Pilze sammeln - Genuss und Gefahr 250 Gramm Pilze sind ungefährlich – wenn es Speisepilze sind

Mitten in der Pilzsaison gibt es schlechte Nachrichten: Das Giftinformationszentrum meldet eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Pilzvergiftungen. Was ist los in unseren Wäldern und bei den Pilzsammlern? Kann man noch mit Genuss Wildpilze sammeln und essen oder ist das in diesem Jahr besonders gefährlich? Und wie viel Radioaktivität steckt immer noch in den Fruchtkörpern?

zwei Pilze 2 min
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Pilze finden - das bedarf Übung und Wissen, verrät Pilzberater Stefan Fischer aus Zeitz. Im Hochwald gibt es zur Zeit die meisten.

In Mittelsachsen haben wir die große Dübener Heide, die immer reiche Pilzvorkommen bietet. Und mein Favorit ist ganz einfach der Thüringer Wald, das Thüringer Holzland.

Stefan Fischer, Pilzberater

Neben dem Thüringer Wald kann Fischer das Erzgebirge empfehlen. "Überall dort, wo schöne große Waldstücken sind, wird man sicher Erfolg haben."

Doch vielen Sammlern bleibt in diesem Jahr der Erfolg in der Kehle stecken: Die Zahl der Pilzvergiftungsfälle ist bereits doppelt so hoch wie 2018, meldet das Gemeinsame Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dabei hat die Pilzsaison gerade erst so richtig begonnen. Die Zahlen muss man statistisch richtig einordnen, sagt Pilzberater Stefan Fischer aus Zeitz. Es werden dabei auch viele Verdachtsfälle erhoben, sagt er:

Es kann auch eine Unverträglichkeit vorliegen oder sie waren verdorben oder wurden nicht ordentlich erhitzt. Das spielt auch eine Rolle. Die Statistik der wirklichen Vergiftungen kann erst später erhoben werden.

Stefan Fischer

Allerdings räumt Fischer auch ein: Das Pilzjahr 2019 ist außergewöhnlich. Zuerst die Trockenheit im Sommer, dann heftige Regenfälle, dadurch an Waldrändern und Wiesengebieten explosionsartige Vorkommen von Champignons. "Und eben auch von dem Giftchampignon."

Vorsicht beim Sammeln! Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger

Speisepilze sind nicht nur lecker, sondern auch gesund. Ob ein Pilz genießbar oder giftig ist, kann man manchmal nur schwer unterscheiden. Hier eine Auswahl von leckeren Speisepilzen und ihren gefährlichen Doppelgängern

Pilz
Steinpilze Sie gehören zu den beliebtesten Speisepilzen überhaupt: Steinpilze. Von ihnen gibt es mehrere Arten, die für die meisten Pilzsammler kaum zu unterscheiden sind. Die Bezeichnung rührt daher, dass ihr Fleisch fester ist, als das der meisten anderen Pilze. Steinpilze bilden eine eigene Sektion in der Gattung der sogenannten Dickröhrlinge. Von anderen Gattungsvertretern heben sie sich durch jung weiße, später auch blassgelb verfärbende Röhren ab. Ein weiteres Merkmal: Bei Bruch oder Anschnitt verfärbt sich das Fleisch von Steinpilzen nicht. Bildrechte: Colourbox.de
Pilz
Steinpilze Sie gehören zu den beliebtesten Speisepilzen überhaupt: Steinpilze. Von ihnen gibt es mehrere Arten, die für die meisten Pilzsammler kaum zu unterscheiden sind. Die Bezeichnung rührt daher, dass ihr Fleisch fester ist, als das der meisten anderen Pilze. Steinpilze bilden eine eigene Sektion in der Gattung der sogenannten Dickröhrlinge. Von anderen Gattungsvertretern heben sie sich durch jung weiße, später auch blassgelb verfärbende Röhren ab. Ein weiteres Merkmal: Bei Bruch oder Anschnitt verfärbt sich das Fleisch von Steinpilzen nicht. Bildrechte: Colourbox.de
Gemeiner Gallenröhrling
Gallenröhrling Als zumindest ungenießbarer Doppelgänger von Steinpilzen hat der sehr bittere Gallenröhrling so manchem Pilzfreund schon das Essen verdorben. Vor allem jung kann er Steinpilzen sehr ähneln. Anders als dieser hat er jedoch eine dunkle Netzzeichnung auf dem meist ocker-gelblichen Stiel, während der Steinpilz vor allem am oberen Stielende ein weißes Stielnetz aufweist. Darüber hinaus färben sich die Röhren des Gallenröhrlings im Alter schmutzig-rosa, die des Steinpilzes jedoch oliv. Kostet man eine kleine Probe des Gallenröhrlings wird man seine Bitterkeit sehr deutlich bemerken. Giftig ist der aufgrund seines Geschmacks auch als Bitteröhrling bekannte Pilz allerdings nicht. Bildrechte: imago/blickwinkel
Wiesen-Champignon
Wiesen-Champignon Besonders hoch ist die Verwechslungsgefahr von Speise- und Giftpilzen vor allem bei sogenannten Blätter- oder Lamellenpilzen. Auch die sehr beliebten und schmackhaften Wiesen-Champignons gehören dazu. Sie sind häufig auf Wiesen, Weiden und sogar im eigenen Garten zu finden. Ganz wichtig! Beim Anschnitt der Stielbasis sollte das Fleisch weiß bleiben oder sich leicht rötlich verfärben. Auf keinen Fall darf es aber kräftig gelb anlaufen! Bleiben die Lamellen hell oder gar weiß, kann es sich sogar um einen gefährlichen Giftpilz wie z.B. den Weißen Knollenblätterpilz handeln. Bildrechte: imago/Leemage
Karbolegerling Giftchampignon Karbolchampignon
Gift-Champignon Der dem Wiesen-Champignon sehr ähnlich sehende Gift-Champignon wächst ebenfalls auf Wiesen und Weiden. Allerdings riecht der Gift-Champignons sehr unangenehm, was ihm auch den Namen Karbol-Champignon eingebracht hat. Außerdem färbt sich seine Stielbasis im Schnitt schnell und intensiv gelb. Der Gift-Champignon gilt als schwach giftig. Vergiftungen führen zu heftigem Erbrechen und Durchfall, in schweren Fällen auch zu Schwindel und Sehstörungen. Bildrechte: IMAGO
Egerlingsschirmling
Auch der nicht essbare Egerlingsschirmling wird gelegentlich mit dem Wiesenchampignon verwechselt. Bildrechte: imago/Metodi Popow
Frauentäubling . Russula cyanoxantha
Frauentäubling Auch bei den beliebten Täublingspilzen sollte man stets genau hingucken. Am sichersten ist der Frauentäubling zu bestimmen: ein großer, kompakter Pilz, der vor allem in Buchenwäldern, aber auch unter Eichen und Fichten vorkommt. Andere Täublingsarten sind entweder schwer bestimmbar oder das Sammeln lohnt kaum. Ganz wichtig! Täublinge haben niemals einen Ring oder eine Manschette, geschweige denn eine Knolle an der Wurzel. Bildrechte: IMAGO
Grüner Knollenblätterpilz . Amanita phalloides
Grüner Kollenblätterpilz Grün gefärbte Täublinge können bei Leichtfertigkeit mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Das ist schon passiert. Für eine sichere Bestimmung sollte man die Pilze deshalb immer vorsichtig herausdrehen und nicht abschneiden! Der Verzehr nur geringer Mengen des Fruchtkörpers dieses Giftpilzes kann zu einer tödlichen Pilzvergiftung führen, da die enthaltenen Gifte ein Leberversagen verursachen. Bildrechte: IMAGO
Perlpilz
Perlpilz Auch der häufig gefundene und weit verbreitete Perlpilz kann leicht verwechselt werden. Der auch als Rötender Wulstling oder Fleischchampignon bekannte Speisepilz kommt sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vor. Markant und namensgebend ist die rosarote bis rötliche Verfärbung an verletzten Stellen. Ältere Fruchtkörper sind häufig mit ebenso verfärbten Madengängen durchzogen. Wichtig! Die Manschette bei Perlpilzen ist stets gerieft. Bildrechte: IMAGO
Pilz
Pantherpilz Anders beim giftigen Pantherpilz, der häufig mit dem Perlpilz verwechselt wird. Dessen Manschette ist stets ungerieft. Der Pantherpilz ist für Menschen giftig. Knapp sieben Prozent aller Pilzvergiftungen gehen auf sein Konto. Ein bis zwei Stunden nach dem Verzehr des Pilzes und der damit verbundenen Vergiftung treten Übelkeit, Durchfall und Erbrechen ein, die Haut rötet und die Pupillen weiten sich. Anschließend macht sich ein Übergang zu Erregungs- und Rauschzuständen bemerkbar, Krampfanfälle und Verwirrtheit können ebenso auftreten. Bildrechte: IMAGO
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Der tintig riechende, giftige Karbolchampignon sieht dem Wiesenchampignon zum Verwechseln ähnlich. Ebenso der Egerlingsschirmling, der weiße statt rosafarbene Lamellen hat und als nicht essbar gilt. In der Region Chemnitz, so berichtet Stefan Fischer, gibt es in diesem Jahr viele der Pantherpilze, dessen Gift Halluzinationen, Krämpfe und Atemlähmung auslösen kann.

Den Pantherpilz kann man vor allem mit dem Perlpilz verwechseln, der ja auch gerne genommen wird. Man muss sich die Merkmale genau angucken: Er hat eine Knolle, die Manschette ist anders und er rötet nicht im Hutfleisch.

Stefan Fischer

95 Prozent aller Pilzvergiftungen gehen glücklicherweise noch glimpflich ab. Und von den ca. 5.000 Pilzsorten, die es in unseren Breiten gibt, ist glücklicherweise nur etwa jeder fünfzigste ein Giftpilz, jeder zehnte aber ein Speisepilz.

33 Jahre nach Tschernobyl

Doch auch da wird der Pilzfreund gewarnt. Diesmal vom Bundesamt für Strahlenschutz: Auch 33 Jahre nach Tschernobyl sind Wildpilze immer noch radioaktiv belastet. In manchen Teilen Bayerns könne man mit nur einer Pilzmahlzeit mehr Radioaktivität aufnehmen als durch andere Lebensmittel im Laufe eines Jahres. Für Bayern trifft das zu, sagt Dieter Kunadt von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Allerdings sieht er für Mitteldeutschland keine größere Gefahr:

Es ist bei weitem nicht so wie in Bayern. Die Radioaktive Wolke ist ja über die Slowakei und Tschechien nach Bayern und Baden Württemberg gezogen und eine kleine Wolke kam über die Ostsee in den Harz.

Dieter Kunadt, Deutsche Gesellschaft für Mykologie

Dort, so Kunadt,  habe man jetzt auch erhöhte Werte festgestellt, aber nicht im kritischen Bereich. Man müsse nur aufpassen, dass man nicht zu viele Pilze isst. "Und stellen Sie sich vor, Sie fliegen nach New York. Da haben Sie mit einem Flug mehr Radioaktivität aufgenommen als mit den Pilzen."

Bis zu 250 Gramm Wildpilze pro Woche - das sei ungefährlich, heißt es auch vom Bundesamt für Strahlenschutz. Fazit also: Für den wachsamen Sammler, der nur Pilze mitnimmt, die er wirklich kennt, für den ist Pilze sammeln auch in diesem Jahr nicht gefährlich, sondern ein Genuss.

Pilzglück Super-Pilze in der Dresdner Heide

BIWAK-Moderator Thorsten Kutschke hatte diese Woche echtes Pilzglück. Mit vollen Pilzkörben kam er aus den Wäldern zurück. In der Dresdner Heide fand er einen Riesenpilz. Genau wie Nadine Bors, die am Heiderand wohnt.

BIWAK-Moderator Thorsten Kutschke hatte diese Woche echtes Pilzglück. Mit vollen Pilzkörben kam er aus Sachsens Wälder zurück.
Bildrechte: Thorsten Kutschke
BIWAK-Moderator Thorsten Kutschke hatte diese Woche echtes Pilzglück. Mit vollen Pilzkörben kam er aus Sachsens Wälder zurück.
Bildrechte: Thorsten Kutschke
Eine Frau hält einen großen Steinpilz in der Hand.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Sachsenspiegel | 16. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

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