colourbox

Musikforschung Was den Popsong zum Evergreen macht

Was macht einen Popsong zum unverwechselbaren Hit? Zwei Forscher aus den USA haben hunderte Popsongs untersucht und wurden vom Ergebnis selber überrascht.

Vier Frauen und ein Mann mit Mikrophon in der Hand singen
Manche Songs kann jeder mitsingen - welches Rezept steckt dahinter? Bildrechte: colourbox

Ob "California Dreaming" von The Mamas & the Papas, "Penny Lane" von den Beatles, "Walk on the wild side" von Lou Reed oder Leonhards Cohens "Hallelujah": Was haben sie gemeinsam außer ihrem Erfolg, oder anders gefragt - was haben sie, was anderen Songs fehlt? Genau das wollten Vincent Cheung und Stefan Koelsch vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig wissen und haben dazu 80.000 Akkorde aus 745 US-Hits analysiert. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin "Current Biology".

Das Rezept für den Song mit garantiertem Hörvergnügen ist überraschend: Die Mischung aus Unsicherheit und Überraschung in der Akkordabfolge.

Songs, die wir als angenehm empfinden, sind wahrscheinlich diejenigen, die eine gute Balance erreichen zwischen unserem Wissen, was als nächstes passieren wird, und der Überraschung mit etwas, das wir nicht erwartet haben.

Neurowisenschaftler Vincent Cheung

Wie man Musik auf den Zahn fühlt

Mann mit Kopfhörern
Forscher Vincent Cheung Bildrechte: MPI CBS

Man nehme einen Song, befreie ihn von schmückendem Beiwerk - Text weg, Melodie weg - und höre nur Akkordfolgen. Die Forscher analysierten bei ihren Probanden Hirnbilder mittels funktioneller Magnetresonanztomographie. Dabei zeigte sich zum einen, dass das musikalische Vergnügen in drei Gehirnregionen gespiegelt wird, in der Amygdala, dem Hippocampus und dem auditorischen Kortex. Hier werden Klang, Emotionen, Lernen und Gedächtnis verarbeitet. Das entsprach dem, was man bereits wusste.

Neu und überraschend für die Wissenschaftler war jedoch, dass das Belohnungszentrum, der Nucleus accumbens, eine Rolle beim Musikhören spielt: Waren sich Einzelpersonen relativ sicher, welche Akkorde als nächstes zu erwarten waren, empfanden sie es als angenehm, wenn sie stattdessen überrascht wurden. Auf der anderen Seite: Waren Einzelpersonen unsicher, was sie als nächstes erwartete, fanden sie es angenehm, wenn nachfolgende Akkorde nicht überraschend waren.

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 16:28 Uhr