Ein Mann hält einem Kind ein Smartphone ans Ohr
Bildrechte: University of Washington

Smarter Otitis-Test Diese App misst Ohrenschmerzen

Sind Sie auch schon mal vom schrillen Kreischen eines Kleinkinds geweckt worden? Und haben dann gesucht, wo es wehtut, weil der Nachwuchs noch nicht reden kann? Fiese Sache. Eine App könnte helfen, Mittelohrentzündungen zu erkennen.

Ein Mann hält einem Kind ein Smartphone ans Ohr
Bildrechte: University of Washington

Glücklich, wenn das Kind schon anzeigen kann, wo es weht tut und die Hände auf die Ohren presst: Dann sind es Ohrenschmerzen, lateinisch Otitis. Ist das Kind aber noch zu klein um zu zeigen, wo es weh tut, könnte eine App Eltern helfen. Mittels Smartphone und einem Minitrichter aus Papier kann man testen, ob es tatsächlich Probleme im Ohr gibt - oder die Schmerzquelle doch woanders ist.

Wer denkt sich denn so was aus?

Entwickelt haben das Wissenschaftler der Universität Washington. Sie haben einen Algorithmus entwickelt, der anhand von Schallwellen und deren Verhalten im Ohr erkennen kann, ob sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit  angesammelt hat oder nicht. Getestet wurde das Programm an Kindern und Jugendlichen, die Rate der richtigen Analysen lag nach Aussagen der Entwickler dabei bei 85 Prozent.

Ein Smartphone
Grüner Bereich: Flüssigkeit unwahrscheinlich oder Doktorbesuch nötig? Die Schallwelle und die Farbskala helfen weiter. Bildrechte: University of Washington

Wie funktioniert das Ganze nun?

Mithilfe des Smartphone-Lautsprechers werden spezielle Laute, die klingen wie ein Vogelzwitschern, durch einen Papiertrichter ins Ohr geschickt. Je nach Schall-Reaktion rät die die App zum Arztbesuch oder nicht. Studienautor Justin Chan verdeutlicht das Prinzip: "Wenn man ein Glas Wein antippt, klingt es immer anders, je nachdem wie voll es ist. Das App-System ist darauf trainiert, verschiedene Klänge zu erkennen." Liegt das Trommelfell frei, vibriert es und schickt die Schallwellen zurück. Die Vibration fällt aus, wenn Flüssigkeit vorhanden ist und die zurückkehrenden Schallwellen klingen anders.

Mann hält weinendes Kleinkind im Arm. 1 min
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Di 14.05.2019 12:14Uhr 01:05 min

https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/otits-ohrenschmerzen-app100.html

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 Schon Realität oder noch Zukunftsmusik?  

Studien-Mitautor Shyam Gollakota beschreibt, was die App so praktisch macht: Sie kann Eltern unkompliziert einen ersten wichtigen Hinweis geben, ob das Kind Schmerzen im Ohr hat - oder nicht. Außer einem Stück Papier braucht man keine zusätzliche Hardware. Und man gewinnt Klarheit über die Schmerzsymptomatik, auch wenn diese Schnell-Analyse den Arztbesuch nicht ersetzt. Die App gibt noch nicht im Appstore, eine Vermarktung ist aber geplant.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 26. Oktober 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 11:56 Uhr