Der Vulkan Mount Sinabung
Der Mount Sinabung auf Nordsumatra/Indonesien ist 2017 mehrfach ausgebrochen. Der Weltuntergang aber blieb aus. Bildrechte: IMAGO

Parawissenschaften Wahrsagercheck 2017: Wieder kein Weltuntergang

Ende des Jahres ist Zeit Bilanz zu ziehen. Das bedeutet eben auch zu gucken: Ist die Welt nun untergegangen oder nicht? Schließlich wurde das für 2017 ganze vier Mal prophezeit. Jedes Jahr bringt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften dazu ihren Wahrsagercheck heraus.

von Karolin Dörner

Der Vulkan Mount Sinabung
Der Mount Sinabung auf Nordsumatra/Indonesien ist 2017 mehrfach ausgebrochen. Der Weltuntergang aber blieb aus. Bildrechte: IMAGO

Wären die Vorhersagen der kanadischen Wahrsagerin Nikki Pezaro wahrgeworden, das Jahr 2017 wäre tierisch unangenehm gewesen: Sie sah kannibalische Pandabären, eine Invasion riesiger Marienkäfer und Menschen, die überall auf der Welt von aggressiven Eichhörnchen angefallen werden. Die Vorhersagen waren nicht nur falsch, sie waren zum Teil biologisch sogar völlig unmöglich, erzählt der Mathematiker Michael Kunkel von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), der den Wahrsagercheck erstellt hat:

Es sollte ein Piranha mehrere Menschen verspeisen. Die Tiere werden nur 40 Zentimeter groß, das wäre auch ein sehr interessantes Ding gewesen.

Michael Kunkel, GWUP

Mit Mathematik hat das Ganze aber nichts mehr zu tun. Die Voraussagen sind in der Regel viel zu vage formuliert, um Trefferquoten zu berechnen, erklärt Michael Kunkel. Standardprognosen sind demnach alle möglichen Naturkatastrophen. Aber die passieren ohnehin jedes Jahr. “Deswegen ist eine Prognose der Art, es wird nächstes Jahr Naturkatastrophen geben, lächerlich. Die ist genauso interessant, wie wenn ich sage: heute Abend geht die Sonne unter.“

Ein Panda
Kannibalische Pandas? Da können die Besucher des Berliner Zoos nur lachen. Die freuen sich seit 2017 über Meng Meng. Der ist jetzt sogar für den Giant Panda Award nominiert. Kategorie: Beliebtester Panda außerhalb Chinas. Bildrechte: Zoo Berlin

Manchmal wird es dann doch überraschend konkret: So sagte der Brite Craig Hamilton-Parker einen Euro-Crash voraus, der dazu führen würde, dass Italien und Dänemark aus der EU austreten. Außerdem sollten sich Nord- und Südkorea wiedervereinen und das britische Parlament brennen. Feuer sah auch Kollegin Pezaro, bei ihr aber brannte der Buckingham-Palast. Der Schiefe Turm von Pisa sollte umfallen und im Eriesee ein UFO landen. Bewahrheitet hat sich davon 2017 nichts, so Michael Kunkel. Ein wenig überraschend fand er lediglich, dass mehrere Wahrsager das Gleiche vorhersagten. Und dann eben alle daneben lagen.

Wir hatten 2010 diesen isländischen Vulkan, der ausgebrochen ist. Das wird seither für jedes Jahr wieder vorhergesagt und für 2017 haben gleich zwei, ein Astrologe und ein Palmblattdeuter, das vorhergesagt. Es war natürlich wieder falsch. Und es wurde auch für 2018 schon vorhergesagt.

Michael Kunkel

Die meisten Aussagen haben aber eines gemein: Sie sind negativ. Wahrsager sehen meist Katastrophen, Kriege, Weltuntergänge. Selten kann man sich über eine Prophezeiung freuen. Das ärgert den Mathematiker, denn dadurch werden Ängste geschürt. Michael Kunkel wertet deswegen jedes Jahr hunderte Texte, Webseiten und Videos aus. Zusammen mit der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften erstellt er dann den Wahrsagercheck. Das Ziel: Aufzeigen, dass bestenfalls Meteorologen die Zukunft voraussagen können - wenn auch nur für ein paar Tage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 30. Dezember 2017 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2017, 05:00 Uhr